Schlafstörungen bei Kindern durch Handy, Laptop und Co.

Verena Elson
Ein Kind schaut unter der Decke auf sein Smartphone
Schon Kinder im Vorschulalter nutzen immer mehr digitale Medien. US-Forscher haben untersucht, wie sich das auf ihren Schlafrhythmus auswirkt © iStock

Das Licht von Bildschirmen schadet Kindern deutlich mehr als Erwachsenen, hat eine aktuelle Studie ergeben. Warum ist das so und was können Eltern tun?

Ob wir abends gut einschlafen können, hängt wesentlich von unserer „inneren Uhr“ ab – davon, ob unser Körper auf Nacht eingestellt ist oder sich noch im „Tagmodus“ befindet. Die „innere Uhr“ wird von mehreren äußeren Einflüssen gesteuert, die ihr signalisieren, welche Tageszeit gerade ist.

Eine wichtige Rolle spielt dabei der Wechsel von Licht und Dunkelheit. Wird es abends dunkel, schüttet der Körper vermehrt den Botenstoff Melatonin aus, auch als Schlafhormon bekannt. Er sorgt dafür, dass wir schläfrig werden und der Organismus sich auf die Nachtruhe einstellt. Sind wir in den Abendstunden viel hellem Licht ausgesetzt, werden wir später müde und können gegebenenfalls schlechter einschlafen.

Wissenschaftlern ist seit Längerem bekannt, dass speziell das Licht von Bildschirmen Schlafstörungen fördert. Der Grund: Es hat einen hohen Anteil an Blaulicht, das den Melatoninspiegel besonders stark senkt. Mediziner raten darum davon ab, unmittelbar vor dem Schlafengehen Smartphones, Tablets oder Fernseher zu benutzen.

 

Für Kinder ist blaues Licht noch schädlicher

Zahlreiche Studien wiesen in der Vergangenheit darauf hin, dass der schlafstörende Effekt des Bildschirmlichts bei Kindern noch stärker ausfällt als bei Erwachsenen. Wissenschaftler der University of Colorado Boulder wollten nun herausfinden, wie groß dieser Unterschied ist, und werteten in einer Metaanalyse mehr als 60 Studien aus, die sich mit dem Thema beschäftigten.

Sie stellten fest: 90 Prozent der Studien zeigten bei Kindern einen Zusammenhang zwischen mehr Bildschirmzeit und einer schlechteren Schlafqualität.

Ein Kinderauge
Die Augen von Kindern befinden sich noch in der Entwicklung und sind darum noch lichtdurchlässiger als die von Erwachsenen. Nutzen sie Bildschirmmedien, fällt mehr von dem blauen Licht in ihre Augen und ihr Tag-Wach-Rhythmus wird stärker gestört© iStock
 

Kinderaugen sind lichtdurchlässiger

Weil die Augen von Kindern noch nicht vollständig entwickelt sind, sind sie empfindlicher für die Auswirkungen des Bildschirmlichts, so die Studienautoren. „Licht ist der wichtigste Zeitgeber für unser Gehirn“, erklärt Studienleiterin Monique LeBougeois in einer Pressemitteilung.

Wenn Licht in den Abendstunden auf die Netzhaut fällt, schickt es eine Reihe von Signalen an das zirkadiane System, also an die Schaltstelle, die unseren Tag-Wach-Rhythmus reguliert. Diese drosselt die Melatoninproduktion und verzögert das Eintreten der Schläfrigkeit – so wird die innere Uhr zurückgestellt.

 

Auswirkungen bei Kindern doppelt so stark

Eine der Studien zeigte, dass der Melatoninspiegel bei Kindern doppelt so stark abfällt wie bei Erwachsenen, wenn sie derselben Menge Licht ausgesetzt sind. Und das betrifft nicht wenige: Laut Studienergebnissen nutzen 60 Prozent davon Bildschirmmedien in der Stunde vor dem Zubettgehen.

Die Auswirkungen der wachsenden Mediennutzung unter Kindern und Jugendlichen ist laut LeBougeois noch längst nicht vollständig erforscht. Besonders Kinder im Vorschulalter sind ihrer Ansicht nach gefährdet. „Die Vorschuljahre sind eine sehr heikle Zeit der Entwicklung, in der die Nutzung digitaler Medien immer allgegenwärtiger wird. Es gibt vieles, das wir noch nicht darüber wissen, wie sich das auf den Schlaf und die innere Uhr von kleinen Kindern auswirkt.“

Die Empfehlung der Wissenschaftler lautet darum: In der Stunde vor dem Zubettgehen sollten Kinder und Jugendliche keine Bildschirmmedien mehr nutzen. Geräte wie Smartphones und Tablets sollten über Nacht ausgeschaltet, aus dem Zimmer verbannt und frühestens am Morgen wieder eingeschaltet werden.

© by WhatsBroadcast

Themen
Das könnte Sie auch interessieren
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.