Schlafmangel: Diese Folgeerscheinung kannten wir noch nicht!

Verena Elson Medizinredakteurin

Zahlreiche Studien zeigen: Wer zu wenig schläft, schadet auf Dauer seinem Körper. Doch es gibt eine Nebenwirkung von Schlafmangel, die sofort eintritt – aber kaum jemand weiß davon.

Wenn wir zu wenig Schlaf bekommen, sind wir dehydriert – und das macht uns zusätzlich müde und schlapp
Wenn wir zu wenig Schlaf bekommen, sind wir dehydriert – und das macht uns zusätzlich müde und schlapp Foto:  seb_ra/iStock

Während wir schlummernd im Bett liegen, arbeiten einige Teile unseres Körpers mit Hochdruck: Das Immunsystem ist auf der Jagd nach Krankheitserregern, die Leber baut Giftstoffe ab und wandelt Nährstoffe um, das Gehirn speichert neu Erlerntes im Langzeitspeicher ab.

Wer zu wenig schläft, wird launisch und unkonzentriert, anfälliger für Infekte und auch das Risiko für ernsthafte gesundheitliche Probleme steigt: So fördert Schlafmangel etwa die Entstehung von Übergewicht und Bluthochdruck und erhöht bei schwangeren Frauen die Gefahr einer Frühgeburt.

2018 stießen US-Forscher:innen auf eine weitere Wirkung, die Schlafmangel auf den Körper hat: Er greift in das „Management“ des körpereigenen Flüssigkeitshaushalts ein und sorgt dafür, dass wir dehydriert aufwachen – Schlafmangel lässt uns gleichsam austrocknen.

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Wer wenig schläft ist häufiger dehydriert

Wissenschaftler:innen um Asher Rosinger an der Pennsylvania State University analysierten Urinproben von 25.000 Probanden aus China und den USA, die zuvor Angaben zu ihren Schlafgewohnheiten gemacht hatten. Sie suchten gezielt nach Biomarkern im Urin, die auf eine Dehydrierung hinweisen.

Das Ergebnis: Studienteilnehmer:innen, die sechs Stunden oder weniger pro Nacht schliefen, waren im Schnitt häufiger dehydriert als Proband:innen, die rund acht Stunden Schlaf pro Nacht bekamen.

Die Schlüsselrolle bei diesem Zusammenhang spielt laut Vermutung der Forscher:innen das sogenannte antidiuretische Hormon. Die Aufgabe dieses Hormons ist die Aufrechterhaltung eines ausreichenden Flüssigkeitslevels im Körper. Es wird hauptsächlich im Schlaf freigesetzt – und zwar zum größten Teil in den letzten Stunden der Nachtruhe. Wer zu früh aufwacht, verpasst das Zeitfenster, in dem der Körper sich gleichsam selbst hydriert. Das antidiuretische Hormon tut dies, indem es Wasser aus dem Urin zieht und in den Körper zurückführt.

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Glas Wasser am Morgen füllt Flüssigkeitsspeicher wieder auf

Den Studienautor:innen zufolge kann die Dehydrierung mit dazu beitragen, dass wir uns nach einer schlafarmen Nacht so gerädert fühlen. Und nicht nur das: Eine Dehydrierung kann weitreichende Folgen haben, wie eine mangelnde Versorgung des Körpers mit Nährstoffen, die zu Symptomen wie Kopfschmerzen und Kreislaufproblemen führt. In einer Studie konnten britische Forscher:innen sogar zeigen, dass dehydriert autozufahren genauso gefährlich sein kann wie sich betrunken hinters Steuer zu setzen.

Asher Rosinger und sein Team raten darum dazu, nach kurzen Nächten den Tag mit einem Glas lauwarmen Wasser zu beginnen – das füllt die Flüssigkeitsspeicher wieder auf. Kaltes Wasser eignet sich weniger gut, da der Körper dann zusätzliche Arbeit damit hat, das Wasser auf Körpertemperatur zu erwärmen.

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Quellen:
Rosinger, Asher Y., et al. (2018): Short sleep duration is associated with inadequate hydration: Cross-cultural evidence from US and Chinese adults, in: Sleep

Watson, Phillip, et al. (2015): Mild hypohydration increases the frequency of driver errors during a prolonged, monotonous driving task, in: Physiology & behavior

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