Schiefe Kopfform beim Baby – bleibt das so?

Kinderärztin Dr. Nadine Hess: schiefe Kopfform beim Baby, was tun?
Expertin Dr. Hess: „Insbesondere in den letzten Jahren, seitdem man ausschließlich die Rückenlage als Schlafposition empfiehlt, haben Schädelasymmetrien bei Babys etwas zugenommen.“ © privat

Wie kommt eine asymmetrische Kopfform oder ein flacher Hinterkopf beim Baby zustande? Wie kann man sie verhindern und was kann man tun, wenn es bereits dazu gekommen ist?

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Es kommt relativ häufig vor, dass bei der U4 (Vorsorgeuntersuchung im Alter von drei bis vier Monaten) oder der U5 (mit ungefähr einem halben Jahr) ein sehr flacher Hinterkopf oder eine asymmetrische Kopfform beim Baby auffällt.

Oft sprechen die Eltern den Kinderarzt darauf an, manchmal fällt es den Eltern selbst aber gar nicht auf. Bei den Vorsorgen im ersten Lebensjahr sollte der Kinderarzt immer auch die Kopfform beim Baby begutachten.

 

Wie kommt eine asymmetrische Kopfform beim Baby zustande?

Baby bekommt Schädelasymetrie durch Lieblingsseite im Liegen
Viele Babys haben eine „Lieblingsseite“ zu der sie besonders gern hinschauen – so können Schädelasymmetrien entstehen© Fotolia

Insbesondere in den letzten Jahren, seitdem man zur Prävention des plötzlichen Kindstodes ausschließlich die Rückenlage als Schlafposition empfiehlt, haben Schädelasymmetrien bei Babys etwas zugenommen.

Wenngleich eine asymmetrische Kopfform nur ein kosmetisches und kein medizinisches Problem darstellt, sollten Sie darauf achten, dass die Kopfform so gleichmäßig wie möglich erhalten wird.

 

Beim Baby-Köpfchen sind die Schädelknochen noch nicht zusammengewachsen

Der Schädel eines Säuglings ist sehr formbar. Die Schädelplatten sind noch nicht an allen Stellen knöchern miteinander verbunden. Eine einseitige Lagerung des Baby-Köpfchens kann somit schnell dauerhafte Folgen haben. Liegt das Kind immer nur auf dem Rücken, kann der Kopf hinten sehr flach werden. Meist haben die Kleinen eine „Lieblingsseite“, wo sie besonders gerne hinschauen. So kommt es zu einer zusätzlichen seitlichen Abflachung des Köpfchens.

 

Wie kann ich eine schiefe oder flache Kopfform beim Baby verhindern?

Bauchlage beugt schiefer Kopfform beim Baby vor
Wenn das Baby wach ist, legen Sie es öfter auf den Bauch – die Bauchlage fördert eine symmetrische Kopfform und die Entwicklung der Nackenmuskulatur© Fotolia

Es ist also wichtig, dass Ihr Baby schon von Anfang an auch immer mal auf dem Bauch liegt. In der Bauchlage bleibt nicht nur die Kopfform unbeeinträchtigt, auch die Nackenmuskulatur bildet sich kräftiger aus – das ist notwendig für eine gesunde Haltung. Allerdings gilt das nicht fürs Schlafen: Da wird weiterhin und uneingeschränkt die Rückenlage empfohlen – erst diese Empfehlung hat die Zahlen des plötzlichen Kindstodes deutlich sinken lassen. Aber wenn Ihr Baby wach ist und sie dabei sind, können und sollten Sie es ruhig immer mal wieder auf den Bauch drehen.

 

Schiefer Babykopf durch Lieblingsseite im Bettchen

Oft entwickelt sich eine „Lieblingsseite“, weil im Bettchen oder auf der Spieldecke die eine Richtung besonders interessant ist. Legen Sie Ihr Kind also immer mal einfach andersherum ins Bett oder auf die Decke – das, was vorher immer rechts und „spannend“ war, ist dann für das Kind plötzlich auf der anderen Seite und umgekehrt.

 

Welche Behandlungsmethoden gibt es für Schädelasymmetrien beim Baby?

Mit Physiotherapie schiefe Kopfform beim Baby behandeln
In ausgeprägten Fällen kann eine schiefe Kopfform beim Baby durch Krankengymnastik therapiert werden© Fotolia

Sie können dadurch, dass Sie auf die Lagerung des Kindes und dessen „Vorzugsseite“ achten, schon viel bewirken. Reicht das nicht aus, kann bis zum Alter von sechs Monaten Krankengymnastik helfen, die Baby-Kopfform zu verbessern.

Danach sind in ausgeprägten Fällen Kopforthesen – speziell angefertige Plastikhelmchen – notwendig, um eine Asymmetrie zu korrigieren. Achten Sie also darauf, ob das Köpfchen Ihres Babys schön rund bleibt – und wenn nicht, sprechen Sie Ihren Kinderarzt bei den Vorsorgen darauf an.

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