Scheinfasten: So funktioniert das Fasten ohne Hungern

Wer auf die positiven Effekte des Fastens setzen möchte, sich aber nicht vorstellen kann, ganz auf Nahrungsaufnahme zu verzichten, der sollte es mit Scheinfasten ausprobieren. Denn das geht ganz ohne Hunger. Wir erklären, wie es geht.

Eine Frau isst ein Müsli mit Früchten
Beim Scheinfasten wird in zwei Schritten die Kalorienanzahl reduziert Foto: istock/bymuratdeniz

Scheinfasten erfreut sich seit einiger Zeit großer Beliebtheit. Schließlich soll es alle Vorteile des Heilfastens beziehungsweise des Intervallfastens mit sich bringen, allerdings ohne hungern zu müssen. Erfunden hat das Scheinfasten der Wissenschaftler Dr. Valter Longo.

Longo begann nach einem Studium der Biochemie in den USA seine Forschungsarbeiten zu den Themen Altern, Immunsystem und Diäten. Er veröffentlichte die Ergebnisse seiner Arbeit in dem Buch “Iss dich jung”. Darin beschreibt er zwei Diäten – die Longevità-Diät, die für den Alltag geeignet ist, und das Scheinfasten.

Was ist Scheinfasten?

Beim Scheinfasten handelt es sich um ein fünftägiges Diätprogramm. Dabei werden die Kalorien in zwei Schritten reduziert. Am ersten Tag nimmt man 1.100 Kalorien zu sich, in den vier folgenden Tagen nur 750 bis 800 Kalorien.

Das soll zwei positive Effekte haben: Einerseits wird der Körper in den Fastenzustand versetzt, was den Stoffwechsel ankurbelt Andererseits müssen Sie nicht gänzlich aufs Essen verzichten, weshalb ihr Körper immer noch ausreichend Nährstoffe bekommt. Somit können auch Heißhungerattacken vermieden werden. Auch ein Muskelabbau wird durch die Nahrungszufuhr verhindert.

Am Tag nach dem Scheinfasten wird noch ein sogenannter Übergangstag eingelegt, an dem der Körper mit leichter Kost wieder an die reguläre Nahrungsaufnahme gewöhnt werden soll. Hier sollte man vor allem komplexe Kohlenhydrate (Gemüse, Vollkornprodukte, Obst und Gemüse) zu sich nehmen. Alkohol, Kaffee oder Süßigkeiten sollten auch am Übergangstag tabu sein.

Essenspakete als fixer Bestandteil des Heilfastens

Teil der Scheinfasten-Kur sind fertig zusammengestellte Essensboxen, sogenannte Prolon-Diät-Boxen, die direkt beim Hersteller bezogen werden können. Darin befinden sich Lebensmittel wie Tütensuppen, Oliven, Cracker oder Schokoriegel sowie Multivitamin-Tabletten. Befürworter dieser Methode erklären, dass dies eine sehr einfache Art und Weise sei, die Diät ohne großartige Planung oder Essenszubereitung durchführen zu können.

Kritische Stimmen weisen hingegen auf den Widerspruch des nicht ganz günstigen Preises der Diät-Boxen und den eher spärlich ausfallenden Inhalt der Pakete hin. Alternativ können Sie sich Ihren Speiseplan auch selbst zusammenstellen:

Vorteile des Scheinfastens

Für viele ist das Scheinfasten deswegen interessant, weil sie möglichst schnell an Gewicht verlieren wollen. Dies ist aufgrund der deutlich reduzierten Kalorienmenge möglich – bis zu 2,5 Kilogramm Gewichtsverlust sollen in einem fünftägigen Diät-Zyklus möglich sein.

Neben der Gewichtsabnahme soll das Heilfasten noch etliche andere Vorteile mit sich bringen: Neben Blutdruck und Cholesterinspiegel sinken auch Blutzuckerwerte sowie Entzündungs- und Blutfettwerte. Zudem soll sich das Risiko, an Diabetes zu erkranken, durch das Scheinfasten verringern. Ein weiterer Vorteil: Der Anteil an dem sogenannten Insulin-like growth factor 1 (kurz: IGF-1) im Blut nimmt ab. IGF-1 ist ein Hormon, das beim Alterungsprozess und für die Entstehung von Krebs eine Rolle spielt.

Der Mediziner Prof. Dr. Andreas Michalsen, Autor des Buches “Mit Ernährung heilen", erklärt, die “Wirksamkeit auf Rheuma, Diabetes Typ 2, Bluthochdruck sowie zahlreiche chronische Schmerzsyndrome und Reizdarmsyndrome” des Scheinfastens sei wissenschaftlich belegt.

Scheinfasten ist für Schwangere und Stillende sowie Personen mit Essstörungen, Untergewicht und Proteinmangel nicht geeignet. Auch Allergiker sollten sich vor der Diät genau über die Bestandteile der Nahrungspakete informieren. Menschen mit gesundheitlichen Problemen sollten vor einer solchen Diät mit Ihrem Arzt sprechen und von ihm beurteilen lassen.

Nebenwirkungen vom Scheinfasten

Zu den möglichen Nebenwirkungen der Diät zählen laut Michalsen unter anderem anfängliche Rücken- oder Kopfschmerzen. Nach den ersten Tagen sind beim Scheinfasten außerdem eine gesteigerte Kälteempfindlichkeit oder eine leichte Schwäche möglich – hier empfiehlt der Mediziner heißen Tee oder leichte körperliche Bewegung.

Quellen:

Longo, V. (2016) Iss dich jung: Wissenschaftlich erprobte Ernährung für ein gesundes und langes Leben – Die Longevità-Diät

Scheinfasten – Anleitung und Erfahrungsbericht zur Diät, in: heilfasten-portal.com