Scheinfasten: So funktioniert das Fasten ohne Hungern

Redaktion PraxisVITA

Wer auf die positiven Effekte des Fastens setzen möchte, sich aber nicht vorstellen kann, ganz auf Nahrungsaufnahme zu verzichten, der sollte einen Blick auf das sogenannte Scheinfasten werfen.

Beim Scheinfasten reduziert man seine Kalorienanzahl in zwei Schritten
Beim Scheinfasten wird in zwei Schritten die Kalorienanzahl reduziert Foto:  istock/bymuratdeniz
Inhalt
  1. Was ist Scheinfasten? 
  2. Vorteile des Scheinfastens
  3. Essenspakete als fixer Bestandteil des Heilfastens
  4. Wer kann das Scheinfasten durchführen?
  5. Nebenwirkungen vom Scheinfasten

Scheinfasten erfreut sich seit einiger Zeit großer Beliebtheit. Kein Wunder: Schließlich soll es alle Vorteile des Heilfastens beziehungsweise des Intervallfastens mit sich bringen – allerdings ohne auf Nahrung verzichten und hungern zu müssen. Erfunden hat das Scheinfasten der Wissenschaftler Dr. Valter Longo. Longo begann nach einem Studium der Biochemie in den USA seine Forschungsarbeiten zu den Themen Altern, Immunsystem und Diäten. Er veröffentlichte die Ergebnisse seiner Arbeit in dem Buch “Iss dich jung”. Darin beschreibt er zwei Diäten – einerseits die Longevità-Diät, die für den Alltag geeignet ist. Bei der zweiten Diätform handelt es sich eben um das Scheinfasten.

 

Was ist Scheinfasten?
 

Beim Scheinfasten (der englische Begriff dafür ist “Fasting Mimicking Diet”) handelt es sich um ein fünftägiges Diätprogramm. Dabei werden die Kalorien in zwei Schritten reduziert. Am ersten Tag nimmt man 1.100 Kalorien zu sich, in den vier folgenden Tagen nur 750 bis 800 Kalorien. Das soll zwei positive Effekte haben: Einerseits wird der Körper in den Fastenzustand versetzt – und der Stoffwechsel reagiert entsprechend darauf. Andererseits bekommt der Körper aber immer noch ausreichend Nährstoffe. Sie müssen nicht gänzlich aufs Essen verzichten. Somit können auch Heißhungerattacken vermieden werden. Auch ein Muskelabbau wird durch die Nahrungszufuhr verhindert.

Am Tag nach dem Scheinfasten wird noch ein sogenannter Übergangstag eingelegt, an dem der Körper mit leichter Kost wieder an die reguläre Nahrungsaufnahme gewöhnt werden soll. Hier sollte man vor allem komplexe Kohlenhydrate (Gemüse, Vollkornprodukte, Obst und Gemüse) zu sich nehmen. Alkohol, Kaffee oder Süßigkeiten sollten auch am Übergangstag tabu sein. 

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Vorteile des Scheinfastens

Für viele ist das Scheinfasten deswegen interessant, weil sie möglichst schnell an Gewicht verlieren wollen. Dies ist aufgrund der deutlich reduzierten Kalorienmenge möglich – bis zu 2,5 Kilogramm Gewichtsverlust sollen in einem fünftägigen Diät-Zyklus möglich sein. Neben der Gewichtsabnahme soll das Heilfasten noch etliche andere Vorteile mit sich bringen: Neben Blutdruck und Cholesterinspiegel sinken auch Blutzuckerwerte sowie Entzündungs- und Blutfettwerte. Zudem soll sich das Risiko, an Diabetes zu erkranken, durch das Scheinfasten verringern. Ein weiterer Vorteil: Der Anteil an dem sogenannten Insulin-like growth factor 1 (kurz: IGF-1) im Blut nimmt ab. IGF-1 ist ein Hormon, das bei Alterungsprozessen und für die Entstehung von Krebs eine Rolle spielt.

Der Mediziner Prof. Dr. Andreas Michalsen (Autor des Buches “Mit Ernährung heilen”) erklärt, dass der Verzicht auf tierische Eiweiße “zahlreiche gesundheitsfördernde Wirkungen” habe. Unter anderem habe die Diät “entzündungshemmende Effekte“ und wirke sich positiv auf Stoffwechsel, Herz-Kreislauf-System und Verdauungsorgane aus. Außerdem sei die “Wirksamkeit auf Rheuma, Diabetes Typ 2, Bluthochdruck sowie zahlreiche chronische Schmerzsyndrome und Reizdarmsyndrome” wissenschaftlich belegt, so Michalsen. Gegenüber Detox-Kuren zeigt Michalsen sich jedoch prinzipiell kritisch. Das Prinzip von Detox sei wissenschaftlich nicht nachvollziehbar – im Grunde sei “klassisches Detox” aus medizinischer Sicht gar nicht existent. 

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Essenspakete als fixer Bestandteil des Heilfastens

Teil der Scheinfasten-Kur sind fertig zusammengestellte Essensboxen (sogenannte Prolon-Diät-Boxen), die direkt beim Hersteller bezogen werden können. Darin befinden sich Lebensmittel wie Tütensuppen, Oliven, Cracker oder Schokoriegel. Befürworter dieser Methode erklären, dass dies eine sehr einfache Art und Weise sei, die Diät ohne großartige Planung oder Essenszubereitung durchführen zu können. Die Essenspakete seien ein fixer Bestandteil, eine Art Ritual der Diät. Kritische Stimmen weisen hingegen auf den Widerspruch des nicht ganz günstigen Preises der Diät-Boxen und den eher spärlich ausfallenden Inhalt der Pakete hin. Alternativ können Sie sich Ihren Menüplan auch selbst zusammenstellen.

 

Wer kann das Scheinfasten durchführen?

Prinzipiell können alle gesunden Personen das Scheinfasten durchführen. Davon Abstand halten sollten Schwangere und Stillende, Personen mit Essstörungen, Untergewicht und Proteinmangel. Auch Allergiker sollten sich vor der Diät genau über die Bestandteile der Nahrungspakete informieren. Menschen mit jeglichen gesundheitlichen Problemen sollten vor einer solchen Diät unbedingt mit Ihrem Arzt sprechen und von ihm beurteilen lassen, ob diese Diät ratsam, sinnvoll oder möglicherweise sogar nachteilig wäre. 

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Nebenwirkungen vom Scheinfasten

Zu den möglichen Nebenwirkungen der Diät zählen laut Michalsen unter anderem anfängliche Rücken- oder Kopfschmerzen. Nach den ersten Tagen sind beim Scheinfasten außerdem eine gesteigerte Kälteempfindlichkeit oder eine leichte Schwäche möglich – hier empfiehlt der Mediziner heißen Tee oder leichte körperliche Bewegung. 

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Auch wenn der Sinn von Detox-Kuren prinzipiell umstritten ist: Mit dem Scheinfasten können Sie einige positive Effekte für Ihre Gesundheit erzielen und auch das ein oder andere Kilo purzeln lassen. Ob Sie dabei auf die Essensboxen setzen, bleibt ganz Ihnen überlassen – Sie können sich das Essen prinzipiell auch selbst zubereiten. Im Zweifel ist es ratsam, vorab mit Ihrem Arzt zu sprechen und diesen bei eventuellen Beschwerden zu konsultieren.

Quellen:

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