Scheidenpilz-Symptome erkennen und richtig behandeln

Redaktion PraxisVITA

Drei von vier Frauen haben mindestens einmal im Leben damit zu tun: Scheidenpilz. Jede Zwanzigste leidet sogar mehrmals pro Jahr darunter. Juckreiz, Reizungen und übler Geruch sind typische Scheidenpilz-Symptome. Ursache dieser Beschwerden kann eine Infektion mit dem Pilz Candida albicans sein – einem der am häufigsten ermittelten Erreger im Intimbereich. Scheidenpilz-Symptome unterscheiden sich von denen einer bakteriellen Infektion. PraxisVITA erklärt, wo die Unterschiede liegen, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wie Sie einer Scheidenpilz-Infektion vorbeugen können.

Inhalt
  1. Was ist Scheidenpilz?
  2. Was sind die Ursachen für Scheidenpilz?
  3. Wie entsteht eine Scheidenpilz-Infektion?
  4. Wie sieht Scheidenpilz aus und was sind Scheidenpilz-Symptome?
  5. Ab welchem Alter können Mädchen an Scheidenpilz erkranken?
  6. Ist Scheidenpilz ansteckend?
  7. Wann sollte man mit Pilzinfekten zum Frauenarzt gehen?
  8. Wie wird Scheidenpilz behandelt?
  9. Wie lässt sich Scheidenpilz vorbeugen?
 

Was ist Scheidenpilz?

Scheidenpilz ist eine Pilzinfektion im Genitalbereich der Frau. Bei der Erkrankung, die auch als Vaginalpilz oder Vaginalmykose bezeichnet wird, entzünden sich die Scheidenschleimhaut und die Vulva (Scheidenentzündung).

Schätzungen zufolge sind etwa 75 Prozent aller Frauen mindestens einmal im Leben von Scheidenpilz betroffen, die Hälfte davon mehrfach. Damit ist die Vaginalmykose eine der häufigsten Infektionen des weiblichen Genitaltrakts.

Scheidenpilz-Ursache Candida albicans
Scheidenpilz ist eine der häufigsten Infektionen der weiblichen Geschlechtsorgane. Hauptauslöser ist der Hefepilz Candida albicans © istock/Dr_Microbe
 

Was sind die Ursachen für Scheidenpilz?

Gängigste Scheidenpilz-Ursache ist der Hefepilz Candida albicans. Seltener können auch die Pilze Candida glabrata und Candida tropicalis dahinterstecken. Die schädlichen Erreger können eine Entzündung der Vagina sowie des äußeren Genitalbereichs auslösen.

Hefepilze kommen auch bei gesunden Frauen in der Scheidenflora vor. Für gewöhnlich lösen sie allerdings keine Entzündungen aus, weil Milchsäurebakterien (Döderlein-Bakterien) die schädlichen Mikroben zurückdrängen. Erst, wenn das Immunsystem geschwächt ist, beispielsweise weil die Frau erkältet ist, Stress hat oder Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus vorliegen, wird die Scheidenflora gestört.

Scheidenpilz-Ursache: Das Immunsystem ist häufig geschwächt

Welche Faktoren stören das Immunsystem und fördern damit die Ausbreitung schädlicher Hefepilze? Laut Gynäkologen kommt es in folgenden Situationen häufig zu Scheidenpilz:

Übertriebene Hygiene: Das Gerücht, Scheidenpilz entstehe aufgrund mangelnder Hygiene, ist laut Frauenärzten falsch. Im Gegenteil: Lotionen und Cremes können das saure Milieu der Scheide zerstören und damit eine Pilzinfektion begünstigen.

Scheidenpilz durch übertriebene Hygiene
Viele Frauen glauben, Scheidenpilz entsteht aufgrund mangelnder Hygiene. Dabei wird die Infektion eher durch übertriebene Sauberkeit gefördert © istock/Artfoliophoto

Falsche Kleidung: Eng anliegende, luftundurchlässige Kleidung verhindert, dass die Haut im Intimbereich „atmen“ kann. Dadurch kommt es leichter zu Entzündungsprozessen.

Hormonveränderungen: Wenn im Körper der Frau die Östrogenwerte zu stark steigen, fühlen sich Pilze besonders wohl. Erhöhte Östrogenwerte entstehen vor allem während einer Schwangerschaft, wenn sich der weibliche Körper auf eine Geburt vorbereitet. Durch die Einnahme der Anti-Baby-Pille kann der Östrogenspiegel ebenfalls zu hoch ausfallen. Forscher vermuten, dass durch den Anstieg des weiblichen Hormons Zellen nicht mehr optimal dazu in der Lage sind, Pilzwachstum zu hemmen.

Schwangerschaft
Hormonumstellungen z.B. in der Schwangerschaft begünstigen eine Scheidenpilz-Infektion © istock/NataliaDeriabina

Erkrankungen: Bei Grunderkrankungen, wie beispielsweise Diabetes mellitus, ist das Immunsystem beeinträchtigt, sodass Hefepilze schlechter abgewehrt werden.

 

Wie entsteht eine Scheidenpilz-Infektion?

Der Hefepilz Candida albicans befindet sich auf den Schleimhäuten in Mund- und Rachenraum sowie den Genitalien. Er besitzt sogenannte Mannoproteine, um sich an den Schleimhäuten festzuhalten.

Ist die Scheidenflora gestört, drängen die schädlichen Hefepilze die nützlichen Milchsäurebakterien zurück, vermehren sich und lösen Entzündungsprozesse aus. Hefepilze vermehren sich am besten bei einer Temperatur von 37 Grad. In der Vagina der Frau ist es warm und feucht – bestes Wohlfühlklima für Pilze.

 

Wie sieht Scheidenpilz aus und was sind Scheidenpilz-Symptome?

Im Inneren der Vagina zeichnen sich bei einem Scheidenpilz fleckige weiße Beläge auf der Schleimhaut ab, die häufig nur durch den Gynäkologen bei einem Abstrich sichtbar werden. An der Vulva (äußere Genitalien) können sich Pusteln, Bläschen oder Hautausschläge zeigen. Manchmal bilden sich sogenannte Rhagaden (Einrisse).

Scheidenpilz-Symptome sind leicht zu erkennen. Betroffene Frauen leiden häufig unter folgenden Beschwerden:

  • Juckreiz im Intimbereich
  • Brennen in der Scheide
  • Schwellung der Schamlippen
  • Der Ausfluss ist weißlich und hat eine bröcklige Konsistenz
  • Die Haut im Intimbereich ist gerötet und weist leichte Risse auf.
  • Während des Geschlechtsverkehrs treten Schmerzen auf.

Eine Entzündung der Scheide kann auf mehrere Ursachen zurückgeführt werden. Häufig stecken Bakterien oder Pilze dahinter. Wichtig ist, die Scheidenpilz-Symptome nicht mit den Anzeichen einer bakteriellen Infektion der Vagina zu verwechseln, da die Behandlung ansonsten fehlschlagen kann: Scheidenentzündungen, die auf Bakterien zurückgehen, werden medizinisch anders behandelt als Infektionen durch Pilze.

Die Scheidenpilz-Symptome ähneln weitestgehend denen einer bakteriellen Infektion. Ein großer Unterschied liegt allerdings darin, dass bei einer bakteriellen Infektion ein unangenehmer Fisch-Geruch (Amingeruch) entsteht, während der Ausfluss bei Scheidenpilz geruchsfrei ist.

Scheidenpilz-Symptome
Typische Scheidenpilz-Symptome sind starker Juckreiz, weißer oder gelblicher Ausfluss sowie Schmerzen beim Wasserlassen und Geschlechtsverkehr © istock/Tharakorn
 

Ab welchem Alter können Mädchen an Scheidenpilz erkranken?

Scheidenpilz kann in jedem Alter auftreten. Am häufigsten erkranken Frauen im gebärfähigen Alter (zwischen 15 und 49 Jahren), Schwangere sowie Frauen in den Wechseljahren. Vor der Pubertät und nach der Menopause ist das Erkrankungsrisiko hingegen geringer.

Bereits Neugeborene und Kinder können von Scheidenpilz betroffen sein. Säuglinge stecken sich meist während der Geburt bei der Mutter an. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich im Organismus des Babys noch weibliche Geschlechtshormone (Östrogene) der Mutter. Infolgedessen produziert die Vagina mehr Zucker, wodurch Hefepilze schneller wachsen können und leichter haften bleiben. Etwa 30 Prozent aller Schwangeren sind mit Scheidenpilz infiziert.

Neugeborenes
Bereits Säuglinge können sich während der Geburt mit Scheidenpilz bei der Mutter anstecken © istock/bernie_photo

Scheidenpilz bei Mädchen kann mit Produktionsbeginn der eigenen Geschlechtshormone auftreten. Diese Hormone hemmen die Regenerationsfähigkeit der Scheidenflora, was wiederum eine Pilzinfektion begünstigen kann.

 

Ist Scheidenpilz ansteckend?

Scheidenpilz ist ansteckend: Betroffene Frauen können den Pilz auf ihren Sexualpartner weitergeben. Andersherum können die Scheidenpilzerreger auch vom Penis in die Scheide übertragen werden. Die Pilze führen zu einem „Ping-Pong-Effekt“: Der Mann hat keinerlei Symptome und spürt nicht, dass er infiziert ist. Infolgedessen steckt er seine Sexualpartnerin immer wieder an.

Bei der Übertragung des Pilzes während des Sex spielt auch das „Wie“ eine Rolle: Der unmittelbare Wechsel von Anal- auf Vaginalverkehr kann Darmbakterien in den Vaginalbereich schleusen und damit das Risiko für eine Scheidenpilz-Erkrankung erhöhen.

Beim Oralverkehr lösen Candida albicans den sogenannten Soor (Mundpilz) auf der Mundschleimhaut aus.

 

Wann sollte man mit Pilzinfekten zum Frauenarzt gehen?

Wenn Verdacht auf eine Pilzinfektion besteht, sollten Sie auf jeden Fall zum Gynäkologen gehen. Ganz besonders, wenn Sie schwanger sind. Denn eine Behandlung ist auch im Interesse des Ungeborenen notwendig. Aber auch, wenn Frauen erstmals betroffen sind – oder öfter als viermal pro Jahr.

 

Wie wird Scheidenpilz behandelt?

Eine klare Diagnose ist bei der Scheidenpilz-Behandlung wichtig. Denn eine Scheidenentzündung kann nicht nur durch Pilze, sondern auch durch Bakterien ausgelöst werden. Je nach Ursache der Infektion, kommt ein anderes Medikament zum Einsatz.

  • Der Wirkstoff „Clotrimazol“ hat sich bei der Scheidenpilz-Behandlung bewährt.
  • Für schwangere Frauen gelten bei der Scheidenpilz-Behandlung besondere Vorschriften.
  • Auf zuckerhaltige Lebensmittel muss bei der Scheidenpilz-Behandlung nicht verzichtet werden.

Es brennt und juckt im Intimbereich der Frau. Jetzt ist schnelle Hilfe gefragt. Doch viele Frauen stehen hinsichtlich der Scheidenpilz-Behandlung vor einer kniffligen Frage: Sollte ich einen Frauenarzt aufsuchen oder reicht es, wenn ich mir aus der Apotheke ein entsprechendes Mittel zur Scheidenpilz-Behandlung besorge?

Scheidenpilz-Behandlung: Der Arzt muss eine bakterielle Infektion ausschließen

Für Gynäkologen ist der Fall eindeutig: Frauen sollten sich ärztlich untersuchen lassen. Denn: Der Frauenarzt muss abklären, ob die Scheidenentzündung durch Pilze oder Bakterien ausgelöst wurde. Bakterien werden mit anderen Wirkstoffen bekämpft als Pilze und andersrum – daher ist eine gynäkologische Abklärung der Ursache bei einer Scheidenpilz-Behandlung so wichtig.

Gynäkologin und Patientin
Bei Verdacht auf Scheidenpilz sollte auf jeden Fall ein Besuch bei der Gynäkologin erfolgen © istock/RossHelen

Der Frauenarzt wird in der Sprechstunde die Patientin zunächst zu ihren Symptomen befragen:

  • Spüren sie einen Juckreiz oder ein Brennen im Intimbereich?
  • Haben Sie starken Ausfluss?
  • Hat der Ausfluss einen unangenehmen Geruch?
  • Entstehen beim Harnlassen Schmerzen?

Anschließend beginnt die Untersuchung. Hierfür nimmt der Frauenarzt einen Abstrich und überprüft mittels eines Teststreifens den pH-Wert der Scheide. Stellt die Frauenärztin fest, dass es sich um eine Pilzinfektion und nicht um eine bakterielle Infektion handelt, kommen entsprechende Antimykotika (Anti-Pilzmittel) zum Einsatz.

Scheidenpilz-Behandlung mit Medikamenten

Bewährt hat sich bei der Scheidenpilz-Behandlung laut Frauenärzten der Wirkstoff „Clotrimazol“. Dabei handelt es sich um ein Breitband-Antimykotikum, das eine Vielzahl verschiedener Pilzarten abtötet. Hierfür greift es die Zellwand der Pilze an, sodass die Erreger eingehen. Clotrimazol wird in Form von Scheidenzäpfchen, Vaginal-Tabletten oder Cremes verwendet. Bis die Symptome vollständig abklingen, kann etwa eine Woche vergehen.

Scheidenpilz-Behandlung: Schwangere Frauen sollten zum Frauenarzt

Für schwangere Frauen gilt bei der Scheidenpilz-Behandlung: Sie sollten keinesfalls in eine Apotheke gehen, um dort freiverkäufliche Anti-Pilzmittel zu kaufen. Denn bei ihnen ist besondere Vorsicht geboten: Handelt es sich nämlich nicht um eine Infektion durch Hefepilze, sondern tritt die Entzündung aufgrund von Bakterien auf, bestehen besondere Risiken: Laut Gynäkologen sind 70 Prozent aller Fehlgeburten auf eine Scheidenentzündung mit bakteriellen Ursachen zurückzuführen. Gynäkologen empfehlen daher schwangeren Frauen, zwei Mal in der Woche einen Selbst-Test durchzuführen, den sie in Apotheken kaufen können. Dabei testen sie den pH-Wert der Scheide und können damit erkennen, ob dieser vom normalen Wert (< 4,5) abweicht. Ist das der Fall, können die Frauen bereits frühzeitig einen Arzt aufsuchen, um die beginnende Scheidenentzündung zu behandeln.

Scheidenpilz-Behandlung: keine Essensvorschriften

Gynäkologen betonen, dass es bei der Scheidenpilz-Behandlung keine spezielle Diät gibt. Hefepilze können nicht „ausgehungert“ werden, indem Frauen beispielsweise keinen Zucker mehr essen. Verzichten Frauen auf süße Lebensmittel, greifen Hefepilze auf Fettreserven zurück.

Frau trägt Baumwollslip

Einem Scheidenpilz vorbeugen können Sie am besten mit locker sitzender Unterwäsche aus Naturfasern, zum Beispiel Baumwolle © istock/Zinkevych

 

Wie lässt sich Scheidenpilz vorbeugen?

  • Klares Wasser oder PH-neutrale Seifen sorgen dafür, dass das Scheidenmilieu nicht geschwächt wird. Nicht öfter als ein Mal pro Tag reinigen. Auf Scheidenduschen, Duschgels und Intimsprays sollten Frauen verzichten.
  • Luftdurchlässige Unterwäsche – aus Baumwolle, Leinen oder Wolle – tragen, täglich wechseln und bei mindestens 70 Grad waschen.
  • Zur Scheidenpilz-Vorbeugung ist es außerdem ratsam, die Handtücher täglich zu wechseln und diese auf mindestens 70° C mit einem Wäsche-Hygienespüler zu waschen.
  • Für Aufenthalte am Strand oder in der Schwimmhalle gilt, dass Frauen nasse Badeanzüge oder Bikinis nicht zu lange am Körper tragen sollten
  • Rasierschaum möglichst selten verwenden. Dieser kann den natürlichen Eigenschutz der Scheide mindern und somit für eine Vaginalmykose empfänglicher machen.
  • Stärken Sie Ihr Immunsystem durch eine vitaminreiche, ausgewogene Ernährung. Nehmen Sie täglich Vitamin C ein. Das unterstützt die Abwehrkräfte.
  • Bei manchen Frauen wird die Scheide auch durch Tampons gereizt. Binden und Slipeinlagen sollten keine Kunststoffbeschichtung haben, denn die schaffen ein pilzfreundliches Milieu.
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