Mein Urin schäumt – muss ich zum Arzt?

Was bedeutet schaumiger Urin – muss ich mir Sorgen machen? Fast jeder Mensch hat schon einmal beobachtet, dass sich Farbe oder Geruch des Harns verändert. Doch was, wenn der Urin schaumig wirkt? Wir erklären Ihnen, welche Ursachen möglich sind und wann Sie zum Arzt gehen sollten. Der Experte Dr. med. Christoph Pies, Urologe und Buchautor, hat uns Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um schaumigen Urin gegeben. 

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Wie sieht schäumender Urin aus?

Es ist nicht ungewöhnlich, dass der Urin etwas schäumt, das liegt daran, dass er durch den Strahl aufgewirbelt wird. Der Schaum sollte normalerweise schnell wieder verschwinden. Bleiben die kleinen Bläschen über längere Zeit, kann es darauf hindeuten, dass sich viel Eiweiß im Harn befindet. Der Urin kann dann auch etwas trüb aussehen.

Wieviel Schaum im Urin ist normal?

Normal ist es, wenn der Schaum schnell wieder verschwindet und nicht übermäßig ist. Ob Urin schäumt oder nicht, hängt auch von diesen Faktoren ab:

  • Der Stärke des Harnstrahls: Wenn der Strahl besonders stark ist und mit hoher Geschwindigkeit ins Becken trifft, dann schäumt es zunächst. Bei gesundem Urin lösen sich die Blasen jedoch schnell wieder auf

  • Der Zusammensetzung des Urins: Wer zu wenig trinkt, hat einen größeren Anteil an Eiweiß im Urin. Die Folge: Der Urin schäumt mehr. Auch bei eiweißreicher Ernährung kann der Urin schäumen

  • Den Reinigungsmitteln in der Toilettenschüssel: Wenn Reste von Putzmitteln in der Schüssel verbleiben, kann es ebenfalls schäumen. Den Unterschied erkennt man daran, dass die Schaumbläschen größer und weißlicher sind

Ursache von schaumigem Urin kann Nierenerkrankung sein

Normalerweise befindet sich keinerlei oder nur sehr wenig Eiweiß im menschlichen Urin. “Bei schweren Schädigungen der Niere, genauer der Nierenfilter, kommt es zu massivem Auftreten von Protein (Eiweiß) im Harn”, sagt Dr. Pies. “Man spricht in diesem Zusammenhang auch von dem sogenannten Nephrotischen Syndrom.” Bei diesem Krankheitsbild treten jedoch gleichzeitig auch andere Symptome auf, zum Beispiel Wassereinlagerungen im Gewebe oder ein Anstieg der Blutfettwerte.

Eiweiß im Urin (Proteinurie): Was bedeutet das?

Befindet sich zu viel Eiweiß im Urin, ist meist von einer sogenannten Proteinurie die Rede. Doch was ist das eigentlich genau? Unsere Nieren funktionieren wie ein Sieb: Sie filtern unbedeutende Stoffe aus dem Blut heraus, um diese mit dem Urin aus dem Körper zu schleusen. Die Nieren halten die im Blut enthaltenen Eiweiße bzw. Proteine normalerweise zurück, sodass diese nicht in den Urin gelangen können. Größere Eiweiße passen nicht durch den (Nieren-)Filter, kleinere Eiweiße können von den Nieren nach dem Filtrieren wieder zugefügt werden. Im Zusammenhang mit bestimmten Erkrankungen liegt deshalb häufig eine Störung der Filterfunktion der Nieren vor. Sprich: Die Nieren werden durchlässiger. “Schaumiger Urin weist deshalb in den meisten Fällen darauf hin, dass etwas mit den Nieren bzw. dem Körper nicht in Ordnung ist”, sagt der Experte.

Geringe Mengen Protein im Urin können jedoch auch bei gesunden Menschen vorkommen. Leicht erhöhte Eiweißwerte treten durchaus auch vorübergehend auf, ohne dass etwas Ernstes dahinter steckt – etwa nach Zeiten hoher körperlicher Anstrengung (Sport). 

Schäumender Urin und Proteinurie - liegt immer eine Krankheit zugrunde?

Nicht immer ist eine Erkrankung Schuld an einer Proteinurie. Der Urin kann auch schaumig erscheinen, wenn eine andere Ursache vorliegt. In einem solchen Fall sprechen Mediziner von einer gutartigen umkehrbaren Proteinurie (auch: benigne reversible Proteinurie). Diese äußert sich jedoch eher seltener durch Symptome wie schaumiger Urin. Auslöser können zum Beispiel sein:

  • körperliche Anstrengung (z.B. Sport, körperliche Arbeiten)

  • erhöhtes Stresslevel

  • Fieber

  • Hitze oder Kälte

  • Wachstum (orthostatische Proteinurie bei Kindern und Jugendlichen nach längerem Stehen)

Doch eine Proteinurie kann wie bereits erwähnt auch im Zusammenhang mit einer bestimmten Erkrankung auftreten, zum Beispiel in Folge einer Nierenerkrankung wie etwa: 

  • bei Nierenschäden (durch z.B. chronische Nierenschwäche)

  • bei einer Nierenentzündung (Glomerulonephritis)

  • bei einem nephrotischen Syndrom als Folge eines Nierenschadens

  • bei Diabetes mellitus mit Nierenbeteiligung (auch: diabetische Nephropathie)

Selten tritt eine Proteinurie infolge einer Erkrankung außerhalb der Nieren auf, etwa bei folgenden Krankheitsbildern: 

  • Bluthochdruck (Hypertonie)

  • Herzversagen

  • Herzbeutelentzündung (Perikarditis)

  • chronisch-entzündliche Bindegewebserkrankung (Lupus erythematodes)

  • Malaria

  • Tuberkulose

  • Sichelzellenanämie

  • Autoimmunerkrankungen der Leber und Lunge (Goodpasture-Syndrom) 

  • Krankhafte Proteinanreicherung im Zellzwischenraum (Amyloidose)

  • Krebserkrankung des Knochenmarks (Plasmozytom)

  • Komplikation in der Schwangerschaft (z.B. Präeklampsie)

Schäumender Urin bei Harnwegsinfekt

Bei einer Infektion der Harnwege ändert sich die Zusammensetzung des Urins, was sich durch Schaum bemerkbar machen kann. Neben diesem Anzeichen macht sich die Erkrankung der ableitenden Harnwege durch Begleitsymptome bemerkbar. Dazu gehören Schmerzen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang oder Inkontinenz. Manchmal ist das Allgemeinbefinden beeinträchtigt, die Betroffenen fühlen sich schlapp und haben eventuell etwas Fieber.

Schäumender Urin und Rückenschmerzen

Leiden Sie an Rückenschmerzen und beobachten zeitgleich Schaum im Urin? Das könnte für eine Erkrankung der Nieren sprechen. Nierenschmerzen werden oft fälschlicherweise für Rückenschmerzen gehalten. Grund dafür ist die Lage der Nieren im unteren, hinteren Bauchraum links und rechts der Wirbelsäule. Sind die Nieren erkrankt, zeigt sich das durch stechende Flankenschmerzen oder dumpfe Schmerzen am seitlichen Rücken.

Schaumiger Urin: Welche Begleitsymptome sind möglich?

“Wenn wirklich eine Nierenschwäche besteht, dann kann es zu Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe kommen, etwa am Knöchel, Unterschenkel, Augenlid oder Gesicht”, so Pies. Auch Schmerzen beim Wasserlassen oder in der Nierengegend könnten durch eine Infektion verursacht werden. “Eine Nierenerkrankung kann außerdem Muskelschwäche, Appetitlosigkeit und Abgeschlagenheit verursachen.” 

Zu geringe Urinmengen – weniger als ein halber Liter pro Tag – würden laut dem Urologen auf einen Funktionsverlust der Nieren hindeuten. 

Schaumiger Urin durch Medikamente

Außerdem ist es möglich, dass spezielle Medikamente den Urin schaumig wirken lassen bzw. die Nierenfunktion beeinträchtigen. Ein erhöhtes Ausscheiden von Eiweiß mit dem Urin ist insbesondere bei diesen Präparaten möglich:  

  • Antibiotika

  • Schmerzlindernde Medikamente, beispielsweise Wirkstoffe aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR)

  • Medikamente zur Krebstherapie (Zytostatika)

Sollte es durch Medikamente beim Wasserlassen zu einem erhöhten Eiweißverlust kommen, wird Ihnen der Arzt ggf. zu einem Medikamentenwechsel raten.

Schäumender Urin – wann ist der Besuch beim Arzt notwendig?

“Es muss nicht immer etwas Aufregendes dahinterstecken. Je nach Stärke des Harnstrahls schäumt der Urin mal mehr, mal weniger”, sagt Pies. Aber schäumender Urin könne eben auch durch zu viel Eiweiß im Urin verursacht werden. “Deshalb sollte man hier im Zweifel Teststreifen verwenden oder eine Urinprobe beim Hausarzt kontrollieren lassen”, so der Urologe. 

Der Arzt kann anhand einer Urinprobe den Eiweißanteil feststellen. Fallen die Werte ungewöhnlich hoch aus, kann eine Erkrankung vorliegen. Sollten innerhalb von 24 Stunden mehr als 150 Milligramm Eiweiß im Urin nachgewiesen werden, so handelt es sich meistens um eine Proteinurie. Werte unterhalb dieser Grenze liegen im normalen Bereich. “Wenn wirklich der seltene Fall eintritt und eine Nierenfilterstörung festgestellt wird, dann muss das ein Nierenfacharzt (Nephrologe) weiter kontrollieren und behandeln”, sagt Pies. 

Schaum im Urin: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Und wie wird schaumiger Urin bzw. Eiweiß im Urin therapiert? Liegt eine gutartige, vorübergehende Proteinurie vor, so ist in der Regel keine Therapie nötig. Anders sieht es bei einer krankheitsbedingten Proteinurie mit schaumigem Urin aus: “Leider kann einmal zerstörtes Nierengewebe nicht wieder hergestellt werden. Wenn die Ursache der Nierenprobleme gefunden ist, wird der Arzt zuerst versuchen, diese Ursache zu beseitigen. Oft stecken Bluthochdruck, Durchblutungsstörungen oder eine Zuckerkrankheit dahinter”, sagt Pies.