Mein Urin schäumt – muss ich zum Arzt?

Michelle Kröger

Was bedeutet schaumiger Urin – muss ich mir Sorgen machen? Fast jeder Mensch hat schon einmal beobachtet, dass sich Farbe oder Geruch des Harns verändert. Doch was, wenn der Urin schaumig wirkt? Wir erklären Ihnen, welche Ursachen möglich sind und wann Sie zum Arzt gehen sollten. Der Experte Dr. med. Christoph Pies, Urologe und Buchautor, hat uns Antworten auf die wichtigsten Fragen gegeben. 

Inhalt
  1. Schaumiger Urin durch Nierenerkrankung
  2. Eiweiß im Urin (Proteinurie) – was bedeutet das?
  3. Ursachen: Proteinurie – immer ein Grund zur Sorge? 
  4. Schaumiger Urin: Welche Begleitsymptome sind möglich?
  5. Schaumiger Urin durch Medikamente
  6. Schäumender Urin – wann ist der Besuch beim Arzt notwendig?
  7. Schaum im Urin: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
 

Schaumiger Urin durch Nierenerkrankung

Normalerweise befindet sich keinerlei oder nur sehr wenig Eiweiß im menschlichen Urin. “Bei schweren Schädigungen der Niere, genauer der Nierenfilter, kommt es zu massivem Auftreten von Protein (Eiweiß) im Harn”, sagt Dr. Pies. “Man spricht in diesem Zusammenhang auch von dem sogenannten Nephrotisches Syndrom.” Bei diesem Krankheitsbild treten jedoch gleichzeitig auch andere Symptome auf, zum Beispiel Wassereinlagerungen im Gewebe oder einen Anstieg der Blutfettwerte.

 

Eiweiß im Urin (Proteinurie) – was bedeutet das?

Befindet sich zu viel Eiweiß im Urin, ist meist von einer sogenannten Proteinurie die Rede. Doch was ist das eigentlich genau? Unsere Nieren funktionieren wie ein Sieb: Sie filtern unbedeutende Stoffe aus dem Blut heraus, um diese mit dem Urin aus dem Körper zu schleusen. Die Nieren halten die im Blut enthaltenen Eiweiße bzw. Proteine normalerweise zurück, sodass diese nicht in den Urin gelangen können. Größere Eiweiße passen nicht durch den (Nieren-)Filter, kleinere Eiweiße können von den Nieren nach dem Filtrieren wieder zugefügt werden. Im Zusammenhang mit bestimmten Erkrankungen liegt deshalb häufig eine Störung der Filterfunktion der Nieren vor. Sprich: Die Nieren werden durchlässiger. “Schaumiger Urin weist deshalb in den meisten Fällen darauf hin, dass etwas mit den Nieren bzw. dem Körper nicht in Ordnung ist”, sagt der Experte.

Geringe Mengen Protein im Urin können jedoch auch bei gesunden Menschen vorkommen. Leicht erhöhte Eiweißwerte treten durchaus auch vorübergehend auf, ohne dass etwas Ernstes dahinter steckt – etwa nach Zeiten hoher körperlicher Anstrengung (Sport). 

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Ursachen: Proteinurie – immer ein Grund zur Sorge? 

Ja, nicht immer ist eine Erkrankung Schuld an einer Proteinurie. Der Urin kann auch schaumig erscheinen, wenn eine andere Ursache zutrifft. In einem solchen Fall sprechen Mediziner von einer gutartigen umkehrbaren Proteinurie (auch: benigne reversible Proteinurie). Diese äußert sich jedoch eher seltener durch Symptome wie schaumiger Urin. Auslöser können zum Beispiel sein:

●    körperliche Anstrengung (z.B. Sport, körperliche Arbeiten)
●    erhöhtes Stresslevel
●    Fieber
●    Hitze oder Kälte
●    Wachstum (orthostatische Proteinurie bei Kindern und Jugendlichen nach längerem Stehen)

Doch eine Proteinurie kann wie bereits erwähnt auch im Zusammenhang mit einer bestimmten Erkrankung auftreten, zum Beispiel in Folge einer Nierenerkrankung wie beispielsweise: 

●    bei Nierenschäden (durch z.B. chronische Nierenschwäche)
●    einer Nierenentzündung (Glomerulonephritis)
●    bei einem nephrotischen Syndrom als Folge eines Nierenschadens
●    bei Diabetes mellitus mit Nierenbeteiligung (auch: diabetische Nephropathie)

Selten tritt eine Proteinurie infolge einer Erkrankung außerhalb der Nieren auf, etwa bei folgenden Krankheitsbildern: 

●    Bluthochdruck (Hypertonie)
●    Herzversagen
●    Herzbeutelentzündung (Perikarditis)
●    chronisch-entzündliche Bindegewebserkrankung (Lupus erythematodes)
●    Malaria
●    Tuberkulose
●    Sichelzellenanämie
●    Autoimmunerkrankungen der Leber und Lunge (Goodpasture-Syndrom) 
●    Krankhafte Proteinanreicherung im Zellzwischenraum (Amyloidose)
●    Krebserkrankung des Knochenmarks (Plasmozytom)
●    Komplikation in der Schwangerschaft (z.B. Präeklampsie)

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Schaumiger Urin: Welche Begleitsymptome sind möglich?

“Wenn wirklich eine Nierenschwäche besteht, dann kann es zu Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe kommen, etwa am Knöchel, Unterschenkel, Augenlid oder Gesicht”, so Pies. Auch Schmerzen beim Wasserlassen oder in der Nierengegend könnten durch eine Infektion verursacht werden. “Eine Nierenerkrankung kann außerdem Muskelschwäche, Appetitlosigkeit und Abgeschlagenheit verursachen.” 

Zu geringe Urinmengen – weniger als ein halber Liter pro Tag – würden laut dem Urologen auf einen Funktionsverlust der Nieren hindeuten. 

 

Schaumiger Urin durch Medikamente

Außerdem ist es auch möglich, dass spezielle Medikamente den Urin schaumig wirken lassen bzw. die Nierenfunktion beeinträchtigen. Ein erhöhtes Ausscheiden von Eiweiß mit dem Urin ist insbesondere bei diesen Präparaten möglich:  

●    Antibiotika
●    Schmerzlindernde Medikamente, beispielsweise Wirkstoffe aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR)
●    Medikamente zur Krebstherapie (Zytostatika)

Sollte es durch Medikamente beim Wasserlassen zu einem erhöhten Eiweißverlust kommen, wird Ihnen der Arzt ggf. zu einem Medikamentenwechsel raten.

 

Schäumender Urin – wann ist der Besuch beim Arzt notwendig?

“Es muss nicht immer etwas Aufregendes dahinterstecken. Je nach Stärke des Harnstrahls schäumt der Urin mal mehr, mal weniger”, sagt Pies. Aber schäumender Urin könne eben auch durch zu viel Eiweiß im Urin verursacht werden. “Deshalb sollte man hier im Zweifel Teststreifen verwenden oder eine Urinprobe beim Hausarzt kontrollieren lassen”, so der Urologe. 

Der Arzt kann anhand einer Urinprobe den Eiweißanteil feststellen. Fallen die Werte ungewöhnlich hoch aus, kann eine Erkrankung vorliegen. Sollten innerhalb von 24 Stunden mehr als 150 Milligramm Eiweiß im Urin nachgewiesen werden, so handelt es sich meistens um eine Proteinurie. Werte unterhalb dieser Grenze liegen im normalen Bereich. “Wenn wirklich der seltene Fall eintritt und eine Nierenfilterstörung festgestellt wird, dann muss das ein Nierenfacharzt (Nephrologe) weiter kontrollieren und behandeln”, sagt Pies. 

 

Schaum im Urin: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Und wie wird schaumiger Urin bzw. Eiweiß im Urin therapiert? Liegt eine gutartige, vorübergehende Proteinurie vor, so ist in der Regel keine Therapie nötig. Anders sieht es bei einer krankheitsbedingten Proteinurie mit schaumigem Urin aus: “Leider kann einmal zerstörtes Nierengewebe nicht wieder hergestellt werden. Wenn die Ursache der Nierenprobleme gefunden ist, wird der Arzt zuerst versuchen, diese Ursache zu beseitigen. Oft stecken Bluthochdruck, Durchblutungsstörungen oder eine Zuckerkrankheit dahinter”, sagt Pies. 
 

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