Schadet Fracking Ungeborenen?

Verena Elson Medizinredakteurin
Schwangere Frau Untersuchung
Wenn Schwangere in der Nähe von Fracking-Standorten leben, ist das Risiko ihres Babys erhöht, mit einem geringen Geburtsgewicht zur Welt zu kommen, ergibt eine aktuelle Studie © iStock/jenjen42

Eine aktuelle US-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass das sogenannte Fracking das Risiko für Ungeborene erhöht, mit einem geringen Geburtsgewicht zur Welt zu kommen. Müssen sich Schwangere jetzt auch in Deutschland Sorgen machen?

Das sogenannte Fracking (Hydraulic Fracturing) zur Erdgasgewinnung ist hochumstritten. Ziel des Verfahrens ist es, schwer erreichbare Erdgasvorkommen zugänglich zu machen. Dabei wird in Erdgas enthaltende Gesteinsschichten ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien gepresst. Dies führt dazu, dass die Gesteinsschichten aufbrechen und das Gas herausgedrückt wird. Kritiker befürchten eine Verseuchung des Grundwassers mit den verwendeten Chemikalien und bemängeln unter anderem den hohen Wasserverbrauch bei dem Verfahren.

In den USA erlebte das sogenannte unkonventionelle Fracking, das zur Erschließung besonders schwer zugänglicher Erdgasvorkommen angewendet wird, Anfang des Jahrtausends einen regelrechten Boom. Bei dieser Methode wird ein besonders giftiges Chemikaliengemisch eingesetzt – sie ist darum sehr umstritten.

Wissenschaftler der Princeton University in New Jersey werteten in ihrer aktuellen Studie die Daten von über einer Millionen Babys aus, die zwischen 2004 und 2013 im US-Bundesstaat Pennsylvania geboren wurden – einer der Hochburgen der Fracking-Industrie in den USA.

 

Fracking erhöht Risiko für niedriges Geburtsgewicht

Die Forscher verglichen die Daten von Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft in der Nähe von Fracking-Standorten lebten mit denen von Müttern, die weiter weg wohnten. Dabei interessierten sie sich vor allem für das Geburtsgewicht der Kinder.

Von einem zu niedrigen Geburtsgewicht sprechen Mediziner bei einem Gewicht unter 2.500 Gramm. Bei so leichten Kindern ist das Risiko für Geburtskomplikationen erhöht und häufig wird eine intensivmedizinische Betreuung des Neugeborenen notwendig.

Die US-Forscher fanden heraus: Die unmittelbare Nähe zu einem Fracking-Standort (im Umkreis von 0,6 Meilen, also etwa einem Kilometer) erhöht das Risiko von Babys, mit einem Gewicht von unter 2.500 Kilogramm zur Welt zu kommen, um 25 Prozent. Die gute Nachricht: Bei Kindern von Müttern, die mehr als zwei Meilen (gut drei Kilometer) von einem Fracking-Standort entfernt lebten, war das Risiko nicht erhöht.

 

Sind Schwangere in Deutschland auch gefährdet?

Auch in Deutschland wird Fracking seit Jahrzehnten eingesetzt – dennoch sind die Studienergebnisse nicht eins zu eins auf Deutschland übertragbar. Denn bei der hierzulande (hauptsächlich in Niedersachsen) angewendeten Methode handelt es sich um sogenanntes konventionelles Fracking.

Dieses wird beispielsweise eingesetzt, um zur Neige gehende Rohstoffvorkommen besser ausschöpfen zu können. Für dieses Verfahren wird weniger Flüssigkeit benötigt, die außerdem mit weniger Chemikalien versetzt ist. Mit einem im Februar 2017 in Kraft getretenen Gesetz wurden außerdem strengere Richtlinien für das unkonventionelle Fracking festgelegt. So darf es seither etwa nicht mehr in Gebieten eingesetzt werden, in denen Trinkwasser gewonnen wird.

Für das unkonventionelle Fracking gab es bis dahin keine gesetzliche Regelung – laut dem 2017 in Kraft getretenen Gesetz ist es aber bis 2021 verboten, danach soll neu entschieden werden. Lediglich vier Probebohrungen zu wissenschaftlichen Zwecken sind bis dahin erlaubt, allerdings haben die meisten Bundesländer bereits die Durchführung einer solchen Probebohrung ausgeschlossen.

Allerdings: In der Studie wurden die Auswirkungen des konventionellen Frackings auf Ungeborene nicht untersucht – sie liefert darum keinen Beweis dafür, dass dieses Verfahren unschädlich ist.

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.