Schadet ein zu kurzer Abstand zum Fernseher den Augen?

Wie wirkt es sich eigentlich auf unsere Augen aus, wenn der Abstand zum Fernseher beim Schauen zu gering ist? Und wie groß sollte er idealerweise sein? Dr. Johannes Wimmer klärt über Gesundheitsmythen beim Fernsehen schauen auf.

Viele Eltern kennen das Problem: Kinder wollen beim Fernsehen am liebsten so nah wie möglich vor dem Gerät sitzen. Dabei kennt man die Warnung noch aus der eigenen Kindheit: Wer zu nahe vor dem Fernseher sitzt, ruiniert sich die Augen! Aber ist das tatsächlich so?

 

Welche Rolle spielt der Abstand zum Fernseher für die Augen?

Fakt ist: Die Sehfähigkeit wird nicht dadurch gemindert, dass man zu nah vor dem Gerät sitzt. Weder der Sehnerv noch die Sinneszellen werden dadurch nachhaltig geschädigt. Wenn Sie beobachten, dass Ihr Kind ständig in kurzem Abstand zum Fernseher sitzt, sollten Sie aber trotzdem einen Termin beim Augenarzt vereinbaren. Denn das Verhalten kann auf eine bereits bestehende Kurzsichtigkeit hindeuten und sollte daher ärztlich abgeklärt werden. Das gilt auch, wenn jemand stundenlang fernsieht: Hat man bereits eine Sehschwäche, müssen sich die Augen durch das dauerhafte Schauen mehr anstrengen und ermüden schneller. Wenn Arzt den Sehfehler dann entdeckt, rückt der Fernsehkonsum als mögliche Ursache schnell in den Vordergrund – und erhält den Mythos so aufrecht.

Auch wenn es keine nachhaltigen Schäden durch das viele Fernsehen gibt, sollte man den Augen möglichst oft eine Ruhepause gönnen. Denn meist starrt man dabei aus einem immer gleich bleibenden Abstand auf denselben Bereich und belastet die Augenmuskulatur sehr einseitig. Das führt auch dazu, dass wir seltener blinzeln – wodurch die Tränenflüssigkeit nicht mehr optimal verteilt werden kann. Dadurch werden die Augen gereizt. Trockene Luft, die beispielsweise durch eine Heizung oder Klimaanlage entsteht, verstärkt den Effekt noch. Das gilt übrigens nicht nur beim Fernsehen, sondern auch bei Videospielen oder dem Arbeiten am Monitor.

Abstand zum Fernseher
Ist der Abstand zum Fernseher zu kurz, schadet das den Augen zwar nicht auf Dauer, es kann sie jedoch reizen© Alamy
 

Welcher Abstand zum Fernseher ist ideal?

Sie können den Abstand zum Fernseher beim Schauen variieren, indem Sie beispielsweise mal auf der Sofakante sitzen, statt sich hinten an die Kissen zu lehnen. Der optimale Abstand hängt vom Gerät selbst ab: Bei älteren Fernsehern mit geringer Auflösung sollten Sie von etwas weiter entfernt schauen, weil die schlechte Bildqualität die Augen strapaziert. Bei hochauflösenden Geräten gibt es inzwischen eine Faustformel für den optimalen Abstand: Rechnen Sie einfach die Bildschirmdiagonale in Zentimetern mal 2,1. Ein Beispiel für einen 50 Zoll-Fernseher mit einer Diagonale von 127 Zentimetern: 127 mal 2,1 ergibt knapp 2,7 Meter Mindestabstand. Dabei sollte der Fernseher außerdem optimalerweise so angebracht sein, dass sich die Unterkante des Gerätes auf Augenhöhe befindet.

 

Erste Hilfe für die Augen

Egal ob Sie Fernsehen schauen oder am Computer arbeiten: Gönnen Sie den Augen regelmäßige Pausen, indem Sie den Blick alle zwanzig Minuten in die Ferne schweifen lassen und blinzeln Sie bewusst mehrfach. Wenn möglich, gehen Sie außerdem einmal in der Stunde für ein paar Minuten an die frische Luft – das entspannt die Augen. Der Standort des Bildschirms spielt für die Augen ebenfalls eine wichtige Rolle: Das Gerät sollte nicht parallel zum Fenster stehen, so dass Sie vom Tageslicht geblendet werden. Aber auch indirektes Licht, das vom Monitor reflektiert wird, ist anstrengend für die Augen und sollte daher vermieden werden. Extra-Tipp: Achten Sie auf regelmäßiges Stoßlüften! Im Sommer sollten die Fenster mindestens zweimal täglich rund 25 Minuten geöffnet sein, damit neue, frische Luft in die Wohnung kommt. Im Winter reichen rund fünf Minuten – drehen Sie aber die Heizung in dieser Zeit herunter. So verhindern Sie auch, dass zu viel Wärme beim Lüften verloren geht.

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