Schadet ein imaginärer Freund meinem Kind?

Fast jedes dritte Kind zwischen zwei und vier Jahren erfindet sich einen Phantasie-Kumpel. Doch ist ein imaginärer Freund wirklich etwas Schlechtes? Kinderärztin Dr. Nadine Hess klärt auf.

 

Das sagt Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Auch wenn es Eltern oft erst einmal beunruhigt: Hat ein Kind einen imaginären Freund, heißt das nicht automatisch, dass es ihm an etwas mangelt. Im Gegenteil: In Befragungen erwiesen sich Kinder mit einem unsichtbaren Spielkameraden sogar als besonders kreativ, überdurchschnittlich intelligent und gesellig. Das Phänomen ist außerdem gar nicht so selten – zwischen zwei und vier Jahren erschafft sich rund jedes dritte Kind einen solchen Kameraden. Studien zeigen, dass sich gerade Erstgeborene und Einzelkinder oft mit einem phantastischen Begleiter beschäftigen, wenn sie sich langweilen oder schmollen.

 

Kann ein imaginärer Freund meinem Kind schaden?

Es kommt häufig vor, dass ein imaginärer Freund ganz besondere Essensgewohnheiten hat, die von den Eltern berücksichtigt werden sollen. Beispielsweise sind die phantastischen Kreaturen oft der Meinung, dass Schokolade viel gesünder ist als Karotten. Das Kind nutzt also seinen unsichtbaren Kameraden dazu, seine eigenen Wünsche durch jemand anderen auszudrücken. Gehen Sie als Eltern darauf ein, erklären Sie dem Kind aber, dass sein imaginärer Freund sich den gleichen Essens- und Verhaltensregeln beugen muss wie alle anderen Familienmitglieder. In diesem Fall heißt das beispielsweise, dass nun einmal gegessen wird, was auf den Tisch kommt – und Schokolade nur in Maßen genossen werden sollte.

Imaginärer Freund
Ein imaginärer Freund fungiert nicht nur als Spielkamerad, sondern auch als Beschützer© Fotolia
 

Mein starker phantastischer Freund

Auch wenn solche Situationen anfangs für Ärger sorgen können, sollten Sie nicht nachgeben und dem Kind – und seinem Gefährten – Grenzen setzen. Es ist aber nicht nötig, dem Nachwuchs seinen Kumpel ausreden zu wollen. Zum einen verschwindet dieser häufig von alleine, wenn das Kind älter wird. Und zum anderen hat ein imaginärer Freund auch viele gute Eigenschaften: Er fungiert als Spielgefährte, Beschützer und Verbündeter.

Kleinkinder haben häufig Angst – sei es auch nur vor dem Nachbarshund. Ein starker imaginärer Freund fungiert quasi als Schutzschild und macht es dem Kind leichter, mit diesen Ängsten umzugehen. Außerdem kann man mit ihm natürlich prima spielen – erst recht, wenn man viel allein ist. Wundern Sie sich also nicht über Selbstgespräche im Kinderzimmer: Nichts davon muss Ihnen als Eltern Sorgen machen. Aufmerksam werden sollten Sie jedoch, wenn das Kind sein Verhalten deutlich ändert, es also beispielsweise plötzlich aggressiv wird und die Schuld dafür seinem unsichtbaren Freund zuschiebt. In diesen Fällen kann ein psychologisches Problem vorliegen, das ärztlich abgeklärt werden sollte. Manche Kinder signalisieren durch ihren phantastischen Kumpel auch, dass sie Schmerzen oder andere Sorgen haben, über die sie sich sonst nicht zu sprechen trauen. Werden Sie also hellhörig, wenn Ihr Kind erzählt, dass sein imaginärer Freund beispielsweise in der Schule gehänselt wird.

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