Saures Aufstoßen: 5 Gründe für das Sodbrennen

Susanne Petersen Medizinredakteurin

Saures Aufstoßen kann harmlos sein, etwa nach üppigem Essen. Wer häufiger unter dem Aufstoßen von Magensäure leidet, sollte die Gründe kennen. Denn unbehandelt kann das ständige saure Aufstoßen die Speiseröhre schädigen. Diese 5 Gründe für das saure Aufstoßen gibt es, einer davon ist erstaunlich!

Saures Aufstoßen: 5 Gründe für das Sodbrennen
Für saures Aufstoßen sind viele Faktoren verantwortlich. Zu den 5 Gründen hierfür gehören falsche Ernährung und Übergewicht Foto:  iStock / Pheelings Media
Inhalt
  1. Saures Aufstoßen – Ursachen liegen tiefer
  2. Sauer Aufstoßen: Das steckt dahinter
  3. Was hilft gegen saures Aufstoßen?
  4. Saures Aufstoßen: Hausmittel aus der Küche
  5. Saures Aufstoßen mit Medikamenten und pflanzlichen Wirkstoffen behandeln
 

Saures Aufstoßen – Ursachen liegen tiefer

Aufstoßen kennt fast jeder Mensch. Dabei weicht überschüssige Luft aus dem Magentrakt über die Speiseröhre nach oben und macht sich als mehr oder weniger lautstarker Rülpser bemerkbar. Fließt dabei Magensäure zurück in die Speiseröhre, spricht man vom sauren Aufstoßen oder auch Sodbrennen, wenn dabei Schmerzen und Brennen hinter dem Brustbein und in der Speiseröhre als Begleitsymptome auftreten.

Magensäure ist im Magen äußerst nützlich für die Verdauung von Speisen und für das Abtöten von Keimen und Krankheitserregern. Der Magen ist mit seiner besonderen Schleimhaut gut geschützt gegen die Säure, die zum großen Teil aus Salzsäure besteht. In anderen Körperteilen wie der Speiseröhre, dem Rachen und dem Mund aber wirkt die Magensäure ätzend

Völlegefühl und ständiges Aufstoßen sind lästig
Völlegefühl Völlegefühl und Aufstoßen: Was steckt dahinter?

Passiert das saure Aufstoßen nur gelegentlich, ist das kein Grund zur Besorgnis und kann mit Hausmitteln oder veränderten Ernährungsgewohnheiten beseitigt werden. Bei jahrelangem Reflux von Magensäure allerdings kommt es zu Entzündungen der Schleimhaut, die sich im schlimmsten Fall zu Speiseröhrenkrebs entwickeln können.

Zum Schutz gegen die Magensäure dient der obere Schließmuskel des Magens (Ösophagussphinkter), er verhindert, dass die Magensäure nach oben aufsteigen kann. Wird der Schließmuskel in seiner Funktion gestört, kann es zum sauren Aufstoßen kommen.

 

Sauer Aufstoßen: Das steckt dahinter

Haupt-Ursache für saures Aufstoßen ist also ein Magenschließmuskel, der nicht mehr richtig schließt oder erschlafft ist und daher Mageninhalt und Magensäure nicht mehr zurückhalten kann. Kommt es, ähnlich wie bei dem normalen Rülpsen, zu einem Überdruck, entweicht dann nicht nur Luft nach oben. Es kommt zum sauren Aufstoßen.

Weitere Ursachen, neben der Funktionsstörung des Magenschließmuskels:

  • Ein gestörter Bewegungsablauf des Magens, sodass der Inhalt nach oben gedrückt wird
  • Die Einnahme von Medikamenten (etwa Schmerzmittel), die die Säureproduktion anregen
  • Verkrampfungen des Schließmuskels der Speiseröhre (Achalasie)
  • Speiseröhrendivertikel (Ausbuchtungen der Speiseröhrenwand), in denen sich Nahrung staut
  • Ein Zwerchfellbruch (Hiatus-Hernie), bei dem sich die Speiseröhre oder Teile des Magens nach oben schieben

Nicht immer liegt eine organische Erkrankung oder Medikamentennebenwirkungen zugrunde. Bei manchen Menschen liegt eine erbliche Veranlagung vor, bei manchen können Rauchen, Übergewicht oder bestimmte Medikamente Auslöser sein. Auch das Lebensalter spielt eine Rolle: Mit zunehmendem Alter erschlafft das Bindegewebe und der obere Schließmuskel des Magens wird schwächer. 

„Achalasie“ ein Dauerkrampf des Magen-Schließmuskels
Service Achalasie: „Endlich kann ich wieder mit Genuss essen“

Diese 5 Gründe sind meist verantwortlich für das Aufsteigen der Säure:

1. Aufstoßen von Magensäure nach dem Essen, durch Übergewicht oder Schwangerschaft

Zu fett, zu viel, das Falsche: Wer beim Essen oft über die Stränge schlägt, bekommt irgendwann die Rückmeldung des Magens in Form von übermäßiger Säureproduktion. Fette Speisen und Frittiertes sind Schwerstarbeit für das Verdauungsorgan. Auch Zucker und säurebildende Genussmittel wie Alkohol, Zigaretten oder Kaffee begünstigen das Aufsteigen der Magensäure. Auch bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten kann es zu erhöhter Säureproduktion kommen.

Übergewichtige haben mehr Fett im Bauchraum, was einen erhöhten Druck auf den Speiseröhrenverschluss ausübt. In der Schwangerschaft kennen viele werdende Mütter das saure Aufstoßen, denn das größer werdende Baby drückt ebenfalls nach oben. 

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2. Saures Aufstoßen nachts im Liegen

Kaum liegt man, steigt auch schon die Säure in die Speiseröhre. Wer unter saurem Aufstoßen leidet, merkt das oft vermehrt in der Nacht. Denn im Liegen kann, gerade bei einer Funktionsstörung des Ösophagussphinkters, die Säure besser zurückfließen. Das Problem dabei: Gerade im Liegen bleibt die Säure länger in der Speiseröhre und hat dann mehr Zeit, um Schäden anzurichten.

3. Saures Aufstoßen mit Übelkeit durch Magenschleimhautentzündung

Wird die Magenschleimhaut durch eine erhöhte Säureproduktion überstrapaziert, kann es zu einer Magenschleimhautentzündung (Gastritis) kommen. In vielen chronischen Fällen ist eine Infektion mit dem Erreger Helicobacter pylori verantwortlich. Dann kommt es neben dem sauren Aufstoßen vielfach zu Übelkeit und einem Druckgefühl in der Magengegend. 

4. Stress und saures Aufstoßen

Wenn einem etwas sauer aufstößt, man Stress oder Ärger hat, dann reagiert auch der Magen. Zwischen Gehirn und Bauch gibt es eine enge Verbindung. Emotionaler Stress kann sich deshalb körperlich auswirken. Dann werden Stresshormone wie Cortisol ausgeschüttet, die den Verdauungsvorgang verlangsamen. Die Magenbewegung wird gebremst, die Nahrung bleibt länger im Magen und drückt wieder nach oben Richtung Speiseröhre. 

Gastritis durch Stress
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5. Saures Aufstoßen ohne Sodbrennen

Ein überraschender Grund für saures Aufstoßen ist der sogenannte stille Reflux. Dabei handelt es sich um das Aufsteigen von säurehaltigen Gasen. Es steigt also nicht Mageninhalt in die Speiseröhre auf, sondern Gase. Diese Art von saurem Aufstoßen kann unabhängig vom „normalen“ Sodbrennen auftreten. Typische Symptome wie Druck in der Speiseröhre, ein saurer Geschmack im Mund und brennende Schmerzen treten hierbei nicht auf.  

Der stille Reflux macht sich vielmehr durch unspezifische Symptome wie Heiserkeit und Husten bemerkbar, weswegen Betroffene zuerst gar nicht auf den Stillen Reflux als Verursacher der Beschwerden kommen. Meist ist das ein Zufallsbefund und die Schäden an der Schleimhaut der Speiseröhre werden erst später erkannt, zum Beispiel durch eine Magenspiegelung. 

 

Was hilft gegen saures Aufstoßen?

Um gegen das saure Aufstoßen vorzugehen, empfiehlt es sich, die Ursache genauer anzuschauen. Ist die Ernährung verantwortlich, sollten auslösende Nahrungsmittel vermieden werden. Statt Frittiertem lieber Frisches, statt Genussmitteln wie Alkohol sollten Sie lieber zu Wasser und Tee greifen. Übergewicht sollte abgebaut werden. Tritt das saure Aufstoßen in der Nacht auf, hilft es, mit erhöhtem Oberkörper zu liegen und abends vor dem Schlafengehen nicht mehr zu essen. Gegen stressbedingtes Sodbrennen helfen Entspannungstechniken wie Meditation oder Yoga. 

Eine Schüssel Haferbrei mit Bananen
Hausmittel Soforthilfe bei Reflux

 

Saures Aufstoßen: Hausmittel aus der Küche

Leiden Sie erst seit kurzem unter saurem Aufstoßen oder sind die Symptome milder? Dann können Hausmittel Abhilfe verschaffen. Viel Trinken hilft, die Magensäure zu verdünnen. Neben stillem Wasser kommen Tees mit Kümmel, Anis oder Fenchel in Frage. Stärkehaltige Lebensmittel wie Kartoffeln sollen ebenfalls geeignet sein, die Säureproduktion herunterzufahren. Kartoffelsaft ist basenreich, er hilft, überschüssige Magensäure zu neutralisieren. Auch Natron können Sie bei saurem Aufstoßen in Wasser aufgelöst trinken, um die Säure zu binden. Heilerde hilft ebenfalls, die Magensäure aufzusaugen. Täglich können Sie 2-3 Teelöffel des Pulvers einnehmen. Der Tipp, dass Milch helfen kann, hat sich als unwahr erwiesen. Das Trinken von Milch erhöht sogar die Säureproduktion im Magen.

 

Saures Aufstoßen mit Medikamenten und pflanzlichen Wirkstoffen behandeln

Wer nur gelegentlich unter saurem Aufstoßen leidet, kann zu sogenannten Antazida greifen. Diese neutralisieren die Säure schnell lokal im Magen.

Ein Antazidum mit einem speziellen Feigenkaktusextrakt bietet zusätzlich einen pflanzlichen Wirkansatz. Der Extrakt, der aus den Scheinblättern des Feigenkaktus gewonnen wird, enthält einen besonders hohen Gehalt an schleimbildenden Polysacchariden. Diese legen sich wie ein Schutzfilm auf die angegriffene Schleimhaut der Speiseröhre. Neben dem Feigenkaktusextrakt wirkt bei diesem in der Apotheke erhältlichen Präparat die bewährte Kombination aus Calcium- und Magnesiumkarbonat, um rasch überschüssige Säure zu neutralisieren.

H2-Blocker hingegen blockieren Hormon-Bindestellen in den magensäureproduzierenden Zellen und hemmen die Freisetzung von Magensäure. Sie werden meist von der Ärzt:in verschrieben, wenn Sie regelmäßig unter Sodbrennen und Reflux leiden.

Leiden Sie unter starken chronischen Beschwerden durch das saure Aufstoßen, kommen sogenannte Protonenpumpenhemmer zum Einsatz. Sie hemmen die Säureproduktion des Magens, indem sie gezielt bestimmte Pumpen, die Magensäure in den Magen befördern, hemmen. Diese müssen von der Ärzt:in verschrieben werden. Allerdings kann der Magen auf die langfristige Einnahme dieser Säurehemmer mit einer gesteigerten Säureproduktion reagieren.

Steckt eine ernstere Erkrankung hinter den Beschwerden, genügt es oft nicht, die Symptome nur mit Hausmitteln oder Medikamenten zu behandeln. Ständiges saures Aufstoßen sollte dann medizinisch abgeklärt werden.

Quellen:

Saures Aufstoßen, in: fernarzt.com

Saures Aufstoßen: Ein Zeichen von Atemwegsreflux, in: refluxgate.de

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