Sauerstoff-Einlagen für diabetischen Fuß

Verena Elson Medizinredakteurin

Die Füße sind eine Problemzone bei vielen Diabetikern: Kleine Verletzungen können sich schnell zu tiefen, schlecht heilenden Wunden entwickeln. US-Forscher haben jetzt Schuheinlagen kreiert, die Betroffenen helfen könnten. 

Diese Schuheinlagen sollen die Heilung beim diabetischen Fußsyndrom beschleunigen
Diese Schuheinlagen sollen die Heilung beim diabetischen Fußsyndrom beschleunigen Foto:  Purdue University image/Kayla Wiles

Bei dem sogenannten diabetischen Fußsyndrom kommt es zu tiefen, chronischen Wunden an den Füßen. Die Ursache liegt in den durch dauerhaft erhöhten Blutzucker geschädigten Nerven im Fuß: Sie können zum einen zu einer gestörten Schweißproduktion führen, was die Haut trocken und spröde und damit anfälliger für Verletzungen werden lässt. Zum anderen lassen sie die Betroffenen unempfindlicher gegenüber Schmerzen werden – sie merken nicht, wenn sie ihren Fuß falsch belasten oder verletzen. So entstehen Druckstellen oder kleinen Rissen im Fuß, die sich zu Wunden entwickeln und infizieren können. Nerven- und Gefäßschäden sowie ein beeinträchtigtes Immunsystem führen zudem dazu, dass Verletzungen bei Diabetikern in der Regel schlechter heilen.

 

Sauerstoff unterstützt Wundheilung

Wissenschaftler der Purdue University in West Lafayette (Indiana) entwickelten jetzt Schuheinlagen, die die Heilung chronischer Fußwunden unterstützen sollen. Der Schlüssel bei ihrem Ansatz lautet Sauerstoff: An der Heilung einer Wunde sind verschiedene Gruppen von Zellen beteiligt – zum Beispiel Immunzellen und sogenannte Fibroblasten und Epithelzellen, die für Gewebeaufbau und Wundverschluss zuständig sind. Sie alle benötigen Sauerstoff – doch bei chronischen Wunden ist das Gewebe nicht genügend durchblutet und damit auch nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt.

Beim diabetischen Fußsyndrom wird Sauerstoff teilweise schon als Therapie eingesetzt – dabei sitzen die Patienten in einer Kammer und atmen reinen Sauerstoff ein. So wird das Blut stärker mit Sauerstoff angereichert, was eine bessere Durchblutung der Wunde zur Folge haben soll.

Die Entwicklung der Forscher aus Indiana bringt den Sauerstoff direkt an die Wunde: Das Team kreierte Schuheinlagen aus Silikon, die mit winzigen „Sauerstofftanks“ versehen sind. Individuell an den Fuß des Betroffenen angepasst, setzen sie an den verletzten Stellen kontinuierlich Sauerstoff frei.

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Sauerstoff-Einlagen könnten Therapie verbessern

Die Sauerstoff-Sohlen könnten nicht nur in Schuhen getragen werden. Als Goldstandard für die Behandlung von Fußgeschwüren gilt der sogenannte Total Contact Cast – ein Steifverband, der verhindert, dass die Wunde beim Gehen belastet wird. Könnten die neuen Einlagen auch im Inneren dieses Verbandes die Sauerstoffversorgung des Fußes verbessern, würde das den Heilungsprozess womöglich beschleunigen.

„Silikon ist flexibel und hat eine gute Sauerstoffdurchlässigkeit“, erklärt Studienautor Hongjie Jiang. „Laser helfen uns, diese Durchlässigkeit zu steuern und zielgenau die wunde Stelle zu behandeln, die unterversorgt ist – ohne den restlichen Fuß mit zu viel Sauerstoff zu vergiften.“

 

Vorbeugende Einlagen gibt es schon

Nach den Berechnungen des Teams kann die Einlage den Fuß mindestens acht Stunden mit Sauerstoff versorgen. Die Forscher stellen sich vor, dass ein Hersteller die individuell angepassten Einlagen packungsweise zu dem Patienten schickt, nachdem er ein Rezept und ein Foto von dem Fuß erhalten hat.

Bisher wurden die Sauerstoff-Einlagen noch nicht an Diabetikern getestet. Bis sie auf den Markt kommen, dürfte also noch einige Zeit vergehen. Bereits jetzt gibt es spezielle Schuheinlagen für Diabetiker – sie helfen, Fußwunden vorzubeugen. Dabei handelt sich um Weichpolstereinlagen, die individuell auf die Füße des Betroffenen angepasst werden. Das Ziel dieser Einlagen ist es, den Druck auf die Füße gleichmäßiger zu verteilen und so Druckstellen zu vermeiden.

Quelle:
Jiang, H., et al. (2018): A laser-customizable insole for selective topical oxygen delivery to diabetic foot ulcers, in: MRS Communications.

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