Sauer macht mutig

Verena Elson
Wer eine Portion Mut gebrauchen kann, sollte etwas Saures essen oder trinken, zeigt eine Studie
Wer eine Portion Mut gebrauchen kann, sollte etwas Saures essen oder trinken, zeigt eine Studie © Eva-Katalin/iStock

Kann ich meine Ängste mit Obst kontrollieren? Laut einer aktuellen Studie ist das gar nicht so weit hergeholt. Demnach tendieren wir zu riskanteren Entscheidungen, nachdem wir etwas Saures zu uns genommen haben.

Saurer Geschmack macht uns risikofreudiger – so lautet das Fazit der aktuellen Forschungsarbeit von Wissenschaftlern der University of Sussex im britischen Brighton. Das Team gab 168 Probanden aus Großbritannien und Vietnam eine 20-Milliliter-Lösung zu trinken, die nach einer der fünf Haupt-Geschmacksgruppen schmeckte: bitter, salzig, sauer, süß und umami. Teilnehmer in einer Kontrollgruppe bekamen Mineralwasser zu trinken.

Anschließend nahmen die Probanden an einem Standardtest zur Einschätzung der individuellen Risikobereitschaft teil: In einem Computerspiel haben die Teilnehmer die Aufgabe, einen Ballon per Mausklick aufzublasen. Je praller der Ballon am Ende ist, desto höher der Gewinn für den Spieler. Platzt der Ballon, geht der Spieler leer aus. Die Probanden haben zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeit, aus dem Spiel auszusteigen und den Gewinn zu kassieren.

 

Saure Getränke machen risikofreudiger

Studienteilnehmer, die etwas Saures (Zitronensäure) getrunken hatten, pumpten im Schnitt deutlich mehr Luft in den Ballon als Probanden in allen anderen Gruppen – 39 Prozent mehr als Personen in der „süßen Gruppe“, 21 Prozent mehr als in der „bitteren Gruppe“, 16 Prozent mehr als in der „salzigen Gruppe“ und 40 Prozent mehr als in der „umami Gruppe“.

Laut Beobachtungen der Forscher hält der Effekt für mindestens 20 Minuten an, könnte aber auch deutlich länger bestehen bleiben – je nach Dosierung des sauren Nahrungsmittels.

Menschen, die etwa an Angststörungen leiden, empfehlen die Forscher saure Lebensmittel als Therapiemethode. Sie könnten die Betroffenen zu Taten ermutigen, die ihnen sonst schwerfallen, wie das Haus zu verlassen oder Menschen anzusprechen.

 

Piloten sollten auf Zitronen verzichten

Einer anderen Personengruppe raten die Autoren dagegen, ihren Konsum von sauren Lebensmitteln einzuschränken. Demnach sollten Piloten oder Menschen mit einer vergleichbaren Verantwortung einen Bogen um saure Speisen und Getränke machen.

„Risikobereitschaft kann für verschiedene Menschen verschiedene Dinge bedeuten; für einige heißt es, bei 9.000 Metern Höhe aus einem Flugzeug zu springen, aber für andere heißt es einfach, das Haus zu verlassen“, so Studienautor Dr. Chi Thanh Vi. „Doch obwohl es für manche negative Konnotationen hat, ist das Eingehen von Risiken tatsächlich eine der primären Verhaltensweisen, die zu einem glücklicheren Leben führen.“ Wie es zur Erhöhung der Risikobereitschaft durch sauren Geschmack kommt, wollen die Forscher in weiteren Studien untersuchen.

Quelle:
Vi, C. T., & Obrist, M. (2018). Sour promotes risk-taking: an investigation into the effect of taste on risk-taking behaviour in humans, in: Scientific reports.
doi:10.1038/s41598-018-26164-3

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