Sanfte Lymphmassage entgiftet den Körper

Lymphdrainage reguliert Lympflüssigkeit
Bei der Lymphdrainage bringt der Physiotherapeut die Lymphflüssigkeit gezielt in Bewegung © Fotolia

Als Lymphmassage wird eine Stimulation der Haut mit Anregung der Gewebeflüssigkeit bezeichnet. Sie ist außerordentlich wirkungsvoll. Die Therapie hilft gegen Lymphstau, wird aber auch bei Frauen nach einer Brustkrebs-Operation eingesetzt.

Durch unseren Körper fließt nicht nur Blut. Neben den Adern gibt es ein zweites Gefäßsystem: Die Lymphkanäle, durch die sich träge die Lymphflüssigkeit bewegt. Sie ist wichtig für die Entgiftung und Entschlackung. Da die Lymphe jedoch nicht wie das Blut aktiv vom Herzen gepumpt wird und nur die größeren Lymphgefäße eine eigene Muskulatur haben, muss die Lymphe voran geschoben werden – durch Druck von außen, z. B. mit Hilfe der Beinmuskeln beim Gehen.

 

Was ist eine Lymphe?

Die Lymphe besteht zu einem Großteil aus Gewebewasser, in dem sich gelöste Eiweißsubstanzen, Stoffwechselgifte und -schlacken und Reste abgetöteter Krankheitserreger befinden. Lymphkanäle münden in große Venen, so dass die "Störsubstanzen” über den Blutkreislauf und die Ausscheidungsorgane (Nieren oder Darm) entsorgt werden können. Ist der Lymphfluss gestört, oder sind die Kanäle verstopft, kommt es zu einem Stau der Flüssigkeit und zu Lymph-Ödemen (Anzeichen: Gewebeschwellungen). Ursachen können angeborene Entwicklungsstörungen des Lymphsystems sein oder Erkrankungen, z. B. Entzündungen (Wundrose) oder Tumoren. Auch nach Brustkrebs-Operationen, bei denen die Lymphknoten der Achselhöhlen entfernt werden müssen, staut sich oft die Lymphe. Hier hilft eine besondere Massage.

 

Wer erfand die Therapie?

Lymph-Massage mit den Händen (manuelle Lymphdrainage) wurde 1834 zum ersten Mal beschrieben. Damals wusste man bereits von der Existenz der Lymphbahnen und nannte sie Saugadern, da sie u. a. schädliche Rückstände aus dem Gewebe "saugen”. Die heute bekannte Form der Lymphdrainage wurde vor rund 60 Jahren erstmals von dem dänischen Arzt Dr. Emil Vodder durchgeführt. Bei Patienten mit besonders hartnäckiger Erkältung massierte er die schmerzhaft geschwollenen Lymphknoten am Hals – mit dem Erfolg, dass die Schwellung zurückging, die Beschwerden gelindert wurden und die Heilung schneller verlief.

 

Wer macht die Massage?

Heute wird Lymphdrainage als spezielle Form der Massage von besonders ausgebildeten Physiotherapeuten durchgeführt. Mit verschiedenen Bewegungen (Kreisbewegungen, Pump- und Drehgriffen) wird der Fluss der Lymphe sanft angeregt, indem sie in ihrer natürlichen Fließrichtung weiter geschoben wird. Das steigert die Lymphentleerung in die Venen von normalerweise 10- bis 12-mal auf bis zu 100-mal pro Minute. Bei gesunden Menschen werden in 24 Stunden etwa zwei Liter Lymphe an das Blut abgegeben. Bei Kranken kann der Fluss stark verlangsamt sein oder fast völlig zum Stillstand kommen.

 

Wie wirkt sie bei Krebs?

Die Lymphdrainage kann man vor Tumor-Operationen vorbeugend anwenden, um einen Lymphstau zu verhindern. Häufiger wird sie nach dem Eingriff gemacht, wenn es tatsächlich zu einem Lymphstau gekommen ist. Wichtig: Zu Beginn der Therapie wird das betroffene Gewebe nicht gleich direkt behandelt, sondern in angrenzenden Bereichen angefangen. Hintergrund: Gestaute Lymphbahnen sollen nicht zusätzlich be-, sondern entlastet werden. So beginnt nach einer Brustkrebsoperation die Therapie gegen den Lymphstau in der Achselregion häufig am gesunden Arm. Ist der Lymphfluss dort angeregt, arbeitet sich der Therapeut allmählich zum "Staugebiet” vor.

 

Wogegen hilft sie noch?

Außerdem wird die Lymphdrainage unterstützend zur Behandlung bei folgenden Krankheiten angewandt: Migräne, anderen Kopfschmerzarten, chronischer Darmentzündung, rheumatischen Leiden, Arthrose, Gicht, Ohrgeräuschen (Tinnitus), Wasseransammlungen im Gewebe durch Herzschwäche, Nervenschmerzen und chronischen Erkrankungen der Atemwege.

Auch zur allgemeinen Stärkung der Abwehr- und Selbstheilungskräfte kommt die Massage zum Einsatz. Die Lymphe ist nämlich maßgeblich am Abwehrsystem beteiligt, da sie gefährliche Stoffe aus dem Körper befördert. Je schneller die Lymphe fließt, desto besser klappt die Ausscheidung.

 

Wie funktioniert die Abwehr?

Lymphknoten entlang den Lymphbahnen schnappen sich Krankheitserreger und schädliche Substanzen aus den Zellzwischenräumen und schlucken sie. Im Inneren der Knoten werden die Störenfriede von speziellen Killerzellen (Lymphozyten) unschädlich gemacht, zerlegt und mit der Lymphe abtransportiert. Bei einem Lymphstau können diese wichtigen Immunzentren nicht mehr ihre volle Aktivität entfalten. Doch die Massagen beseitigen den Stau – die örtliche Abwehr funktioniert wieder.

Je nach Grunderkrankung erfolgen die Behandlungen zwei- bis dreimal wöchentlich oder aber täglich. Im gesamten Zeitraum der Therapie muss man Kompressionsbandagen bzw. -strümpfe tragen, die den Rückfluss der Lymphe durch Druck von außen verhindern

 

Gibt es Risiken?

Vor der Lymphdrainage muss unbedingt ausgeschlossen werden, dass ein bisher nicht entdeckter Tumor vorliegt, der die Ursache der Lymphstauung ist. Sonst besteht die Gefahr, dass sich durch die Massage die in den Lymphknoten angesammelten Krebszellen im Körper verbreiten und die Bildung von Metastasen gefördert wird. Auch nach einer abgeschlossenen Krebstherapie vorsichtshalber den Arzt vor dem Beginn einer Lymphdrainage befragen.

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