Sagen Sie mal, Frau Doktor...

Wenn Sie keine Beschwerden haben oder es besondere Auffälligkeiten gibt, reicht ein Gynäkologen-Besuch pro Jahr
Wenn Sie keine Beschwerden haben oder es besondere Auffälligkeiten gibt, reicht ein Gynäkologen-Besuch pro Jahr © shutterstock

Welcher Vorsorgecheck ist wichtig? Ist ein Knoten in der Brust immer Brustkrebs? Lesen Sie hier die wichtigsten Antworten auf die häufigsten Frauen-Fragen.

Welche Vorsorgechecks sind wichtig? Und was taugen IGeL-Angebote, die im Arzt-Patienten-Gespräch angeboten werden? Was fragt man da im Zweifel genau? Dr. Karla Junghanns, Gynäkologin aus Düsseldorf über typische "Problemfälle", zu denen Patientinnen am häufigsten etwas wissen wollen:

 

Welche Vorsorgechecks sollte man machen lassen?

Wenn es keine besonderen Auffälligkeiten gibt, genügt ein Besuch pro Jahr. Der Gynäkologe macht dann eine Krebsvorsorge. Sie umfasst einen Gebärmutterhalskrebs-Abstrich (= Pap-Test), mit dem verdächtige Gebärmutterhalskrebszellen aufgespürt werden können. Zusätzlich werden die Gebärmutter, die Eierstöcke, die Achselhöhlen und die Brust abgetastet. Weiteren Aufschluss über Erkrankungen an den Eierstöcken, in der Gebärmutter bzw. an der Brust geben Ultraschalluntersuchungen. Sie gehören, wie auch der Thin-Prep-Test, zu den individuellen Gesundheitsleistungen (= IGeL) und kosten jeweils ca. 40 Euro.

 

Was bedeutet es, wenn der Pap-Abstrich auffällig ist?

Wir können daran sehen, ob die Patientin Gebärmutterhalskrebs hat oder eine Vorstufe davon. Aber Entwarnung: Über 90 Prozent der Pap-Abstriche sind unauffällig und geben keinen Grund zur Sorge.

 

Sind IGeL-Angebote wie der "Thin-Prep-Test" sinnvoll?

Er empfiehlt sich nur, wenn ein erhöhtes Risiko für Zellveränderungen am Gebärmutterhals besteht. Das ist der Fall, wenn eine Infektion mit HP-Viren entdeckt worden ist. Sie erhöhen das Risiko für Gebärmutterhalskrebs. Der Test kostet ca. 70-100 Euro.

 

Ein Knoten in der Brust: Ist das gleich Krebs?

Bei einer von fünf Frauen erweist sich ein Knoten in der Brust als Krebs. Häufig stellt er sich als Zyste oder gutartige Geschwulst heraus, etwa ein Fibroadenom. In jedem Fall sollte man aber zum Frauenarzt gehen und die Ursachen abklären lassen. Die Therapie hängt von der genauen Diagnose ab.

 

Sind Zwischenblutungen ein Grund zur Sorge?

Sie sollten auf jeden Fall immer untersucht werden. Es gibt viele Ursachen – das können Hormonstörungen, Schwangerschaft, vergessene Anti-Baby-Pillen sein, aber auch ein Tumorleiden.

 

Peinliches Harntröpfeln: Was hilft?

Leider ist Blasenschwäche immer noch ein Tabuthema. Dabei ist schätzungsweise jede dritte Frau davon betroffen, auch jüngere sind dabei. Aber man kann helfen. Als Erstes muss dafür allerdings der Gynäkologe konsultiert werden. Heute unterscheidet man zwischen verschiedenen Formen der Inkontinenz. So muss der Arzt abklären, welche körperliche Ursache vorliegt. Ist das geklärt, kann mit der richtigen Therapie geholfen werden. Das kann gezieltes Beckenbodentraining sein, aber auch eine medikamentöse Behandlung oder Operation.

 

Wann sollte man den Hormonspiegel messen lassen?

Wenn man z. B. verstärkt unter Wechseljahressymptomen wie etwa starkes Schwitzen, Hitzewallungen, bzw. Stimmungsschwankungen leidet. Nur ein Bluttest zeigt, ob der Körper wirklich weniger Hormone produziert und man möglicherweise schon in der Menopause ist. Bei starken Beschwerden kann eine niedrig dosierte Hormonersatztherapie die Beschwerden lindern. Ob Tabletten, Pflaster oder Gel, müssen Arzt und Patientin gemeinsam entscheiden. Man kann es aber auch erst einmal mit pflanzlichen Mitteln versuchen.

 

Sanfte Helfer aus der Natur

Bei vielen Frauenleiden wirken Heilpflanzen Wunder: Bei Wechseljahresbeschwerden etwa können Fertigarzneimittel mit Traubensilberkerzen-Extrakt helfen. Bei Entzündungen im Genitalbereich sind Kamillen-Sitzbäder sinnvoll, bei Hitzewallungen hilft Salbeitee.

 

Erhöhen Hormone nicht das Brustkrebs-Risiko?

Das Risiko an Brustkrebs zu erkranken, kann steigen. Deshalb gilt es, Nutzen und Risiken von Hormonersatz-Therapien sorgfältig gegeneinander abzuwägen.

 

Wie wird man Vaginalpilze schnell wieder los?

Bei akutem Brennen und Jucken helfen diverse Antipilzmittel aus der Apotheke. Bei wiederholtem Auftreten können auch Medikamente zum Einnehmen verschrieben werden. Starker Geruch kann auf eine bakterielle Entzündung (med: Vaginose) hinweisen. Das muss der Gynäkologe untersuchen, denn in diesem Fall helfen keine Antipilzmittel.

 

Wie kann ich einer Intim-Infektion vorbeugen?

Was viele Frauen unterschätzen: Oft bringt übertriebene Hygiene die Scheidenflora aus der Balance. Aber auch Stress oder eine Antibiotikatherapie können zur Veränderung des Scheidenmilieus führen. Dadurch entstehen unangenehmer Intimgeruch oder Jucken. Vorbeugend und bei leichten Infektionen hilft ein Vaginalgel, das den pH-Wert der Scheide normalisiert und die Vagina schützt. Dann können Pilze und Bakterien nicht überleben.

 

Gebärmutterhalskrebs-Impfung: Ist das nur was für junge Mädchen?

Das sollte der Gynäkologe individuell entscheiden. Bei erwachsenen Frauen kommt es auf die Lebensumstände an. Wer schon lange in einer festen Beziehung lebt, ist nicht in Gefahr, sich neu anzustecken. Eine Impfung ist nicht notwendig. Wenn man jedoch Single ist oder sich frisch getrennt hat und im Leben neu durchstarten möchte, kann eine Impfung sinnvoll sein.

 

Plötzlich Schmerzen beim Verkehr – woran liegt das?

Wucherungen an der Gebärmutter (med.: Endometriose), Eierstockzysten oder eine Infektion können u. a. die Beschwerden auslösen. Wichtig: Die Frauenärztin darauf ansprechen! So kann man herausfinden, was die Schmerzen verursacht und wie sie sich im Einzelfall behandeln lassen. Gegen Scheidentrockenheit hilft zum Beispiel ein feuchtigkeitspendendes Vaginalgel aus der Apotheke oder auch Hormonsalben.

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.