Rückkehr des Rinderwahnsinns?

Rinderwahnsinn kehrt zurück
Die Creutzfeld-Jakob-Erkrankung (CJD) gilt immer noch als unheilbar. Behandelt werden können nur die Symptome © Fotolia

Unsere Rinder sind gesund, BSE ist ausgerottet – stimmt nicht! In den letzten Monaten haben sich in Deutschland wieder die Fälle infizierter Tiere gehäuft. Aber US-amerikanische Forscher entwickelten jetzt den ersten Lebendtest für Menschen. Bisher war eine sichere Diagnose der durch BSE ausgelösten Creutzfeld-Jakob-Erkrankung nur nach dem Tod des Patienten möglich.

Seit rund 15 Jahren gelten BSE und CJD als eingedämmt – in den Augen vieler Menschen sogar als ausgerottet. Doch dem ist nicht so. Anfang 2014 wurden in Deutschland wieder Fälle der Rinderkrankheit Bovine spongiforme Enzephalopathie (BSE) bestätigt. Die erkrankten Rinder waren in Brandenburg geschlachtet und nur durch eine Zufallskontrolle entdeckt worden. Weltweit erkranken nach aktuellen Schätzungen rund eine Millionen Menschen jährlich an unterschiedlichen Formen der Creutzfeld-Jakob-Erkrankung (CJD) – die auf den Menschen übertragene Form von BSE –, wobei die sogenannte sporadische CJD die am häufigsten diagnostizierte Variante darstellt.

 

In vielen Europäern schlummert die Krankheit

Einer aktuellen Studie des University College London zufolge müsse man sogar davon ausgehen, dass die Krankheit in vielen Menschen unentdeckt schlummert. Allein in Großbritannien sollen vorsichtigen Schätzungen zufolge rund 30.000 Menschen mit CJD infiziert sein, ohne es zu wissen.

Das Problem ist nach Aussagen der Forscher, dass die Inkubationszeit – also die Zeit, die vergeht, bis die Krankheit ausbricht – von CJD auf 12 bis 15 Jahre geschätzt wird. In vielen Fällen bricht die Krankheit zu Lebzeiten nie aus. Zudem ist CJD nur anhand einer Biopsie nach dem Tod feststellbar – bis jetzt.

 

Forscher entwickeln endlich Lebendtest

US-amerikanische Forscher des National Institutes of Health (NIH) entwickelten nun den ersten Lebenstest für CJD. Nach jahrzehntelanger Forschung wurde der sogenannte Nasenbürstentest in einer aktuellen Studie vorgestellt. Nach Aussagen der beteiligten Wissenschaftler ist der Test nicht nur zuverlässig, sondern auch billig, ungefährlich, nicht schmerzhaft und einfach zu bedienen.

Zwar gibt es bisher es keine Heilungsmöglichkeiten für die tödliche Krankheit – bisher können nur die Symptome behandelt werden, etwa mit Neuroleptika gegen Halluzinationen und Antidepressiva gegen Depressionen. Dennoch „stellt dieser Test ein wichtiges Instrument bei der Verhinderung der Mensch-zu-Mensch-Übertragung von CJD dar“, erklärten die Studienautoren. Eine wichtige Voraussetzung, um die Krankheit irgendwann tatsächlich besiegen zu können.

 

Schneller und präziser

Für die klinische Versuchsphase wurde von 43 gesunden und 31 an CJD erkrankten Probanden Gewebeproben aus der Naseninnenseite entnommen. Dazu verwendeten die Forscher ein speziell entwickeltes Instrument, mit dem sie kleinste Mengen Geruchsnervenzellen "abbürsten" und untersuchen konnten.

Insgesamt bestimmte der Test rund 97 Prozent der CJD-Positivbefunde richtig (30 von 31). Die gesunden Probanden wurden vom Test zu 100 Prozent als CJD-negativ beschrieben. Der Nasenbürstentest ist damit nicht nur deutlich schneller als bisherige Tests, die einer umständlichen Untersuchung des Rückenmarks bedürfen. Er ist vor allem auch erheblich präziser – denn in etwa jeder vierte Rückenmark-Test lieferte bisher ein falsches Ergebnis.

 

Gestörte Proteine

CJD ist eine sogenannte Prionen-Krankheit. Dabei verändern Prionen – das sind bestimmte Proteine im Körper – ihre äußerliche Struktur (Faltung),  sodass sie einfach gesagt nicht mehr funktionieren. Diese Störung der Prionenstruktur führt außerdem dazu, dass die Proteine nicht mehr vom Körper abgebaut werden können und sich - im Falle von CJD - in den Nervenzellen des Gehirns festsetzen. Diese Prionenablagerung wiederum ist verantwortlich für die Zerstörung des Gehirngewebes (Zell-Apoptose) und löst die typischen CJD-Symptome – wie z.B. der Verlust geistiger und motorischer Fähigkeiten, Gedächtnisstörungen, Orientierungslosigkeit, Wahrnehmungsstörungen und Persönlichkeitsveränderungen – sowie schließlich den Tod des Patienten nach einigen Monaten aus.

Hamburg, 9. August 2014

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