Rückenschmerzen? Warum ein schlaffes Bindegewebe häufig die Ursache für Beschwerden ist

Redaktion PraxisVITA

Es ist eine wahre Volkskrankheit: Von Hexenschuss bis Bandscheibenvorfall – 61 Prozent der Bevölkerung klagen über Rückenprobleme. Was viele nicht wissen: Oft ist ein schlaffes Bindegewebe daran schuld. Praxisvita erklärt, wie Sie die Schmerzen vermeiden können.

Jetzt gibt es neue Hoffnung für alle Schmerzgeplagten: Neueste Forschungen zeigen, dass die Ursachen der meisten Beschwerden rund um die Wirbelsäule direkt unter der Haut liegen – in einem bestimmten Typ des Bindegewebes, den sogenannten Faszien. Sie durchziehen unseren Körper wie ein unsichtbares Netz, umschließen Muskeln, Sehnen, Knochen, Gefäße und Nerven, geben ihm Form und Halt. Faszien-Spezialist Dr. Robert Schleip: „Unser Körper ist umhüllt von einer Art Verpackungsmaterial, das unter der Haut liegt. Es ist ein faseriges Netz aus Bindegewebe – normalerweise ist es etwa 0,3 bis 3,5 Millimeter dick.“

Vor allem die Lumbalfaszie, die im Lendenwirbelbereich zwischen Rückenmuskulatur und Haut sitzt, ist für viele Beschwerden verantwortlich. Sie unterstützt den Rückenstreckmuskel und muss teilweise sogar mehr Belastung aushalten als die Muskeln selbst. Bei einer zu starken Belastung können sich hier mikroskopisch kleine Risse bilden, die sich entzünden.

 

Operation ist nicht immer sinnvoll

Lange versuchten Ärzte, diese mit einer Operation zu lindern. Doch oft haben Patienten danach mehr Schmerzen als zuvor. Daher gelten bis zu 90 Prozent der Eingriffe als unnötig. „Nur in wenigen Fällen, wie bei Blasen- oder Darmlähmung, muss sofort operiert werden“, sagt der Rückenexperte Prof. Dietrich Grönemeyer.

Radfahren gegen schlaffes Bindegewebe
Gegen ein schlaffes Bindegewebe und damit einhergehenden Rückenschmerzen helfen Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren © istock/AlexSava

Gegen ein schlaffes Bindegewebe helfen zwei- bis drei Trainingseinheiten pro Woche. Dafür eignet sich Schwimmen – am besten Kraulen. Dabei bleibt die Wirbelsäule in ihrer natürlichen S-Form, der Rücken wird gestreckt und abwechselnd be- und entlastet. Ebenfalls gut, um ein schlaffes Bindegewebe zu bekämpfen, sind Sportarten, bei denen der Körper gedehnt wird, wie Yoga, Pilates oder Tai-Chi. Um Schmerzen vorzubeugen, eignen sich außerdem sanfte Mittel aus der Natur (zum Beispiel das Schüssler Salz Silicea Pentarkan von DHU).

 

Sportarten für eine starke Rückenmuskulatur

Auch eine geschwächte Muskulatur kann Rückenschmerzen verursachen. Um sie zu stärken, ist Nordic Walking (dreimal 30 Minuten pro Woche) ideal. Dabei werden alle Muskeln in Rücken, Beinen und Armen gefordert. Die harmonischen Bewegungen lösen sogar Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich. Die richtigen Bewegungsabläufe lassen sich am besten in einem Kurs erlernen, etwa in der Volkshochschule oder im Verein.

Auch Radfahren eignet sich. „Bei einer optimalen Haltung auf dem Rad mit einem leicht nach vorn gebeugten Oberkörper gerät die Rückenmuskulatur unter Vorspannung und stabilisiert den Rumpf“, erklärt Prof. Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln. Außerdem regt die Trittbewegung die kleinen Muskeln an den Wirbelkörpern an, die sonst kaum erreicht werden.

Und noch ein Tipp: Mit speziellen Programmen, wie sie von Fitness-Studios und Vereinen angeboten werden, kamnn die Nacken- und Rückenmuskulatur gezielt gestärkt werden. Dabei aber nicht die Bauchmuskeln vernachlässigen – sie stützen den Rumpf von vorne.

Wärmflasche gegen Rückenschmerzen
SOS-Tipp bei Rückenschmerzen: Wärme regt die Durchblutung an und entspannt die verkrampfte Muskulatur © istock/Rawpixel
 

Wie behandle ich akute Schmerzen richtig?

Heizen Sie den Schmerzen ein! Egal, ob Pflaster aus der Apotheke, Wärmflasche oder Kirschkernkissen: Wärme regt die Durchblutung an und entspannt die verkrampfte Muskulatur. Dafür möglichst etwa Stunde ins Bett oder aufs Sofa legen. Das Liegen entspannt die verkrampfte Muskulatur zusätzlich. Danach gilt es, die Muskulatur und die Gelenkschmiere wieder zu aktivieren – am besten durch einen Spaziergang.

Auch Selbstmassage entspannt. Bei akuten Verspannungen hilft diese SOS-Übung: vor eine Wand stellen. Tennisball zwischen Rücken oder Nacken und Wand legen. Ball vorsichtig mit dem Rücken an der Wand entlangrollen. Nach ein paar Minuten fühlen wir uns wieder locker und entspannter.

Lesen Sie in unserer Bildergallerie, warum ein schlaffes Bindegewebe häufig die Ursache für Beschwerden ist!

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.