Rückenschmerzen mit dem Kopf besiegen

Eine Frau meditiert
Die sogenannte Achtsamkeitsmeditation wirkt besser gegen chronische Rückenschmerzen als herkömmliche Behandlungsmethoden, zeigt eine US-Studie © Fotolia

Wenn chronische Rückenschmerzen die Lebensqualität beeinträchtigen, helfen Meditation und Verhaltenstherapie besser als herkömmliche Methoden – zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle US-amerikanische Studie.

Schmerzmittel, Spritzen und Physiotherapie – viele Patienten mit Rückenschmerzen haben schon zahlreiche Therapien ausprobiert, ohne Erfolg. Wissenschaftler der Johns Hopkins University in Baltimore zeigen in einer aktuellen Studie, dass eine „Kopftherapie“ bei chronischen Schmerzen im unteren Rücken wirksamer ist als konventionelle Behandlungsmethoden.

Das Team um Daniel Cherkin teilte 342 Rückenschmerzen-Patienten zwischen 20 und 70 Jahren in drei Gruppen ein. Eine Gruppe lernte in acht zweistündigen Sitzungen die sogenannte Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion, die aus Achtsamkeitsbeditation und Yoga besteht. Die Teilnehmer der zweiten Gruppe nahmen an acht Sitzungen Kognitive Verhatenstherapie teil und die Probanden in Gruppe drei fuhren mit ihrer bisherigen Behandlung fort – also beispielsweise Schmerzmittel oder Physiotherapie.

 

Meditation und Verhaltenstherapie helfen am besten

Nach sechs Monaten berichteten 61 Prozent der Probanden in der Meditationsgruppe von einer besseren Beweglichkeit. Unter den Teilnehmern, die sich einer Verhaltenstherapie unterzogen hatten, waren es immerhin 58 Prozent. Von den Patienten, die ihr Vorgehen nicht verändert hatten, spürten nur 44 Prozent eine Verbesserung der Beweglichkeit.

Auch die Schmerzen wurden von den Patienten nach Meditations- und Verhaltenstherapie als erträglicher eingestuft. Mit 44 (Meditation) und 45 Prozent (Verhaltenstherapie) unterschied sich der Erfolg der beiden Behandlungsmethoden in diesem Punkt kaum.

Die guten Ergebnisse beeindrucken noch mehr, bedenkt man, dass knapp die Hälfte der Studienteilnehmer nur weniger als sechs der acht Therapiestunden besuchte.

 

Wie funktioniert Achtsamkeitsmeditation?

Ziel der Achtsamkeitsmeditation ist es, die eigene Haltung gegenüber den Beschwerden zu ändern und sie so besser zu ertragen. Wer nicht mehr verbissen gegen den Schmerz kämpft, sondern es schafft, ihn neutral zu betrachten, hat schon viel gewonnen. Mit ein bisschen Training lässt sich die Wahrnehmung schließlich bewusst auf angenehmere Gefühle umleiten. Achtsamkeitsmeditation lässt sich leicht erlernen, ein Kurs läuft über acht Wochen und kostet rund 250 Euro. Viele Krankenkassen zahlen einen Zuschuss.

Die Teilnehmer der Meditationsgruppe machten zusätzlich Yoga – diese Sportart lindert ebenfalls nachweislich Rückenschmerzen. Die guten Ergebnisse der Achtsamkeitsbasierten Stressreduktion sind demnach auf beide Komponenten der Therapie zurückzuführen.

 

Was ist Kognitive Verhaltenstherapie?

Bei der Kognitiven Verhaltenstherapie geht es ebenfalls darum, die Einstellung des Betroffenen zu seinen Schmerzen zu verändern. Ziel ist es, dass der Patient sich den Schmerzen weniger ausgeliefert fühlt und sich stattdessen in der Lage sieht, aktiv etwas gegen seine Beschwerden zu unternehmen. Zur Therapie gehört außerdem die Überwindung der Angst vor dem Schmerz, die beispielsweise zu eingeschränkter körperlicher Aktivität führen kann, was wiederum die Schmerzen verstärkt. Dazu kommen Anregungen zur Stärkung der Selbstsicherheit, zur Unterstützung durch Angehörige und zur Bekämpfung eventueller Medikamentenabhängigkeiten.

Hamburg, 23. März 2016 

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