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Rückenschmerzen – bei Millionen steckt eine Entzündung dahinter

Junge Frau mit chronisch-entzündlichen Rückenschmerzen
Nach Schätzungen leiden Millionen Arbeitnehmer in Europa unter chronisch-entzündlichen Rückenschmerzen - ohne zu wissen, dass eine axiale Spondyloarthritis der Grund sein kann © "Der Krankheit aufrecht begegnen"

In Europa leidet jeder Fünfte unter Rückenschmerzen, die mindestens drei Monate andauern und damit Hinweise auf eine chronische Erkrankung geben (1). Laut einer aktuellen Umfrage spielen 75 % der Erwachsenen mit chronischen Rückenschmerzen das Ausmaß ihrer Schmerzen gegenüber Freunden und Angehörigen herunter (2). 71 % der Befragten ist bewusst, dass chronischen Rückenschmerzen eine ernstzunehmende Erkrankung zugrunde liegen kann (2). Schätzungsweise 25 Millionen Menschen in Europa leiden unter einer besonderen Form der Rückenschmerzen. Typische Merkmale dabei sind Schmerzen im unteren Bereich des Rückens über eine Dauer von mehr als drei Monaten, die sich durch Bewegung bessern. Mögliche Ursache: axiale Spondyloarthritis (SpA). Hier erfahren Sie mehr über das Krankheitsbild axiale SpA und wo Sie herausfinden können, ob Sie selbst davon betroffen sind.

Bei der axialen SpA handelt es sich um eine Autoimmuerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise gesundes, körpereigenes Gewebe angreift. Die Folge: eine chronische Entzündung im unteren Rückenbereich. Das Leitsymptom sind chronisch-entzündliche Rückenschmerzen. Betroffene wissen oft jahrelang nicht, woher die Schmerzen kommen.

Schlaflose Nächte, starke Schmerzen im Rücken und Morgensteifigkeit in der Wirbelsäule – diese Symptome plagten die 29-jährige Studentin Kathleen: „Die Rückenschmerzen sind nicht plötzlich aufgetreten, sondern haben sich über einen längeren Zeitraum entwickelt. Morgens beim Aufstehen habe ich mich sehr steif gefühlt, was sich aber in der Bewegung gebessert hat.“ Sie ist von der axialen SpA betroffen.

Hier berichtet Kathleen über den Weg bis zu ihrer Diagnose und wie sie Hilfe gefunden hat.

 

Axiale Spondyloarthritis - besonders junge Menschen betroffen

Junge Frau mit axialer Spondyloarthritis
Gerade jüngere Betroffene leiden oft unter Schmerzen im Lendenwirbelbereich, ohne zu wissen, dass sie axiale Spondyloarthritis haben© "Der Krankheit aufrecht begegnen"

Die ersten Symptome treten meist schon zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf. Dazu zählen Schmerzen im Bereich des unteren Rückens über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten, die typischerweise in der zweiten Nachthälfte auftreten und sich bei Bewegung bessern.

Doch Erkrankte bleiben meist lange im Unklaren, woher diese nächtlichen Schmerzen kommen.

„Bei Patienten, die an der axialen Spondyloarthritis leiden, vergehen leider immer noch 5 bis 10 Jahre zwischen dem ersten Auftreten der Symptome und einer korrekten Diagnosestellung“, sagt Prof. Joachim Sieper, Leiter der Rheumatologie am Campus Benjamin Franklin der Berliner Charité. Grund dafür ist, dass das Krankheitsbild relativ schwer von anderen Rückenschmerzen zu unterscheiden ist. Oft laufen Patienten von Arzt zu Arzt – ohne eine Linderung zu erfahren.

In dieser Zeit können die Schmerzen nicht richtig behandelt werden und die Gefahr, dass irreversible Schäden an der Wirbelsäule entstehen, steigt.

 

Großer Aufklärungsbedarf über das Krankheitsbild der axialen SpA

Initiativen-Website www.derkrankheitaufrechtbegegnen.de
© www.derkrankheitaufrechtbegegnen.de

Die Experten der Initiative „Der Krankheit aufrecht begegnen“ wollen über die axiale SpA aufklären, Ärzte und Patienten sensibilisieren und Betroffene dazu aufrufen, frühzeitig (ab einer Schmerzdauer von drei Monaten) einen Arzt aufzusuchen.

Der Bedarf für eine solche Aufklärung ist groß: Nach einer Schätzung basierend auf epidemiologischen US-Daten wird angenommen, dass circa 25 Millionen Menschen in Europa von chronisch-entzündlichen Rückenschmerzen betroffen sind(3). Erste epidemiologische Untersuchungen lassen darauf schließen, dass in Deutschland mindestens 200.000 Menschen betroffen sind (4). Ist die Ursache aber gefunden, kann aktiv in den Krankheitsprozess eingegriffen werden.

So war es auch bei Kathleen. Inzwischen ist sie in guter Behandlung. Neben der richtigen Medikation ist dabei auch Bewegung ein wichtiger Schlüssel.

3 exklusive Fragen an Kathleen

1. Kathleen, wie hast du die Diagnose aufgenommen?

Zuerst mit Freude und Erleichterung, denn ich war endlich erlöst von dieser Ohnmacht, nicht zu wissen, was mit mir los ist. Als nächstes kam dann der Gedanke: Es ist chronisch, du musst lernen, damit umzugehen. Als die Behandlung mit dem TNF-alpha-Blocker – ein Medikament, das bestimmte Entzündungssignale zielgerichtet hemmt – ihre Wirkung zeigte, war mir aber klar, dass ich mit der Erkrankung umgehen kann. Ich habe mich mittlerweile viel damit beschäftigt und gehe sehr offensiv damit um. Generell ist Aufklärungsarbeit für mich sehr wichtig, um zu zeigen, dass auch junge Menschen betroffen sein können.

2. Welche Herausforderungen bringt das Leben mit einer chronisch-entzündlichen Erkrankung mit sich?

Früher konnte ich einfach in den Tag hineinleben. Jetzt muss ich sehr auf mich achten und meinen Tag strukturieren, um Bewegung einzubauen, was gegen die Schmerzen hilft. Wenn ich zu lange oder falsch sitze, verstärkt das die Schmerzen. Ich darf zudem nicht mehr schwer heben. Das fällt mir schwer, da ich Dinge lieber selber erledige.

3. Was rätst du anderen Menschen, die schon über einen längeren Zeitraum an Rückenschmerzen leiden?

Auf alle Fälle sollten sie sich von den Ärzten nicht durch Aussagen wie „das ist psychisch – Sie haben Stress“ abspeisen lassen. Wichtig ist es, offensiv mit der Erkrankung umzugehen und immer am Ball zu bleiben. Es ist hilfreich, die Schmerzen zu dokumentieren, um dem Arzt genau sagen zu können, wann welche Schmerzen auftreten. Zudem ist es immer ratsam, einen Außenstehenden mit zum Arzt zu nehmen, der einen argumentativ unterstützen kann.

Mehr Infos zu den Behandlungsmöglichkeiten bei einer axialen SpA finden Sie hier.

Der Krankheit aufrecht begegnen

Die Initiative „Der Krankheit aufrecht begegnen“ will über die axiale SpA sowie chronisch-entzündliche Rückenschmerzen aufklären und die Zeit bis zur Diagnosestellung verkürzen. Auf der Initiativen-Website www.derkrankheitaufrechtbegegnen.de können sich Betroffene und Interessierte über die Erkrankung informieren und mit Hilfe des sogenannten „Symptom-Checks“ vor ihrem Arztbesuch testen, ob ihr Rückenschmerz entzündlich bedingt sein könnte. Außerdem finden Interessierte dort zahlreiche Informationen rund um das Thema Rückenschmerz.

Die Initiative wurde im Oktober 2013 von Experten aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien ins Leben gerufen. Sie wird in den jeweiligen Ländern von Patientenorganisationen und Verbänden unterstützt. In Deutschland engagieren sich die Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew e.V. (DVMB), der Deutsche Verband für Physiotherapie e.V. (ZVK), der Berufsverband Deutscher Rheumatologen e.V. (BDRh), der Fachverband Rheumatologische Fachassistenz e. V. sowie die Sektion orthopädische Rheumatologie im Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V.  (BVOU).


(1) Airaksinen O et al., Eur Spine J 2006;15: 192

(2) Ergebnisse einer Umfrage der Initiative „Der Krankheit aufrecht begegnen“ (n = 1.021 Erwachsene (18+) mit chronischen Rückenschmerzen in Deutschland, Zeitraum: 3.-7. November 2014, data on file)

(3) US Evidenzdaten und Bevölkerungsstatistik (Weisman et al. Ann Rheum Dis 2013; 72:369–373; Accessed on 13 September 2013 http://epp.eurostat.ec.europa.eu/tgm/printTable.do?tab=table&plugin=1&la...)

(4) Rao S, Cifaldi MA, Joshi AD, Shillington A, McGuire N, Wittig B, Rudwaleit M. Prevalence estimates of axialspondyloarthritis among patients in German rheumatology practices. Ann Rheum Dis 2013; 72 (Suppl 3): 774

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