RSV – wenn eine Erkältung gefährlich wird…

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: "Besonders gefährlich kann das RS-Virus für Kinder im ersten Lebensjahr und insbesondere für ehemalige Frühchen, Kinder mit angeborenen Herzfehlern, Immundefekten, Trisomie 21 und Muskelerkrankungen werden." © privat

Erkältungen sind meistens harmlos, aber ein bestimmter Erreger, das sogenannte Respiratorische-Synzitial-Virus (RSV) kann – besonders bei Kindern – schwere Komplikationen hervorrufen. Aber wie lässt sich das Virus frühzeitig erkennen? Wie können Sie sich und Ihre Kinder schützen? Und was muss getan werden, wenn eine RSV-Erkrankung diagnostiziert wird?

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

RSV ist ein sehr häufig vorkommendes Virus, das Husten, Schnupfen und allgemeine Erkältungssymptome hervorruft.

Laut einer Studie aus dem Jahr 2010[1] ist RSV jährlich für 33 Millionen Infektionen der unteren Atemwege bei Kindern unter fünf Jahren verantwortlich, verursacht 3,4 Millionen Krankenhausaufenthalte und zwischen 66.000-199.000 Todesfälle pro Jahr weltweit.

 

RSV bei Risikogruppen

Besonders gefährlich kann RSV für Kinder im ersten Lebensjahr und insbesondere für ehemalige Frühchen, Kinder mit angeborenen Herzfehlern, Immundefekten, Trisomie 21 und Muskelerkrankungen werden. Für alle anderen ist RSV in der Regel nicht mehr als ein lästiger Besucher insbesondere in den frühen Frühjahrsmonaten und im Winter. Die Infektion führt zu Fieber, mehr oder weniger ausgeprägtem Husten, Schnupfen und Gliederschmerzen. Da das Immunsystem keine Immunität gegen die Erreger entwickeln kann und das Virus in mehreren Formen existiert, erkranken Kinder und Erwachsene immer wieder daran, allerdings im Verlauf in deutlich schwächerer Form. Bei Erstinfektion im Säuglingsalter, besonders bei oben genannten Risikogruppen, kann es zu schweren Entzündungen der Bronchien, bis hin zur Bronchiolitis (=Entzündung auch der feinsten Lungenbläschen) kommen.

Kind mit RSV-Infektion und Fieber
RSV-Infektion bei Kindern: Die Viruserkrankung äußert sich durch Symptome wie Fieber, Husten, Schnupfen und Gliederschmerzen© Fotolia
 

RSV bei Säuglingen

Die Säuglinge atmen in dem Fall sehr schwer, die Nasenflügel bewegen sich bei der Atmung mit, das Kind hat bei der Einatmung sogenannte „Einziehungen“ zwischen und unterhalb der Rippen, möglicherweise auch oberhalb des Schlüsselbeins – das sind Hinweise auf eine Atemnot. Wenn Sie bei Ihrem Kind diese Symptome beobachten (die bei jeder schweren obstruktiven Bronchitis oder Lungenentzündung auftreten können), sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen. Speziell bei Säuglingen funktioniert die Nasenatmung noch nicht so gut. Sie werden durch Schnupfen daher weitaus mehr beeinträchtigt als ältere Patienten.

 

RSV-Diagnose

Ob es sich bei der Erkältung tatsächlich um eine Infektion mit RSV handelt, kann nur ein Bluttest oder ein Abstrich mit anschließender Laboranalyse verraten. Wichtiger als die eindeutige Bestimmung ist jedoch die Ausprägung der Symptome:

  • Atemnot, Fieber, starker Husten mit Auswurf: Bei schweren Infekten mit RSV ist in der Regel ein Krankenhausaufenthalt notwendig, je nach Schweregrad auch mit Atemunterstützung oder invasiver Beatmung und zusätzlicher Sauerstoffgabe. Oft wird auch ein Antibiotikum verabreicht werden, um die Superinfektion mit Bakterien auf der virusgeschädigten Schleimhaut zu verhindern. Desweiteren sind Inhalationen mit atemwegserweiternden Medikamenten hilfreich. Ob Kortison zur Entzündungshemmung in diesem Fall sinnvoll ist, wird inzwischen kontrovers diskutiert, aber der Wirkstoff wird immer noch häufig angewendet.
  • Leichter Schnupfen und Husten, Gliederschmerzen, kein Fieber: Wenn Ihr Kind, wie glücklicherweise in den meisten Fällen, nur leicht erkrankt, wird Ihr Kinderarzt Ihnen – je nach Symptomatik – auch Inhalationen mit bronchienerweiternden Mitteln empfehlen, dazu Nasentropfen, um die Nasenatmung zu verbessern. In der Regel ist nach einigen Tagen der Spuk vorbei.
 

Ansteckung mit RSV

Schutz vor RSV ist kaum möglich. Da das Virus über Tröpfchen- und Schmierinfektionen weitergegeben wird, ist die beste Vorbeugung die Einhaltung einfacher Hygieneregeln, beispielsweise mindestens viermal täglich sorgfältig die Hände waschen.

Für Frühgeborene, die vor der 35. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen sind, ist in vielen Fällen im ersten Lebensjahr eine Impfung mit Palivizumab empfehlenswert. Diese Prophylaxe ist auch für Kinder mit Herzfehlern zugelassen. Sie wird innerhalb der RSV-Infektsaison von Oktober/November bis März/April über fünf Monate alle vier Wochen intramuskulär gespritzt und schützt die Kinder sehr gut. Für gesunde Kinder ist die Impfung nicht notwendig – meist überstehen sie die RSV-Infektion ohne behandlungsbedürftige Beschwerden. Wenn Sie leichte Beschwerden in den Atemwegen dennoch behandeln möchten, empfiehlt sich die Verwendung pflanzlicher Heilmittel wie Umckaloabo (Apotheke).


[1] Nair H, Nokesc DJ, Gessnere BD, et al. Global burden of acute lower respiratory infections due to respiratory syncytial virus in young children: a systematic review and meta-analysis. Lancet. 2010; 375:1545–55

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