Roter Stuhlgang: Ist Blut im Stuhl gefährlich?

Michelle Kröger

Nehmen wir beim Toilettengang roten Stuhl wahr, löst das schnell Angst in uns aus: Handelt es sich um Blut im Stuhl? Bin ich krank?  Doch nicht immer steckt gleich eine ernsthafte Erkrankung hinter der roten Verfärbung. Es kann sich gleichermaßen um eine harmlose Krankheit wie etwa einen Magen-Darm-Infekt oder Hämorrhoiden handeln. Eines ist jedoch unbedingt nötig: das Aufsuchen eines Arztes. Es sei denn, Sie haben Rote Bete gegessen.

Frau steht vor der Toilette
Roter Stuhlgang muss nicht immer ein Zeichen für Blut im Stuhl sein Foto:  RyanKing999/iStock
Inhalt
  1. Roter Stuhlgang – immer ein Risiko?
  2. Was kann roten Stuhlgang auslösen?
  3. Blut im Stuhl muss nicht immer rot sein
  4. Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
  5. Was macht der Arzt bei rotem Stuhlgang?
  6. Wie wird roter Stuhlgang behandelt?

Als Experte stand uns Professor Dr. Christian Trautwein zur Seite. Er ist als Gastroenterologe und Lehrender an der Universität Aachen tätig.

 

Roter Stuhlgang – immer ein Risiko?

Sobald ein Betroffener roten Stuhlgang wahrnimmt, macht er sich Sorgen und bekommt Angst. Aber: Handelt es sich wirklich immer um Blut im Stuhl (auch: Hämatochezie)? “Nein, auch Nahrungsmittel wie Rote Bete können den Stuhlgang rot färben”, sagt Professor Dr. Christian Trautwein. Auch schwarzer Stuhlgang weist auf Blut im Stuhl hin. Doch da auch Heidelbeeren oder Lakritz unsere Ausscheidungen schwarz färben können, kann einen das unnötig Sorgen bereiten. Genauso können auch einige Medikamente zu einer Schwarzfärbung des Stuhls führen, etwa Eisen- oder Kohletabletten.

Doch hat man keinerlei Rote Bete verzehrt oder entsprechende Präparate eingenommen, so sollte man besser schnell einen Arzt aufsuchen. “Zu rotem Stuhlgang kommt es klassischerweise bei Blutungen aus dem unteren Magen-Darm-Trakt, je nach Höhe vermischt oder aufgelagert”, sagt er. “Und diese Blutungen müssen lokalisiert und behandelt werden.”

 

Was kann roten Stuhlgang auslösen?

Hinter rotem Stuhlgang verbirgt sich nicht automatisch eine Darmkrebserkrankung. In den meisten Fällen handelt es sich um vergleichsweise harmlose Auslöser – etwa um Darmpolypen, Magen-Darm-Infekte oder Hämorrhoiden. “Bei einer Blutung im oberen Teil ist der Stuhl eher schwarz durch die Oxidierung über die Magensäure. Blutig im oberen Teil ist er nur, wenn keine Säure produziert wird oder es so stark blutet, dass nicht mehr alles oxidiert werden kann”, so der Experte. Die Quelle der Blutung kann im ganzen Körper liegen – von der Speiseröhre über den Magen bis zum After.

Je nachdem, ob sie den oberen oder den mittleren und unteren Verdauungstrakt betreffen, sind bei rotem Stuhl folgende Ursachen möglich:

  • Blutende Darmpolypen
  • Hämorrhoiden
  • Magen-Darm-Infekte
  • Magen-Darm-Geschwür
  • Chronisches Sodbrennen
  • Chronisch entzündlicher Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
  • Krampfadern der Speiseröhre (Ösophagusvarizen)
  • Akuter Verschluss eines Darmgefäßes (Mesenterialinfarkt)
  • Schäden der Schleimhaut durch spezielle Medikamente (z.B. ASS)
  • Riss der Schleimhaut im Afterbereich (Fissur)
  • Ausstülpungen der Darmwand (Divertikulose)
  • Magen-Darm-Blutungen durch Alkoholismus
  • Tumore (z.B. Magenkrebs, Darmkrebs)

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Blut im Stuhl muss nicht immer rot sein

Handelt es sich um Blut im Stuhl, ist das meistens ein Zeichen dafür, dass an einer Stelle im Verdauungstrakt Blut austritt. Dieses Blut vermischt sich dann mit dem Stuhl. Wichtig zu wissen sei allerdings: “Blut muss nicht immer hell- oder dunkelrot sein, sondern kann auch eine schwarze Farbe haben.” Außerdem hängt die Farbe des Stuhls immer auch davon ab, wie stark es blutet und ob sich das Blut mit Magensäure oder Bakterien vermengt hat.

Schwarzer Stuhlgang ist meistens ein Indiz für eine Blutung im oberen Magen-Darm-Trakt. “Die Schwarzfärbung entsteht, wenn das Blut mit Magensäure in Kontakt kommt, dann wird es oxidiert”, sagt der Experte. In einem solchen Fall handele es sich um eine Blutung oberhalb des proximalen Duodenums. “Und zwar, weil der niedrige pH-Wert des Magens durch das Galle- und Bauchspeicheldrüsensekret neutralisiert wird. Weitere distal liegende Blutungen führen jedoch zu keiner Schwarzfärbung des Stuhls mehr”, erklärt Trautwein.

Eine hellrote bis dunkelrote Färbung des Stuhls (Hämatochezie) hängt dagegen oftmals mit einer Blutung im mittleren oder unteren Teil des Magen-Darm-Trakts zusammen. Das Blut wurde sodann weder von Magensäure noch von Bakterien zersetzt und verfärbt. Dieses Blut gilt als relativ frisch und ist dem Stuhl beigemischt oder aufgelagert. Nimmt man beispielsweise hellrote Streifen im Stuhl wahr, könnte dies auf eine frische Blutung im Enddarm hinweisen – etwa ausgelöst von Hämorrhoiden. Ist der Stuhl jedoch gleichmäßig dunkelrot gefärbt, so kann auch eine Blutung im Dickdarm dafür verantwortlich sein.

 

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Je nach Ursache kann roter Stuhlgang bzw. Blut im Stuhl auch mit anderen Symptomen zusammen auftreten. Infekte lösen etwa Übelkeit, Magen- und Bauchschmerzen aus, Hämorrhoiden können schmerzen, genauso wie Fissuren. Meistens sind die Ursachen zwar harmlos, doch in einem ernsthaften Fall eines Tumors kann dieser auch zur Verstopfung (Obstipation) führen.

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Allerdings gilt: Besser nicht erst auf mögliche Begleitsymptome warten, sondern besser sofort einen Arzt aufsuchen. Dieser kann die Ursache abklären und die Quelle der Blutung lokalisieren. Besonders bei den folgenden Symptomen:

  • Schmerzen beim Stuhlgang
  • Magenschmerzen
  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen (eventuell mit Blut im Erbrochenen)
  • Starker und schneller Gewichtsverlust
  • Ständige Müdigkeit
  • Nachtschweiß
 

Was macht der Arzt bei rotem Stuhlgang?

Zunächst versucht der Arzt herauszufinden, welche Ursache das Blut im Stuhl haben könnte. Er nimmt also zunächst die Krankengeschichte des Patienten auf (Anamnese). Mögliche Fragestellungen, denen nachgegangen wird: Wurde in der Vergangenheit bereits einmal Blut im Stuhl diagnostiziert? Gibt es Erkrankungen (z.B. Morbus Crohn, Magengeschwür oder Hämorrhoiden)? Konsumiert der Patient regelmäßig Alkohol?

Nach dem Gespräch kommt es zur körperlichen Untersuchung, etwa einer Stuhl- und Blutprobe oder einer Magen- oder Darmspiegelung. Diese dient zur genauen Ortung der Blutungsquelle. Doch auch andere Untersuchungsmethoden können Verwendung finden, etwa eine Doppelballon-Enteroskopie (DBE), eine Rektoskopie, eine Videokapselendoskopie oder eine Ultraschalluntersuchung.

 

Wie wird roter Stuhlgang behandelt?

Die Ziele der Behandlung: das Stoppen der Blutung, das Verhindern weiterer Blutungen sowie die Bekämpfung der jeweiligen Ursache. Die Behandlung richtet sich nach der individuellen Ursache der Blutung. “Eine akute Blutung kann durch verschiedene endoskopische Verfahren gestoppt werden, etwa durch Veröden, Gummibandligatur oder Adrenalin-Injektion”, sagt Trautwein.

Liegt ein hoher Blutverlust vor, so werden unter Umständen auch Bluttransfusionen hinzugezogen. Auch Blutersatzmittel können dazu dienen, das Volumen im Blutkreislauf wieder aufzufüllen.

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