Rotaviren: Was ist das und was hilft dagegen?

Dr. med. Nadine Heß

Rotaviren sind nicht nur hoch ansteckend, sie sind auch eine der häufigsten Ursachen für Magen-Darm-Erkrankungen bei Kleinkindern. Kinderärztin Dr. Nadine Hess erklärt, warum die Viren so gefährlich sind und was hilft.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Kinderärztin Dr. Nadine Hess: „Rotaviren können gerade für Säuglinge und Kleinkinder gefährlich sein. Die Ständige Impfkommission empfiehlt daher eine rechtzeitige Impfung.“ © Privat
 

Das sagt Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Eine Ansteckung mit Rotaviren ist vor allem unangenehm: Die Viren lösen plötzlichen, wässrig- bis schleimigen Durchfall aus und können auch für Erbrechen, Fieber und Bauchschmerzen sorgen. Gerade bei Säuglingen und Kleinkindern bis zu zwei Jahren sind schwere Verläufe der Krankheit nicht selten. Durch den anhaltenden Durchfall und das Erbrechen verlieren die kleinen Patienten viel Salz und Flüssigkeit. Wird dieser Verlust nicht ausgeglichen, kann die Krankheit schlimmstenfalls lebensbedrohlich werden.

 

Rotaviren: Was hilft dagegen?

Bei einer Infektion mit Rotaviren könne nur die Beschwerden behandelt werden. Besonders bei Säuglingen und Kleinkindern fällt der Salz- und Flüssigkeitsverlust oft so gravierend aus, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen, vor allem, wenn der Verlust nicht rechtzeitig ausgeglichen wird. Wenn Sie Ihr Kind zuhause versorgen, können sogenannte Elektrolyt-Ersatzlösungen aus der Apotheke gegen den Salzverlust helfen. Wie bei jeder Durchfall-Erkrankung sollten Patienten gegen den Flüssigkeitsverlust viel trinken, am besten eignet sich Wasser, aber auch mit Traubenzucker leicht gesüßter Kräutertee. Mehrere kleine, leicht verdauliche Mahlzeiten wie beispielsweise Möhrensuppe werden meist besser vertragen als eine große.

Medikamente gegen den Durchfall sind nicht empfehlenswert – schlimmstenfalls können sie die Erkrankung sogar noch verlängern. Denn die Viren werden mit dem Stuhl ausgeschieden und gelangen so aus dem Körper. Nach zwei bis sechs Tagen ist die Krankheit dann in der Regel überstanden. Allerdings sind Rotaviren noch bis zu acht Tage nach Abklingen der Symptome im Stuhl nachweisbar, weshalb man sich in dieser Zeit immer noch anstecken kann.

Rotaviren
Zu den typischen Symptomen von Rotaviren zählen Durchfall, Erbrechen und Fieber© Fotolia
 

Rotaviren: Wie schütze ich mich vor der Krankheit?

Rotaviren werden meist durch eine Schmierinfektion von Mensch zu Mensch übertragen: Schon durch kleinste Stuhlspuren an den Händen gelangen die Erreger in den Mund und dann in den Verdauungstrakt. Die Viren überleben aber auch an Toiletten, Griffen, Armaturen und Ähnlichem für mehrere Tage. Wenn Ihr Kind krank ist, hilft eine gute Hygiene, um eine Ansteckung zu vermeiden. Reinigen Sie die Sanitäranlagen täglich und waschen Sie sich selbst mehrmals am Tag unter fließendem Wasser und mit Flüssigseife die Hände. Patienten sollten Textilien wie Handtücher mit niemandem teilen. Die benutzten Textilien des kleinen Patienten waschen Sie am besten alle zwei Tage bei 60 Grad.

 

Rotaviren: Impfung hilft

Rotaviren kommen sehr häufig vor – fast alle Kinder bis zum fünften Lebensjahr erkranken einmal daran. Um eine Ansteckung mit Rotaviren zu vermeiden, hilft eine Impfung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Schluckimpfung für Säuglinge, die ab der vollendeten sechsten Lebenswoche bis spätestens zu zwölften Lebenswoche erfolgen sollte. Je nach Impfstoff müssen zwei bis drei Impfdosen verabreicht werden, zwischen denen mindestens ein Abstand von vier Wochen liegen sollte. Damit ist die Impfung bestenfalls bis zur 16. oder der 22. Lebenswoche abgeschlossen.

Rotaviren
Die STIKO empfiehlt eine Impfung gegen Rotaviren bei Säuglingen© iStock

In sehr seltenen Fällen kann es nach der Impfung zu einer sogenannten Invagination kommen. Dabei stülpt sich ein Darmabschnitt in einen anderen. Pro 100.000 geimpften Kindern tritt das Phänomen nur etwa bei einem oder zwei Kindern auf. Eltern sollten dennoch nach der Rotaviren-Impfung auf typische Krankheitszeichen der Darmeinstülpung achten. Dazu zählen zum Beispiel Erbrechen, blutiger Stuhl, Bauchschmerzen und schrilles Schreien, wobei das Baby die Beine anzieht. Suchen Sie in diesen Fällen ein Krankenhaus auf, denn eine Invagination kann sich schlimmstenfalls zu einem Darmverschluss entwickeln, der schnellstens operiert werden muss. Im Frühstadium lässt sich eine Invagination dagegen oft ohne Operation lösen.

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