Rohkost-Diät: Macht sie wirklich schlank?

Alexander Scherb

Kalorien zählen, Verzicht auf bestimmte Lebensmittel und kleinere Portionen gehören zu fast jeder Diät. Die Rohkost-Diät verspricht schlemmen ohne Grenzen und ohne lästiges Kalorienzählen. Nur roh müssen die Lebensmittel sein. Kann man mit der Rohkost-Diät wirklich abnehmen? Und vor allem: Ist sie gesund?

Rohkost-Gerichte
Die Rohkost-Diät eignet sich zum schnellen Abnehmen – aber nicht als dauerhafte Ernährungsform Foto:  iStock/stockstudioX
Inhalt
  1. Was ist die Rohkost-Ernährung?
  2. Ist die Rohkost-Diät einfach umzusetzen?
  3. Nimmt man mit der Rohkost-Diät ab?
  4. Die Vorteile einer Rohkost-Diät
  5. Die Nachteile der Rohkost-Ernährung
  6. Mangelernährung durch Rohkost-Diät
 

Was ist die Rohkost-Ernährung?

Die Rohkost-Ernährung umfasst alles, was nicht in irgendeiner Weise verarbeitet wurde, also sämtliches Obst und Gemüse in roher Form sowie unverarbeitete Nüsse. Auch Fleisch (etwa Mett, Tartar und Carpaccio) und Fisch darf verzehrt werden, so lange beides roh ist. Brot, Milch (wird pasteurisiert), Nudeln, Reis, Müsli und Süßigkeiten sind tabu.

 

Ist die Rohkost-Diät einfach umzusetzen?

Da man nicht kocht, brät oder sonst irgendwie etwas verarbeitet, ist das Ernährungsprinzip der Rohkost-Diät sehr einfach: das Gemüse oder Obst waschen, bei Bedarf schälen und verzehren.

 

Nimmt man mit der Rohkost-Diät ab?

Die Rohkost-Diät ist sehr effektiv: Wird sie konsequent durchgehalten, purzeln schon bald die Pfunde.

 

Die Vorteile einer Rohkost-Diät

Die Vorteile liegen auf der Hand. Mit der Rohkost-Diät nimmt man schnell und viel ab – und dabei sind keine Einschränkungen bei Anzahl der Mahlzeiten und Größe der Portionen notwendig. Rohkost fördert zudem gutes Kauen und ein gemächliches Esstempo. Dadurch beginnt die Verdauung schon im Mund und der Magen braucht weniger Energie zur Verarbeitung.

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Die Nachteile der Rohkost-Ernährung

Die Rohkost-Ernährung hat auch Nachteile: Zum einen erfordert sie einen immensen Willen, denn auch wenn man faktisch gesehen eine riesige Bandbreite an Lebensmitteln zur Verfügung hat, kann schon bald das Verlangen nach Gebratenem und Gekochtem wachsen.
Dieses Verlangen hat seine Ursache: Im Laufe der Evolution hat sich der menschliche Körper an gegarte Speisen gewöhnt. Viele Forscher gehen sogar davon aus, dass unser Gehirn nur die heutige Größe und Effektivität erreichen konnte, weil wir anfingen, Speisen zu erhitzen. Denn bei gebratenen oder gekochten Lebensmitteln steigt der Kohlenhydrat-Anteil, was für den Körper in erster Linie Energie bedeutet. Energie, mit der das Gehirn versorgt werden kann. 

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Mangelernährung durch Rohkost-Diät

Zum anderen kann die Rohkost-Diät zu einem Nährstoffmangel führen. In der sogenannten Gießener Rohkoststudie begleiteten Forscher von 1996 bis 1998 über 700 Rohkostler, also Personen, die ihren Ernährungsstil komplett auf Rohkost umgestellt hatten. Die Studie ergab: 57 Prozent der Teilnehmer hatten Untergewicht. Im Schnitt hatten diese Personen fast 10 Kilogramm Körpergewicht verloren, unabhängig vom Anfangsgewicht. Zudem hatten viele Personen einen erheblichen Mangel an Calcium, Zink und Iod. Rund ein Drittel der weiblichen Teilnehmer unter 45 Jahren hatten keine Menstruation mehr. Eine Rohkost-Diät ist also nur über einen kurzen Zeitraum empfehlenswert. Von einer dauerhaften Umstellung auf die Rohkost-Diät ist dringend abzuraten.

Quelle:
Strassner, C. (1998): Die Giessener Rohkost-Studie: Ernährungs-und Gesundheitsstatus von Rohköstlern unter besonderer Berücksichtigung von Protein und Energie. In: Heidelberg, Verlag für Medizin und Gesundheit.

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