Röteln-Impfung – warum sie so wichtig ist

Kinderärztin Dr. Nadine Hess rät zur Röteln-Impfung
Expertin Dr. Hess: „Am wirksamsten vor der Rötelnembryopathie schützen können wir, indem wir unsere Kinder zwei Mal impfen lassen – einmal im zwölften Lebensmonat und ein zweites Mal vor dem Ende des zweiten Lebensjahres“ © privat

Immer wieder wird darauf aufmerksam gemacht, dass eine Impfung gegen Röteln so wichtig ist. Aber warum eigentlich? Schließlich ist die Erkrankung an sich doch nicht so schlimm – oder? Was ist das für ein Erreger und wie wird er übertragen? Was sind die Symptome und wer ist besonders gefährdet?

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Die Rötelnerkrankung wird durch ein RNA-Virus aus der Gruppe der Togaviridae ausgelöst. Der einzige Wirt für dieses Virus ist der Mensch, die Übertragung geschieht als klassische Tröpfcheninfektion. Da das Virus sehr ansteckend ist, erfolgen in einer nicht geimpften Population bis zu 80 Prozent aller Infektionen bereits im Kindesalter.

Die Erkrankung selbst ist in vielen Fällen harmlos: Bis zu 50 Prozent der infizierten Kinder bleiben völlig ohne Symptome – was das Ganze noch gefährlicher macht, da sie hochansteckend sind, ohne dass es bemerkt wird.

 

Röteln-Impfung: Vor welchen Symptomen und Komplikationen schützt sie?

Röteln-Impfung aller Kinder schützt Schwangere und Ungeborene
Kommen Schwangere mit Röteln in Kontakt, kann das schwere Schäden wie Blindheit, Taubheit und Herzfehler fürs ungeborene Kind zur Folge haben. Davor schützt nur eine flächendeckende Röteln-Impfung© Shutterstock

Der klassische Rötelnausschlag, den aber wie gesagt nicht jeder bekommt, ist kleinfleckig und breitet sich - beginnend hinter den Ohren - vom Kopf aus innerhalb von ein bis drei Tagen über den ganzen Körper aus. Hinzu können noch Kopfschmerzen, subfebrile Temperaturen (unter 38,5° Celsius), Schwellungen der Lymphknoten, Bindehautentzündung und Husten kommen.

Komplikationen wie Entzündungen der Ohren, Bronchien, des Herzens oder des Gehirns treten nur sehr selten auf und wenn, dann vor allem bei älteren Patienten. Wenn also die Infektion vor allem im Kindesalter auftritt und nur selten zu Komplikationen führt, warum ist dann die Impfung so wichtig?

 

Darum ist die Röteln-Impfung so wichtig

Eine Infektion mit Röteln kann für Frauen in der Schwangerschaft schwerste Schäden für das ungeborene Kind bedeuten: Ohne Röteln-Impfung der Mutter hat eine Ansteckung innerhalb der ersten acht Schwangerschaftswochen bis zu 90 Prozent der Fälle dramatische Auswirkungen auf das Baby. Eine Infektion in der vierten Schwangerschaftswoche führt mit einer Wahrscheinlichkeit von beinahe 100 Prozent zum Vollbild der Rötelnembryopathie: gekennzeichnet durch die Trias Katarakt (Trübung der Augenlinse), Innenohrtaubheit und Herzfehler (offener Ductus arteriosus botalli).

Andere Symptome des Kindes können eine Entzündung des Gehirns und/oder des Herzens, Vergrößerung von Leber und Milz (Hepatosplenomegalie), mangelndes Geburtsgewicht und eine thrombozytopenische Purpura (Hauteinblutungen aufgrund von zu wenig Blutplättchen, die wegen ihrer Farbe auch „blueberrymuffin spots“ genannt werden) sein. Bis zu 20 Prozent aller im Mutterleib infizierten Kinder sterben an der Erkrankung.

 

So schützt die Röteln-Impfung

Die Infektion kann durch eine Röteln-Impfung verhindert werden – seit 1974 ist die Impfung in Deutschland verfügbar, seit den achtziger Jahren wird die Röteln-Impfung zusammen mit der Masern- und Mumpsimpfung verabreicht. Trotz der Impfung sind in Deutschland immer noch zwischen 0,8 und drei Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter nicht vor der Erkrankung geschützt und somit infektionsgefährdet.

Aus diesem Grunde ist eine Titerbestimmung in der Schwangerschaft wichtig, um das Risiko für die Schwangere einschätzen zu können. Dies wird bei allen schwangeren Frauen in Deutschland als Routineuntersuchung durchgeführt. Am wirksamsten vor der Rötelnembryopathie schützen können wir, indem wir unsere Kinder zwei Mal impfen lassen – einmal im zwölften Lebensmonat und ein zweites Mal vor dem Ende des zweiten Lebensjahres. Denn hat sich eine Schwangere mit Röteln angesteckt, ist keine Behandlung möglich – es existiert kein Medikament, was das Ungeborene vor potentiellen Schäden schützt.

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