Roemheld-Syndrom: Symptome und Ursachen

Redaktion PraxisVITA

Vom sogenannten Roemheld-Syndrom ist die Rede, wenn starke Blähungen Herzschmerzen auslösen, die denen eines Herzinfarkts gleichen. Was es mit dem Roemheld-Syndrom auf sich hat.

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Roemheld-Syndrom – noch nie davon gehört? Kein Wunder, denn bisher ist das Syndrom nicht sehr bekannt, obwohl mittlerweile mehrere zehntausend in Menschen in Deutschland davon betroffen sind.

Wer zu viel blähende Lebensmittel zu sich nimmt und die Mahlzeiten üppig ausfallen lässt, kann das Roemheld-Syndrom bekommen: Blähungen, die ein beklemmendes Gefühl in der Brust auslösen. Doch keine Sorge: Die Symptome sind ungefährlich und lassen sich mit der richtigen Ernährung gut behandeln.

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Roemheld-Syndrom: Symptome

Wenn sich im Dickdarm zu viele Gase bilden, kann das Zwerchfell aufs Herz drücken. Die Symptome (meist nach einem Essen) sind so ähnlich wie bei einem Herzinfarkt:

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Roemheld-Syndrom: Ursachen

Der Magen ist prall gefüllt, wenn zum Beispiel zu viel geschluckte Luft oder auch Kohlensäure (zum Beispiel in Mineralwasser) den Bauch aufbläht. Wenn die Bakterien im Dickdarm auch noch zu viel Gas produzieren, wird der Druck auf das Zwerchfell zu stark und das Roemheld-Syndrom entsteht: Der Atemmuskel gibt nach und hebt das Herz an. Durch den Druck verkrampfen sich die Herzkranzgefäße, das Herz wird plötzlich schlechter durchblutet.

Wichtig: Wer solche Beschwerden hat, sollte diese dringend ärztlich abklären lassen. Denn die Ursache kann auch Angina pectoris (chronisch verengte Herzkranzgefäße) oder ein Infarkt sein. Bei starken Beschwerden sollte daher vorsichtshalber den Notarzt unter 112 gerufen werden.

 

Wie wird das Roemheld-Syndrom diagnostiziert?

Starke Brustschmerzen, akute Angstzustände, Atemnot oder Herzrhythmusstörungen: Zunächst lassen die Symptome auf eine Erkrankung am Herzen schließen. Doch die kardiologische Untersuchung fällt negativ aus, wenn die Ursache eigentlich ganz woanders liegt: im Darm.  

Aufgrund der unklaren Symptomatik dauert es oft lange, bis Mediziner:innen die wahre Ursache der Herzschmerzen finden. Deshalb verläuft die Diagnosestellung des Roemheld-Syndroms über eine Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, dass zunächst andere Krankheiten, vor allem organische Herzerkrankungen, nach und nach ausgeschlossen werden.

Im Anamnese-Gespräch klärt die Ärztin zunächst die Krankengeschichte des Betroffenen: Wie sind die Lebensgewohnheiten? Wie ist die Ernährung? Gibt es Vorerkrankungen? Welche Medikamente werden eingenommen? Darauf folgen Fragen zu den aktuellen Beschwerden.

Nach dem Vorgespräch folgt die körperliche Untersuchung des Herzens, der Lunge und des Magen-Darm-Bereichs. In der Magen-Darm-Region tastet und hört der Arzt die Organe ab, um Blähungen ausfindig zu machen. Eine Sonografie (Ultraschall) kann abklären, in welchen Bereichen die Blähung genau ist und ob ein Zwerchfellhochstand zu erkennen ist.

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Roemheld-Syndrom: Hausmittel und Tipps

Da die Symptome beim Roemheld-Syndrom sehr unangenehm sind, wollen Betroffene diese möglichst schnell wieder loswerden. Eine Möglichkeit ist es abzuwarten, bis die Blähungen und die damit verbundenen Herzschmerzen von alleine wieder weggehen.

Wenn der Darm jedoch nicht so richtig in Schwung kommt und träge ist, sind diese Maßnahmen nützlich:

  • Spaziergang
  • Bauchmassage
  • Tee mit Anis, Fenchel, Kümmel oder Pfefferminze

Darüber hinaus gibt es weitere bewährte Hausmittel, die gegen Blähungen Linderung verschaffen, z.B Apfelessig oder Ingwer.

Natürlich können die Blähungen auch medikamentös behandelt werden – das wäre die schnellste Methode. In der Apotheke gibt es Präparate mit den Wirksoffen Simeticon oder Dimeticon, die bei Blähungen helfen.

Roemheld-Syndrom: Atemübung für das Zwerchfell

Um beim Atmen weniger Schmerzen zu spüren, können Sie Ihr Zwerchfell durch Atemübungen dehnen und lockern. Zum Beispiel mithilfe der natürlichen Bauchatmung, die in der Übung verstärkt durchgeführt wird: Hand auf den Bauch legen tief und lange einatmen, der Bauch wölbt sich nach vorne. Danach bewusst ausatmen, bis es nicht mehr weitergeht. Der Bauchnabel zieht nach innen.

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Roemheld-Syndrom: Mit der richtigen Ernährung vorbeugen

Um dem Roemheld-Syndrom vorzubeugen, sollten Sie blähende Lebensmittel und Getränke mit viel Kohlensäure vermeiden, wie zum Beispiel:

  • Hülsenfrüchte
  • Kohl
  • Gemüsesorten wie zum Beispiel Zwiebeln
  • Nüsse
  • Fruchtsorten wie zum Beispiel Pflaumen
  • Stärke, zum Beispiel in Kartoffeln
  • Tiefkühlkost
  • künstliche Süßstoffe, zum Beispiel in Diätprodukten
  • Kohlensäure, zum Beispiel in Softdrinks
  • Lactose, zum Beispiel in Milch

Tipp: Gemüse kurz dünsten, dann können die Verdauungsenzyme das Gemüse besser zerlegen.

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Kümmel: Der EXTRA-Tipp!

Die ätherischen Öle des Gewürzes lindern Völlegefühl und Blähungen. Für einen Kümmeltee zwei Teelöffel Samen zerstoßen und mit 250 Milliliter kochendem Wasser übergießen. Zehn Minuten ziehen lassen, dann abseihen und bis zu viermal täglich eine Tasse des Suds trinken.

Sehr gut hilft auch Tee aus grob gestoßenen Anis-, Fenchel- und Kümmelkörnern (Mischung zu gleichen Teilen, Apotheke).

Neue Studien zeigen, dass auch Probiotika wirksam sind – das sind Lebensmittel (z. B. Joghurt) mit der Bakterienart Lactobacillus, die schädliche Keime im Darm verdrängt. Eine ähnliche Wirkung hat eine dreiwöchige Kur mit Bio-Apfelessig: Dreimal täglich 1 TL Essig mit einem halben Glas Wasser auf nüchternen Magen trinken.

Immer wichtig: Gründlich kauen und fünf bis sechs kleine Mahlzeiten über den Tag verteilen.

 

Roemheld-Syndrom: Das rät der Heilpraktiker

Günther Heepen ist Heilpraktiker und Dozent für Naturheilverfahren in Bamberg. Er rät: Schnelle Hilfe bringen die Schüßler-Salze Nr. 9 Natrium phosphoricum D6 und Nr. 11 Silicea D3. Geben Sie je fünf Tabletten in eine Tasse mit heißem Wasser und trinken Sie die Lösung schluckweise. Hilfreich beim Roemheld-Syndrom sind auch drei Tabletten Natron (z. B. „Kaiser Natron"), die Sie in einer Tasse warmem Wasser aufgelöst trinken.

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