Spahn und Wieler: „Situation noch lange nicht unter Kontrolle“

Daphne Sekertzi

Warum werden die Corona-Maßnahmen nicht gelockert, obwohl die Infektionszahlen seit Wochen zurückgehen? Diese und weitere Fragen zur aktuellen Corona-Lage standen auf der heutigen Bundespressekonferenz im Fokus. Zudem erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, die Impfpriorisierung entscheidend zu verändern!

Inhalt
  1. Bereits drei Millionen Menschen gegen Corona geimpft
  2. Impfangebot für Jüngere bereits Ende Februar
  3. Spahn und Wieler: Lockerungen würden zu früh kommen
  4. Coronavirus-Mutationen breiten sich in Deutschland aus

Auf der jeden Freitag stattfindenden Bundespressekonferenz informierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zusammen mit Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, und dem Präsidenten des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, zur aktuellen Corona Lage. Dabei stand neben den Impfungen vor allem die Frage im Vordergrund, warum trotz sinkender Zahlen das Ende des Lockdowns entgegen den Erwartungen unwahrscheinlich ist.

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Bereits drei Millionen Menschen gegen Corona geimpft

Wie jeden Freitag eröffnet Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage und findet dabei hoffnungsvolle Worte: „Wir haben jetzt die Mittel, das Virus zu besiegen“, sagte Spahn im Hinblick auf die drei zugelassenen Impfstoffe von Biontech, Moderna und Astrazeneca. Rund drei Millionen Menschen hätten in Deutschland bisher die erste Impfung erhalten, darunter mehr als 236.000 Bewohner von Pflegeeinrichtungen. Bis zum Ende des ersten Quartals sollen alle Personen der Priorisierungsgruppe 1 geimpft werden. Zweifel an der Wirksamkeit und Sicherheit des Astrazeneca-Impfstoffs möchte Spahn nicht gelten lassen: „Wenn ein Impfstoff zugelassen ist, wirkt er auch“.

 

Impfangebot für Jüngere bereits Ende Februar

Auch der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts war sichtlich bemüht, Vorbehalte gegen das Vakzin auszuräumen und einer fehlenden Impfbereitschaft der Menschen entgegenzutreten. Der erst letzten Freitag zugelassene Impfstoff von Astrazeneca sei „sicher und zum Schutz geeignet“. Die in der klinischen Studie festgestellte Wirksamkeit von rund 60 Prozent bei den 18- bis 64-Jährigen sei „hervorragend“. Zum Vergleich zog Cichutek Grippe-Impfungen heran, die ebenfalls zu 60 bis 80 Prozent wirken würden. Daher solle jeder den Schutz durch die Impfung „zum Wohle der Gesellschaft“ in Anspruch nehmen.

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Für Jüngere wird das Impfangebot deutlich früher kommen als erwartet. Bereits ab Ende Februar sollen 18- bis 64-Jährige mit dem Astrazeneca-Vakzin geimpft werden. Die geänderte Impfverordnung werde Spahn am Montag unterzeichnen. Die Priorisierungsgruppen bleiben jedoch auch weiterhin bestehen.

 

Spahn und Wieler: Lockerungen würden zu früh kommen

Neben den Erfolgen bei den Impfungen würden auch die aktuellen Zahlen positiv stimmen. Bundesweit gehen die Infektionszahlen zurück, seit Langem gibt es weniger als 200.000 aktive Fälle. Nach Lockerungen gefragt, räumt Spahn zwar ein, dass die jetzige Lage für alle eine „Zumutung“ sei und dass man „aus dem Stillstand finden“ müsse. Zudem würden die Bundesländer an konkreten Konzepten zum Ausstieg aus dem Lockdown arbeiten.

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Jedoch warnt Spahn zugleich davor, „das mühsam Erreichte leichtsinnig zu verspielen“. In anderen europäischen Ländern habe man gesehen, „wie schnell die Zahlen nach Öffnungen wieder nach oben schnellen.“ RKI-Chef Lothar Wieler wird noch deutlicher: „Die Situation ist noch lange nicht unter Kontrolle“. Den sinkenden Fallzahlen würden weiterhin viele Todesfälle, Ausbrüche in Pflegeheimen und eine starke Auslastung der Krankenhäuser gegenüberstehen.

 

Coronavirus-Mutationen breiten sich in Deutschland aus

Ein weiterer wesentlicher Grund dafür, dass trotz sinkender Zahlen nicht von einer positiven Entwicklung die Rede sein kann, sind die Virus-Varianten aus Südafrika, Brasilien – und allen voran aus Großbritannien. Unter den drei Mutanten sei B1.1.7 besonders „besorgniserregend“. Der Grund dafür ist die deutlich höhere Ansteckungsgefahr. Daten aus Großbritannien hätten ergeben, dass der R-Wert im Vergleich zur ursprünglichen Virus-Variante um 0,5 höher liegt – eine „riesige Zahl“, so Lothar Wieler. Der R-Wert gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt.

Das Coronavirus sei „noch nicht müde, es hat wieder einen Boost bekommen“, erklärt der RKI-Chef. Warnendes Beispiel sei die derzeit ernste Lage in Portugal, wo der Anteil der Virus-Mutation an der Gesamtzahl der Infektionen bei 60 Prozent liege. Daher müsse dafür Sorge getragen werden, dass eine weitere Ausbreitung des Virus und ein exponentielles Wachstum verhindert werde.

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Inzwischen konnte B.1.1.7 in 13 Bundesländern nachgewiesen werden, der Anteil an den Gesamt-Infektionen macht derzeit 6 Prozent aus. Das hätten Auswertungen von Genom-Sequenzierungen gezeigt, die in den letzten Wochen massiv ausgebaut worden seien und die nun in einem Abstand von zwei Wochen erfolgen würden, um die Verbreitung der Mutanten in Deutschland zu überwachen.

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