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RKI-Chef: Unkontrollierte Corona-Ausbreitung möglich

Daphne Sekertzi

Nachdem die Neuinfektionen in Deutschland mit über 11.000 Fällen einen Rekordwert erreicht haben, gab der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, heute eine Pressekonferenz. Dabei machte er eine besorgniserregende Zukunftsprognose: Es ist möglich, dass sich das Coronavirus in Deutschland unkontrolliert ausbreiten wird. 

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Inhalt
  1. RKI-Präsident hält unkontrollierte Corona-Ausbreitung für möglich
  2. Anstieg der Fallzahlen erschweren Kontaktnachverfolung
  3. Mehr intensivmedizinische Corona-Behandlungen
  4. Private Feiern als größte Infektionsherde
 

RKI-Präsident hält unkontrollierte Corona-Ausbreitung für möglich

Das Coronavirus könnte sich bald in Deutschland unkontrolliert ausbreiten – das hält der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Dr. Lothar Wieler, für möglich. Nicht ohne Grund: Der rasante Anstieg der Corona-Fälle nimmt in Deutschland kein Ende. Rund ein Drittel aller Landkreise verzeichnen mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen. 30 Landkreise erreichen sogar einen Wert von über 100. Der heutige Rekordwert von 11.287 Fällen markiert den bisherigen Höhepunkt des seit Wochen erstarkenden Infektionsgeschehens. 

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Anstieg der Fallzahlen erschweren Kontaktnachverfolung

Auf der Pressekonferenz informierte der RKI-Präsident über die derzeitige Corona-Lage und zeigte sich dabei besorgt – man könne ein „sehr dynamisches Geschehen“ beobachten. Um den Ernst der Lage deutlich zu machen, stellte er die aktuelle Entwicklung dem Infektionsgeschehen im Frühjahr und Sommer gegenüber. So habe die 7-Tage-Inzidenz für das Bundesgebiet im Juni noch bei 3 gelegen, vor zwei Wochen bei etwa 20, Stand heute (22.10): 56,2. 

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In diesem Zusammenhang wies Wieler darauf hin, dass bereits jetzt einige Gesundheitsämter die Kontaktnachverfolgung nicht mehr leisten könnten. Zustände wie in Schweden oder Großbritannien, wo im Frühjahr aufgrund der extrem hohen Fallzahlen die Kontaktnachverfolgung zeitweise aufgegeben wurde, müssten verhindert werden. 

 

Mehr intensivmedizinische Corona-Behandlungen

Eine weitere Negativentwicklung verzeichnet der RKI-Chef bei der Zahl der behandlungsbedürftigen Corona-Patienten. Weil sich mehr junge Menschen infizieren, habe man es zwar im Vergleich zum Frühjahr mit mehr leichten Erkrankungen zu tun. Allerdings sei gleichzeitig die Zahl derer angestiegen, die aufgrund einer Corona-Infektion intensiv-medizinisch behandelt werden müssten. Derzeit seien es 943 Menschen und damit doppelt so viele wie noch vor zwei Wochen

 

Private Feiern als größte Infektionsherde

Auch was die Infektionsherde angeht, unterscheidet sich das aktuelle Pandemie-Geschehen von dem im Frühjahr. Infektionen würden nun zum Großteil im privaten Umfeld stattfinden, während zuvor vor allem Pflege- und Altenheime sowie große Betriebe betroffen gewesen seien, so Wieler. Auf Feiern und privaten Zusammenkünften würden sich junge Menschen anstecken, die dann das Virus mit nach Hause zu ihren Familien tragen würden.

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Der RKI-Chef empfiehlt, dass die Politik „mehr Energie auf das private Umfeld aufwenden“ soll. Damit dürften strengere Kontaktbeschränkungen und weitere Einschränkungen für private Feiern gemeint sein. „Noch haben wir die Chance, die Verbreitung des Virus zumindest einzudämmen“, betont der RKI-Chef. Das einzige, was man dafür tun müsse, sei die Befolgung der AHA-L-Regel: Abstand, Hygiene, Alltagsmaske und – neu hinzugekommen – konsequentes Lüften in geschlossenen Räumen.

Ob die Regeln breitflächig eingehalten werden, wird schließlich darüber entscheiden, ob sich das Coronavirus in Deutschland tatsächlich bald unkontrolliert ausbreiten wird oder ob dies doch noch verhindert werden kann.

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