Rituale für Kinder: Warum sind sie sinnvoll?

Julia Klinkusch Medizin- und Wissenschaftsjournalistin

Kinder brauchen Rituale, also wiederkehrende Regeln und einen festen Ablauf im Alltag. Das vermittelt ihnen Verlässlichkeit und Geborgenheit. Eltern sollten schon früh, auf klare Rituale in bestimmten Situationen achten.

Rituale sind für Kinder ein Zeichen von Geborgenheit
Rituale sind für Kinder ein Zeichen von Geborgenheit
Inhalt
  1. Was sind Rituale für Kinder?
  2. Warum brauchen Kinder Rituale?
  3. Welche Beispiele gibt es für Rituale mit Kindern?
 

Was sind Rituale für Kinder?

Rituale sind bestimmte Verhaltensweisen oder Regeln, die immer zur gleichen Zeit oder in bestimmten Situationen angewandt werden. Rituale folgen einem festen Ablauf und mit Kindern müssen sie eine Weile geübt werden, bis dieser Ablauf vertraut ist. Da vor allem in der heutigen Berufswelt Flexibilität als attraktiv gilt, halten nicht alle Eltern viel von Ritualen. Einige denken, Rituale in der Erziehung seien altmodisch und autoritär, andere wiederum wollen den eigenen Alltag durch die Rituale für ihre Kinder nicht zu stark einschränken.

Aber Kinder brauchen Rituale. Sie geben ihnen das Gefühl von Geborgenheit und Verlässlichkeit und sind wichtig für ihre psychische und physische Gesundheit. Experten empfehlen, wenigstens zwei wichtige Rituale in den Alltag zu integrieren: eine feste Zeit fürs Zubettgehen und wenigstens eine gemeinsame Mahlzeit am Tag mit der gesamten Familie. Eltern sollten nicht vergessen, dass dadurch auch das Familienleben entspannter verlaufen kann – wenn sie etwa nicht jeden Abend mit ihrem Kind neu über die Schlafenszeit verhandeln müssen.

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Warum brauchen Kinder Rituale?

Rituale geben Kinder nicht nur Sicherheit und Verlässlichkeit, sondern helfen, zu lernen, wie man das Leben strukturieren kann. Wichtig ist, dass Rituale nicht zur Pflichtübung werden. Sie können aber im Gegenteil Pflichtübungen angenehmer gestalten. Voraussetzung ist, dass alle in der Familie die Rituale akzeptieren und sich daran halten. Natürlich mag es für Erwachsene manchmal langweilig sein, jeden Abend das gleiche Lied zu singen. Doch das Kind verbindet damit eine schöne gemeinsame Zeit mit Mama oder Papa vor dem Einschlafen.

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Welche Beispiele gibt es für Rituale mit Kindern?

Neben den festen Zubettgeh-Zeiten und regelmäßigen gemeinsamen Mahlzeiten gibt es viele verschiedene mögliche Rituale. Beispiele für Rituale mit Kindern sind:

  1. Ein Guten-Morgen-Ritual: Mama oder Papa wecken das Kind jeden Morgen zur gleichen Zeit und auf die gleiche Art und Weise. Sei es mit einem Küsschen oder dem Lieblingskuscheltier. Vielleicht singt man gemeinsam nach dem Wachwerden ein Lied? Möglichkeiten gibt es viele.
  2. Ein Zahnputz-Ritual: Eine lustige Geschichte, die immer beim Zähneputzen erzählt wird, sorgt für Ablenkung und macht die lästige Pflicht angenehmer. Oder man sagt beim Zähneputzen ein Gedicht auf, in dem die verschiedenen Schritte der Zahnputztechnik erklärt werden.
  3. Ein Wochenend-Ritual: Für die ganze Familie beginnt eine freie Zeit, die man mit einem Essensritual beginnen kann. Zum Beispiel damit, dass es immer freitags ein Eis zum Nachtisch gibt. Ein weiteres Wochenend-Ritual für Kinder kann die Kuschelzeit im Elternbett am Sonntagmorgen sein.

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Quellen:

Bingel, Bela et al. (2010): Kinder lieben Rituale: Kinder im Alltag mit Ritualen unterstützen und begleiten, Aachen: Ökotopia Verlag.

Gräßer, Melanie & Eike Hovermann (2015): Kinder brauchen Rituale: So unterstützen Sie Ihr Kind in der Entwicklung. Stressfrei durch den Familien-Alltag, Hannover: Humboldt Verlag.

Largo, Remo (2019): Babyjahre: Entwicklung und Erziehung in den ersten vier Jahren, München: Piper Verlag.

Nedebock, Ulla (2016): Starke Kinder brauchen Regeln: Klare Grenzen - entspannte Familie. Mit kleinen Veränderungen viel bewirken. Empfohlen von der Akademie für Kindergarten, Kita und Hort, Hannover: Humboldt Verlag.

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