Risikoschwangerschaft – Was bedeutet das?

Michelle Kröger

So schlimm sich der Begriff Risikoschwangerschaft anhören mag: Eine als solche eingestufte Schwangerschaft birgt in den seltensten Fällen auch wirklich eine Gefahr für Mutter und Kind. Das liegt unter anderem daran, dass in Folge einer Risikoschwangerschaft beide viel intensiver von einem Arzt überwacht werden als sonst. Zusätzlich übernimmt die Krankenkasse weitere spezielle Untersuchungen. Ihr Arzt kann Sie aus vielen Gründen als Risikoschwangere einstufen. Hier erfahren Sie, wann Sie von einer Risikoschwangerschaft betroffen sein können.

Schwangere Frau mit Blutdruck-Manschette
Bei einer Risikoschwangerschaft werden Schwangere besonders intensiv medizinisch betreut Foto:  iStock/interstid
 

Was ist eine Risikoschwangerschaft?

Rund 20 Prozent aller Schwangeren werden als risikoschwanger eingestuft. In einem solchen Fall wird vom behandelnden Frauenarzt ein entsprechender Vermerk im Mutterpass eingetragen. Frauen, bei denen eine Risikoschwangerschaft besteht, sollten jedoch nicht in Panik geraten. Meist besteht keine akute Gefahr für Mutter und Kind. Auch muss es nicht zu Komplikationen während der Schwangerschaft kommen. In den meisten Fällen bedeutet es nur, dass es Grund gibt, zusätzliche pränatale Untersuchungen vorzunehmen – und die Schwangerschaft intensiver als sonst zu kontrollieren. 

 

Wann liegen Risikoschwangerschaften vor? 

Alter

Schwangere Frauen über 35 Jahre werden als Risikoschwangerschaften eingestuft.  Warum? Das Risiko einer Chromosomenstörung beim Baby und einer Fehlgeburt sind bei einer Schwangerschaft ab 35 erhöht. 

Chronische Krankheiten

Auch bei einer chronischen Erkrankung, wie beispielsweise Diabetes oder Herz-Kreislauf-Krankheiten, wird der Arzt den Vermerk “Risikoschwangerschaft” in den Mutterpass eintragen. Frauen mit einer chronischen Krankheit und Kinderwunsch sollten vor einer Schwangerschaft die Risiken mit Ihrem Frauenarzt besprechen.

Auch schwangere Frauen mit einer Stoffwechselkrankheit (Gestose) gelten als risikoschwanger, denn bei einer Spätgestose besteht das relativ hohe Risiko einer Frühgeburt. In der Vergangenheit sprach man in diesem Fall von einer Schwangerschaftsvergiftung.

Mehrlingsschwangerschaft

Sie erwarten Zwillinge oder Drillinge? Dann wird in Ihrem Mutterpass mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Risikoschwangerschaft vermerkt. Durch den begrenzten Platz im Bauch der Mutter ist die Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt bei Mehrlingen um einiges höher. 

Vielgebärende Frauen

Frauen, die bereits mehr als vier Kinder geboren haben, werden als risikoschwanger eingestuft. Der weibliche Körper hat schließlich die Strapazen von mehreren Geburten hinter sich – es sind regelmäßige Zusatzuntersuchungen erforderlich.

Schwangere Frau besonders durch Hepatitis E gefährdet
Kinderwunsch Rauchen schadet Kindern schon vor der Zeugung

Vergangene Komplikationen

Wer schon eine Eileiterschwangerschaft, Bauchhöhlenschwangerschaft oder eine Fehlgeburt hinter sich hat, gilt als risikoschwanger. Auch andere Komplikationen in vorangegangenen Schwangerschaften können eine intensivere Überwachung der aktuellen Schwangerschaft rechtfertigen.

Rhesus-Unverträglichkeit

Bei einer sogenannten Rhesus-Unverträglichkeit liegen bei Mutter und Kind jeweils unterschiedliche Blutgruppen vor. Dabei reagiert das Immunsystem der Mutter auf bestimmte Merkmale der Blutgruppe des Kindes. Man spricht hier auch von sogenannten Rhesusfaktoren. Sollte die Mutter Rhesus-positiv und das Kind Rhesus-negativ sein, so kann es sein, dass sie kurz vor der Geburt Antikörper gegen die roten Blutkörperchen des Babys bildet. Sie sind zum ersten Mal schwanger? Eine Rhesus-Unverträglichkeit tritt in der Regel erst bei der zweiten Schwangerschaft auf.

Steißlage oder nach einem Kaiserschnitt

Wenn Ihr Kind in Steißlage oder Beckenendlage liegt, wird Ihr Arzt sicherlich von einer Risikoschwangerschaft sprechen und eine intensivere Überwachung anordnen. Eine spontane Geburt, sprich eine natürliche Geburt, ist in einem solchen Fall schwierig und häufig wird der Kaiserschnitt als Geburtsmethode gewählt. Eine Frau, die schon einen Kaiserschnitt hinter sich hat, ist risikoschwanger. 

HIV und Geschlechtskrankheiten

Die Schwangerschaft einer mit HIV infizierten Frau wird als Risikoschwangerschaft eingestuft. Das Kind kann sich sowohl in der Gebärmutter als auch bei der Geburt, durch Kontakt mit dem Blut oder Scheidensekret der Mutter, mit der Krankheit infizieren. Durch das von der Krankheit geschwächte Immunsystem der Mutter besteht die Gefahr einer verzögerten Entwicklung des Kindes im Mutterleib oder vorzeitigen Wehen. Von einer vaginalen Geburt wird abgeraten; stattdessen wird ein Kaiserschnitt in einer Fachklinik empfohlen. 

Depressionen

Eine Depression muss kein Hinderungsgrund für eine Schwangerschaft sein. Wenn der Wunsch nach einem Kind besteht, ist es wichtig, dies klar und deutlich seinem Arzt und/oder Therapeuten zu kommunizieren. In diesem Rahmen wird aisführlich besprochen, welche Konsequenzen eine Schwangerschaft haben kann und ob sich die Frau dieser Herausforderung gewachsen sieht. Eine Risikoschwangerschaft im medizinischen Sinne besteht nicht, dennoch empfiehlt sich eine etwas engmaschigere Betreuung der Schwangeren, damit auch die emotionale Gesundheit der zukünftigen Mutter gewährleistet werden kann.  

Alkohol- und Drogenabhängigkeit

Schwanger trotz Alkohol- oder Drogensucht? Durchaus machbar. Wichtig ist hier aber eine möglichst enge Beobachtung vom Arzt. Denn: Auch wenn eine hunderprozentige Reduktion von Alkohol- und Drogeneinnahmen natürlich idea wäre, ist dies bei einer Abhängigkeit natürlich nicht realistisch. Dennoch kann eine Schwangere mit Suchtproblemen viel für ihr Kind und ihre eigene Gesundheit machen, wenn sie sich genau mit einem Arzt abspricht. Die Deutsche Haupstelle für Suchtfragen e.V. unterstützt auch Schwangere bei allen Entscheidungen. 
 

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2019 praxisvita.de. All rights reserved.