Risikoschwangerschaft: Auch Männer können zu alt sein

Allgemein bekannt ist, dass schwangere Frauen etwa ab dem 35. Lebensjahr mit einem erhöhten Risiko für Schwangerschaftskomplikationen oder weitervererbbaren Erkrankungen konfrontiert sind. Nun zeigt eine aktuelle Studie: Auch das Alter der Väter muss als Faktor für Risikoschwangerschaften betrachtet werden.

Von einer Risikoschwangerschaft ist zumeist die Rede, wenn die werdende Mutter älter als 35 ist. Nun haben verschiedene aktuelle Studien aus Schweden, Israel und den USA gezeigt, dass auch die Väter ab einem gewissen Alter das Risiko von Komplikationen während der Schwangerschaft erhöhen: Sind Väter jenseits der 45, steigt demnach für das ungeborene Kind die Gefahr von ADHS, Autismus oder auch  psychischen Erkrankungen ─ wie Depressionen ─ deutlich an. Ebenso fanden die Forscher heraus, dass alte Väter statistisch gesehen den Intelligenzquotienten ihrer Kinder senken. Der Nachwuchs eines 50-jährigen Mannes zum Beispiel liege im Schnitt sechs IQ-Punkte unter dem eines 20-Jährigen.

 

Männer werden auch nicht jünger

"Die Keimzellen der Väter werden mit zunehmenden Alter auch nicht besser", erklärt Prof. Haaf, Leiter des Instituts für Humangenetik an der Universität Würzburg. Haaf untersucht in einem eigenen Forschungsprojekt die Tragweite und die Gründe des väterlichen Einflusses auf eine potentielle Risikoschwangerschaft. Das ist deswegen besonders interessant, da bisher noch nicht bekannt ist, welche Rolle der Vater hinsichtlich der gesteigerten Gefahr einer Risikoschwangerschaft überhaupt spielt. Die naheliegende altersbedingte Häufung von Gen-Mutationen in den väterlichen Spermien sei eine heiße Spur, reiche aber sicher nicht aus, um den erkannten Effekt auf die Entwicklung des Nachwuchses zu erklären, sagt Haaf.

Um den Einfluss von älteren Vätern auf die Wahrscheinlichkeit und Entwicklung einer Risikoschwangerschaft besser untersuchen zu können, sammelt Haaf für seine Studie zur Zeit tausende Spermaproben. Die bisher gesammelten Proben von Männern verschiedenen Alters sollen in Zusammenarbeit mit dem renommierten US-amerikanischen Humangenetiker Prof. Steve Horvath untersucht werden, der eigens zur Untersuchung von Sperma ein Instrumentarium entwickelt hat.

 

Was Sie beachten sollten

Ab 35 bei Frauen und ab 45 bei Männern steigt zwar das statistische Risiko für Komplikationen in der Schwangerschaft oder Erkrankungen des Kindes, doch bedeutet das nicht, dass jede Schwangerschaft problematisch werden muss. Zumeist werden risikoreiche Schwangerschaften intensiv durch Ärzte begleitet. Besonders Ultraschalluntersuchungen sind zur Untersuchung der Kinder im Mutterleib sehr wichtig und sollten nach Ansicht von Experten regelmäßig durchgeführt werden.

Hamburg, 19. April 2014

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