Richtig husten: So helfen Sie Ihrem Kind

Dr. med. Nadine Hess

Insbesondere Kindern unter zwei Jahren fällt es bei Infekten der oberen Luftwege schwer, den Schleim abzuhusten. Manchmal ist aber der Husten auch so festsitzend, dass er sich gar nicht lösen mag. Was kann man dann tun, um dem Kind zu helfen?

Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Zehn Minuten Inhalation können mit einem kleinen Kind wirklich lang werden...Ich empfehle den Eltern dann, lieber fünf Minuten ‚gut’ zu inhalieren, als zehn Minuten nur halb“ © privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Durch Infekte der oberen Luftwege läuft oft der Schleim, der sich in der Nase oder im Bereich der Mandeln bildet, den Rachen hinunter und tropft auf den Kehldeckel, wo er die Ursache für den Hustenreiz bildet. Dieser Husten hört sich ganz locker an und kann meist gut abgehustet werden, allerdings fehlt kleinen Kindern manchmal die Kraft, den Schleim richtig loszuwerden. Oder der Husten ist ganz fest, klingt manchmal fast bellend (jedoch ohne Atemnot) und bessert sich erst im Laufe des Tages. In beiden Fällen können Inhalationen mit Kochsalz helfen. Sie lösen den trockenen Husten, bzw. verflüssigen den Schleim.

 

Inhalieren mit Kochsalz gegen den festsitzenden Husten

Das für Kinder am besten geeignete Inhalationsgerät ist der PariBoy junior, der einen so feinen Inhalationsnebel erzeugt, dass auch die kleinen Atemwege erreicht werden. Die Geräte können in vielen Apotheken ausgeliehen werden, oft zahlen sogar die Krankenkassen ein eigenes Gerät, weil das auf Dauer günstiger ist, als immer wieder eines zu leihen. Allerdings muss meist eine obstruktive Bronchitis vorliegen, damit die Krankenkasse die Kosten übernimmt.

Kind inhaliert
Inhalationen mit Kochsalz helfen Kindern bei festsitzendem Husten. Sie lösen den Hustenreiz und verflüssigen den Schleim. Inhalationsgeräte können Sie in der Apotheke ausleihen© Fotolia

Es gibt neben dem üblichen 0,9-prozentigem Kochsalz auch 3-prozentiges Kochsalz, was bei den geschilderten Problemen manchmal sogar noch besser hilft. Allerdings kann das 3-prozentige Kochsalz in seltenen Fällen die Atemwege reizen, so dass sicherheitshalber ein bisschen Salbutamol (erweitert die Bronchien) beigefügt oder vorab inhaliert werden sollte, damit es nicht zu einer unerwünschten Verengung der Bronchien kommt.

 

So gelingt die Inhalation auch bei kleinen Kindern

Sie können mehrmals täglich mit Ihrem Kind inhalieren – doch je kleiner das Kind, desto schwieriger ist es zugegebenermaßen, die Inhalation bis zum Ende durchzuführen. Mit 2ml Flüssigkeit dauert es ungefähr zehn Minuten, bis alles in Inhalationsnebel umgewandelt ist. Und zehn Minuten Inhalation können mit einem kleinen Kind wirklich lang werden...Ich empfehle den Eltern dann, lieber fünf Minuten „gut“ zu inhalieren, als zehn Minuten nur halb. Fünf Minuten bekommt man beinahe immer hin. Zur Not mit einem kleinen, ausnahmsweise erlaubten Hilfsmittel wie einem kurzen Film.

Das höherprozentige Kochsalz ist rezeptfrei erhältlich, Salbutamol muss vom Arzt verschrieben und dosiert werden, so dass zumindest initial eine Konsultation erfolgen sollte.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Zehn Minuten Inhalation können mit einem kleinen Kind wirklich lang werden...Ich empfehle den Eltern dann, lieber fünf Minuten ‚gut’ zu inhalieren, als zehn Minuten nur halb“© Privat
 

Was kann ich zusätzlich tun, um Husten beim Kind zu lindern?

Eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr ist hilfreich, um die Schleimhäute feucht zu halten und den Schleim flüssiger zu bekommen. Am besten geeignet sind dafür warme Kräutertees. Milch eher nicht, denn sie verursacht bei vielen Menschen eine zusätzliche Schleimentwicklung.

Baby auf Rücken klopfen
Auch sanftes Abklopfen der Lunge kann helfen, festsitzenden Husten bei Kindern zu lösen© imago

Auch leichtes Abklopfen der Lungen kann helfen, besser abzuhusten. Am einfachsten geht das, wenn das Kind mit dem Bauch auf Ihrem Schoß liegt. Wenn der Husten aber trotz all dieser Maßnahmen nicht besser wird und Fieber hinzukommt, sollten Sie Ihr Kind dem Kinderarzt vorstellen. Nicht, dass sich aus einem kleinen Infekt der oberen Luftwege eine Bronchitis oder gar Lungenentzündung entwickelt.

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