Rheumatische Beschwerden: Interview mit Dr. med. Markus Wiesenauer

Redaktion PraxisVITA
Bei rheumatischen Beschwerden können Naturheilmittel helfen
Bei rheumatischen Beschwerden können Naturheilmittel helfen © alamy

Als besonders wirkungsvoll gegen rheumatische Beschwerden zeigen sich die Heilmittel aus der Natur. Dr. med. Markus Wiesenauer hat sich auf die Behandlung mit Naturheilmitteln spezialisiert und gilt als Deutschlands Top-Experte für Homöopathie.

 

Was bringt die Naturmedizin gegen rheumatische Beschwerden?

Generell lindert sie Schmerzen, sorgt für eine Zunahme der Beweglichkeit und regt die Abwehrkräfte an. Natürlich muss man unterscheiden zwischen entzündlichen Gelenkbeschwerden durch Rheuma und der Arthrose, also dem Gelenkverschleiß.

 

Gegen irreparable Verschleißerscheinungen ist die Naturmedizin wahrscheinlich machtlos, oder?

Im Gegenteil, Arthrose und rheumatische Beschwerden lassen sich sehr gut mit sanften Mitteln behandeln. Die Abnutzungen am Gelenkknorpel lassen sich natürlich nicht beheben. Die Naturheilmittel bewirken eine Regeneration der Gelenkfunktion, das heißt die Patienten werden mobiler, fühlen sich besser.

Dr. med. Markus Wiesenauer
Dr. med. Markus Wiesenauer, Top-Experte für Homöopathie© Markus Wiesenauer
 

Was kann ich konkret tun?

Ist bei Rheuma das Gelenk gerötet und entzündet, hilft der Quarkumschlag. Morgens und abends Quark aufstreichen, mit einem Handtuch umwickeln und 20 Minuten einwirken lassen. Anschließend wird das Gelenk mit einem entzündungshemmenden Rheuma-Gel aus der Apotheke eingerieben. Bei Arthrose lindern Umschläge mit der pflanzlichen Tinktur Retterspitz die Beschwerden. Einwirkzeit 20 Minuten, dann mit Rheuma-Gel eincremen.

 

Soweit die äußerliche Therapie, was hat die Naturmedizin sonst noch im Angebot?

Eine Menge. Zum Beispiel helfen gegen rheumatische Beschwerden auch hochpotente Schmerzmittel. Die Inhaltsstoffe der Zitterpappel und der Goldrute wirken entwässernd und dichten die feinen Blutgefäße nach außen hin ab. Dadurch werden Schwellungen verringert. Die Wirkstoffe der Esche vermindern ebenfalls Schwellungen in den Gelenken. Frischpflanzenauszüge der Pappelrinde und des Pappelblattes liefern schmerzstillende Wirkstoffe. Das Präparat kann problemlos auch mit chemischen Schmerzmittel kombiniert werden.

 

Gibt es auch so etwas wie eine pflanzliche Gelenkkur?

Gegen rheumatische Beschwerden und entzündliche Gelenkprobleme ist Apis mellifica (Honigbiene) D6 das Mittel der Wahl. Im akuten Stadium nimmt man fünfmal pro Tag vier bis fünf Kügelchen. Sobald eine spürbare Besserung eintritt, reduziert man die Einnahme auf dreimal täglich.

 

Gut, das hilft bei Rheuma. Doch was mache ich, wenn ich unter Arthrose leide?

Hier verordne ich Rhus toxicodendron (Giftsumach) D12, drei Wochen lang morgens und abends 5 Globuli. Dann folgt ein zweites Mittel: Hekla Lava (Asche des Hekla-Vulkans, Island) D6, dreimal täglich eine Tablette lutschen. Nach drei Wochen wieder Rhus tocicodendron. Im Wechsel nimmt man beide Mittel über einen Zeitraum von drei bis fünf Monaten. Die Ergebnisse einer solchen Kur sind wirklich erstaunlich.

 

Sind diese Ergebnisse nachprüfbar?

Durchaus. Die Homöopathie reguliert das Immunsystem und unterstützt die Selbstheilungsmechanismen des Körpers. Wirkt die Arznei, fühlt sich der Patient nicht nur besser, es lässt sich auch im Blut nachweisen, dass die Entzündungswerte zurückgehen.

Rheuma
Übergewicht ist ein Auslöser für rheumatische Beschwerden, da jedes Kilo zusätzlich die Gelenke belastet© iStock /:andriano_cz
 

Doch irgendwann stößt die Naturmedizin an ihre Grenzen. Was dann?

Bei massiven Gelenkentzündungen kombiniere ich Mittel aus der Schulmedizin mit pflanzlichen Präparaten. Sobald der Knochen geschädigt ist, lässt sich in den meisten Fällen eine OP nicht mehr vermeiden. Hier verordne ich zur Förderung des Heilungsprozesses Arnica D6, drei mal fünf Kügelchen vor dem Essen und drei mal fünf Globuli Symphytum (Beinwell) D6 nach den Mahlzeiten.

 

Worauf sollte ich sonst noch achten?

Die Ernährung spielt eine große Rolle. Übergewicht ist einer der schlimmsten Risikofaktoren für rheumatische Beschwerden. Jedes Kilo zu viel reizt Knie und Sprunggelenke, fördert die Entzündungsneigung und verursacht Schmerzen. Sinnvoll ist basenreiche Kost wie Obst und Gemüse. Reduzieren sollte man dagegen den Fleischkonsum, Zucker und Alkohol.

 

Alles, was Spaß macht, ist demnach verboten?

Darum geht es wirklich nicht. Grundsätzlich verbiete ich meinen Patienten nichts. Denn auch die Lebensqualität spielt bei der Genesung eine große Rolle. Mir ist es ein Anliegen, das Bewusstsein zu schärfen. Fettreiche tierische Lebensmittel enhalten Arachidonsäure. Daraus bildet unser Organismus Eicosanoide, und diese hormonähnlichen Substanzen spielen eine entscheidende Rolle bei Gelenkentzündungen.

 

Haben Sie noch einen letzten Tipp?

Viel stilles Wasser trinken. Falls Sie das nicht mögen, geben Sie eine Scheibe Zitrone dazu. Die Faustregel heißt: 30 Milliliter Wasser pro Kilo Körpergewicht.

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