Respiratorische Insuffizienz: Ursachen und Symptome der Lungenschwäche

Michael van den Heuvel Medizin- und Wissenschaftsjournalist

Man spricht von einer respiratorischen Insuffizienz oder Lungenschwäche, wenn die Lunge aus der Umgebung nicht mehr ausreichend viel Luft aufnehmen kann, um die Organe mit Sauerstoff zu versorgen. Im Akutfall kann eine solche Lungenschwäche lebensbedrohlich sein.

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Was ist eine respiratorische Insuffizienz?

Bei einer respiratorischen Insuffizienz (Lungenschwäche) kann die Lunge nicht genügend Sauerstoff aus der Umgebung aufnehmen. Das führt zu einem Abfall des Sauerstoff-Gehalts im Blut (Hypoxämie), was das Lungengewebe, -gefäße, die Blutkörperchen und das Herz schädigen kann. In manchen Fällen steigt zusätzlich der Kohlendioxid-Gehalt im Blut an.

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Welche Krankheiten verursachen eine respiratorische Insuffizienz?

Ärzte unterscheiden zwischen einer akuten respiratorischen Insuffizienz mit plötzlichem Beginn und einer chronischen Lungenschwäche mit sich langsam entwickelnden, lange anhaltenden Beschwerden. Die akute Form kann etwa im Verlauf einer schweren Lungenentzündung auftreten. Verletzungen des Brustkorbs und der Lunge oder eingeatmete Fremdkörper zählen zu den weiteren Ursachen. Sie können zur Obstruktion, also zum Verschluss der Lunge, führen. Auch ein schwerer Asthmaanfall oder ein Blutgefäß, das sich verschließt, sind mögliche Auslöser.

Eine chronische respiratorische Insuffizienz entwickelt sich als mögliche Folge der Chronischen obstruktiven Lungenerkrankung (auf Englisch: chronic obstructive pulmonary disease, COPD), der Lungenfibrose oder anderer Lungenkrankheiten. Langsam fortschreitende Erkrankungen der Muskulatur oder des Nervensystems, wie ALS, sind weitere potenzielle Ursachen. Sie führen dazu, dass die Atemmuskulatur nicht mehr einwandfrei funktioniert und es zu einer Lungenschwäche kommt.

 

Welche Symptome treten bei einer Lungenschwäche auf?

Die akute respiratorische Insuffizienz führt im Akutfall innerhalb kurzer Zeit zu Atemnot bis hin zum Kollaps. Je nach Auslöser können Husten oder Schmerzen hinzukommen. Dies ist immer ein medizinischer Notfall.

Im Unterschied dazu sind die Symptome bei der chronischen respiratorischen Insuffizienz eher schwach. Sie verschlechtert sich langsam. Im Mittelpunkt stehen Beschwerden der Grunderkrankung, etwa Husten bei einer COPD. Langfristiger Sauerstoffmangel kann zu sogenannten Trommelschlägelfingern und Uhrglasnägeln führen. Das sind vergrößerte Fingerendglieder beziehungsweise Fingernägel. Sie geben Ärzte einen wichtigen Hinweis, dass Patienten eventuell an einer Lungenschwäche leiden.

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Wie diagnostiziert der Arzt eine respiratorische Insuffizienz oder Lungenschwäche?

Ärzte bestimmen bei einer Blutgasanalyse (BGA), welche Menge an Sauerstoff und Kohlendioxid sich im Blut befindet. Die BGA-Normwerte sind vom Alter abhängig. Dabei ist p der Partialdruck, also der Teildruck eines Gases in einem Gemisch.

Sauerstoff: pO2 = 75 bis 97 mmHg (mmHg = Millimeter Quecksilbersäule, eine Maßeinheit für Druck)

Kohlendioxid: pCO2 = 35 bis 45 mmHg

Sauerstoffsättigung: 95 bis 99 Prozent

pH-Wert des Blutes: 7,35 bis 7,45

Neben der BGA liefern die Computertomografie (CT) und die Echokardiografie des Herzens (EKG) weitere Informationen auf Krankheiten. Auch ein Blutbild kann erforderlich sein, um andere Erkrankungen auszuschließen.

 

Wir wird eine respiratorische Insuffizienz behandelt?

Bei einer respiratorischen Insuffizienz und bei niedriger Sauerstoffsättigung erhalten Patienten eine nicht-invasive Beatmung. Sie wird auch NIV-Beatmung genannt. Dies geschieht über eine Mund-, Mund-Nasen- oder Gesichtsmaske beziehungsweise über einen Beatmungshelm. Ein Beatmungsgerät erzeugt Überdruck, damit ausreichend viel Luft in die Lunge des Patienten gelangt. Invasive Beatmungen mit einer Intubation über den Mund sind vor allem bei medizinischen Notfällen erforderlich.

Liegt eine chronische Lungenschwäche vor, wird versucht, die Grunderkrankung der respiratorischen Insuffizienz zu therapieren: Im Falle ener COPD werden etwa Medikamente zur Erweiterung der Bronchien und zur Unterdrückung der Entzündung eingesetzt. Bei einer Lungenembolie wird der Arzt blutverdünnende Medikamente verabreichen und mit einem dünnen Draht, dem Katheter, das Blutgerinnsel entfernen. Verletzungen des Brustkorbs und der Lunge werden chirurgisch behandelt. Ist die Grunderkrankung behandelbar, bessert sich auch die respiratorische Insuffizienz – oder sie verschwindet vollständig.

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Quellen:

Respiratorische Insuffizienz, in: Ärzteblatt

Nichtinvasive Beatmung als Therapie der akuten respiratorischen Insuffizienz, in: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Invasive Beatmung und Einsatz extrakorporaler Verfahren bei akuter respiratorischer Insuffizienz, in: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

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