Renovieren bevor das Baby kommt? Besser nicht!

Kinderzimmer Renovierung
Chemische Belastungen durch Wohnungsrenovierungen verändern das Immunsystem Ungeborener stark, zeigt das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung © fotolia

Sie werden Eltern und möchten noch schnell das Kinderzimmer renovieren und liebevoll herrichten, bevor das Baby kommt? Eine Studie der Helmholtz-Zentrum Leipzig warnt vor den Folgen einer Renovierungsaktion. Chemikalien aus Laminat und Fußböden, Wandfarbe oder Möbel können bereits das Immunsystem von Ungeborenen stark beeinflussen und verändern.

Werdende Eltern möchten ihrem Baby ein schönes Zuhause bieten. Kurz bevor das Kind auf die Welt kommt, greifen viele zu Pinsel, Farbe und Co. – schließlich soll ein perfektes Kinderzimmer für einen schönen Start ins Leben sorgen. Aber Renovierungsarbeiten belasten die Gesundheit des ungeborenen Kindes. Führen schwangere Frauen Renovierungstätigkeiten durch, setzen sie sich und ihrem Kind belastenden Chemikalien aus. Die Kinder haben ein höheres Risiko unter Atemwegserkrankungen oder Allergien zu leiden. Das fand eine Studie des Helmholtz-Zentrum in Leipzig heraus.  

Renovierungsarbeiten besser auf später verschieben

Im Rahmen der LINA-Studie (Lifestyle and Environmental Factors and their Influence on Newborn Allergy risk birth cohort study) untersuchte die Abteilung Umweltimmunologie des Helmholtz-Zentrum die Auswirkungen von Renovierungsarbeiten auf das Immunsystem des Fötus oder des neugeborenen Kindes.

Bei dieser Studie wurde das Blut von 422 Mutter/Kind Paaren während und nach der Schwangerschaft analysiert. Das beinhaltete auch das Nabelschnurblut der Neugeborenen. Die Forscher stellten fest, dass chemische Stoffe – aus Renovierungsarbeiten während der Schwangerschaft – das Immunsystem Neugeborener veränderten.

„Wir raten davon ab, in den Wohnungen Laminat, Teppichboden oder den Fußbodenbelag neu zu verlegen", erklärt Dr. Ulrich Franck vom UFZ. Als Grund nennt er flüchtige organische Verbindungen wie Styrol oder Ethylbenzol, die sich in Möbel, Wandfarben oder Teppichböden verbergen und ausdünsten können. Diese Stoffe werden von der Mutter über die Atemluft aufgenommen.„Zwar sind die Konzentrationen dieser flüchtige Chemikalien geringer, wenn kein Kleber beim Verlegen verwendet wird, aber selbst dann reichen die Konzentrationen immer noch aus, um das Risiko der Kleinkinder, in den ersten Monaten an Atemwegsbeschwerden zu leiden, deutlich zu erhöhen“, sagt Dr. Ulrich Franck.

Bewohnte ein Kind während seines ersten Lebensjahres ein Kinderzimmer mit großflächig verlegten und verklebt Fußböden, stieg das Risiko für eine spätere Atemwegserkrankung um das Fünffache. Aber noch stärker war der Einfluss auf das pränatale Immunsystem von ungeborenen Kindern, zeigte die Studie. Dieses Immunsystem ist noch nicht ausgereift und kann sich – gegen Umwelteinflüsse – nicht wehren. „Wir sehen deutliche und drastische Effekte durch das Fußbodenverlegen im Nabelschnurblut der gesunden neugeborenen Kinder“, sagt die Leiterin der Abteilung Umweltimmunologie Dr. Ingrid Lehmann. Das Nabelschnurblut jener Neugeborener, deren Eltern PVC (Polyvynilchlorid)–und Laminatböden verlegt und verklebt hatten, zeigten die größten Veränderungen der Immunzellen.Im Gegensatz dazu wies das Blut der Mutter keine Veränderungen des Immunsystems auf. Obwohl sie in der Wohnung wohnte und die chemischen Lösungsmittel direkt eingeatmet hatte.

Bereits vorherige Studien kamen zu dem Ergebnis, dass Wohnungsrenovierungen zu einem veränderten Immunsystem und einer verstärkten Typ 2 – Immunantwort führen können, was eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Allergien spielt. Renovierungen und chemische Belastungen während der Schwangerschaft wirken sich stark auf das Immunsystem aus. Empfehlenswert ist es mit den Umbauarbeiten bis weit nach der Geburt des Kindes zu warten.

Stressen Sie sich nicht, die Renovierung des Kinderzimmers kann warten. Neben chemischen Umweltfaktoren kann sich auch Stress in der Schwangerschaft auf die motorische Entwicklung des Kindes auswirken und zu einer Beeinträchtigung führen. Stressige Ereignisse können ein Umzug, finanzielle Nöte aber aber auch Komplikationen während der Schwangerschaft bedeuten. Die Studie wurde von australischen Wissenschaftlern der University of Notre Dame und des Telethon Kids Instituts durchgeführt und in dem Journal „Child Development“ veröffentlicht. Schwangeren Frauen wird empfohlen stressige Phasen mit Entspannung auszugleichen und auf Ruhephasen zu achten.

Hamburg, 21. März 2016

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