Remdesivir: USA kaufen weltweiten Bestand auf - Spahn erwartet Lieferfähigkeit

Miriam Mueller-Stahl Medizinredakteurin

Die US-amerikanische Regierung soll den weltweiten Bestand an Remdesivir aufgekauft haben. De deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn erwartet, dass der Hersteller des Corona-Medikaments trotzdem liefert.

Inhalt
  1. USA kaufen nahezu kompletten Remdesivir-Vorrat
  2. Spahn erwartet trotzdem Lieferung des Corona-Medikaments
  3. Deutscher Remdesivir-Vorrat reicht noch für mehrere Wochen
  4. EMA hatte gerade erst die Zulassung von Remdesivir empfohlen
  5. Was ist Remdesivir?
  6. USA am stärksten von Corona betroffen

Medienberichten zufolge soll die US-amerikanische Regierung sich einen massiven Vorrat an Remdesivir angelegt haben. Spahn erwartet, dass der Hersteller trotzdem Medikamente für andere Länder zur Verfügung stellt.

 

USA kaufen nahezu kompletten Remdesivir-Vorrat

Insgesamt sollen die USA 500.000 Dosen des Medikaments beim Hersteller Gilead gekauft haben. Mit dieser Großbestellung ist das einzige Arzneimittel, das bei der Behandlung von COVID-19 nachweislich wirksam ist, im Juli ausverkauft. Somit kann kein anderes Land derzeit Remdesivir erwerben.

Und auch für August und September sind kaum noch Dosen des Medikaments für den Rest der Welt verfügbar: Die US-amerikanische Regierung hat bereits 90 Prozent des Arzneimittels für sich beansprucht. Bis zum Herbst kann es demnach zu extremen Lieferengpässen kommen.

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Spahn erwartet trotzdem Lieferung des Corona-Medikaments

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn betonte im ZDF-Morgenmagazin, dass er vom Hersteller Gilead erwarte, dass die anderen Länder trotz des Großeinkaufs der US-amerikanischen Regierung mit dem Medikament beliefert werden. Spahn betonte, dass es zwingend notwendig ist, dass "Deutschland und Europa versorgt werden, wenn es um ein solches Medikament geht."

 

Deutscher Remdesivir-Vorrat reicht noch für mehrere Wochen

Bisher soll es in Deutschland noch keine Engpässe des hoffnungsvollen Medikaments geben, da es noch genügend Vorräte in den Zentralapotheken der Bundesregierung gäbe. Laut dem Gesundheitsminister müssten die Reserven noch für mehrere Wochen reichen.

 

EMA hatte gerade erst die Zulassung von Remdesivir empfohlen

Nachdem eine US-Studie im April darauf hindeutete, dass Remdesivir die Genesung von COVID-19-Patienten durchschnittlich um vier Tage verkürzt, kam die europäische Arzneimittelbehörde EMA erst kürzlich zu dem Schluss, dass das Medikament im Kampf gegen Corona zum Einsatz kommen sollte.

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA gab grünes Licht, sprach sich allerdings für eine beschränkte Zulassung aus. Verabreicht werden solle der Wirkstoff lediglich erwachsenen COVID-19-Patienten mit Lungenentzündung, die zusätzlichen Sauerstoff benötigen. Kindern und Jugendlichen unter 12 Jahren solle das Medikament nicht verabreicht werden.

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Was ist Remdesivir?

Remdesivir ist ein antiviraler Wirkstoff, der erstmals im Kampf gegen das Ebola-Virus von einem US-amerikanischen Pharmakonzern entwickelt wurde. In früheren Tests konnte beobachtet werden, dass er die eigentliche Infektion nicht verhindern, allerdings die Vermehrung von Krankheitserregern im Blut stoppen kann. Man hofft, dass dadurch schwere Lungenentzündungen schneller abklingen und tödlich verlaufende Komplikationen abgewendet werden können.

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USA am stärksten von Corona betroffen

Mit dem Großeinkauf an Remdesivir reagiert die US-amerikanische Regierung auf die Höhe Anzahl an Corona-Infektionen, denn die USA sind weltweit am stärksten betroffen. Zuletzt gab es rund 40.000 Neuinfektionen pro Tag. Könne man den Anstieg nicht unter Kontrolle bringen, seien im Land sogar bis zu 100.000 Neuinfektionen pro Tag vorstellbar, wie der Immunologe Anthony Fauci am Dienstag bei einer Anhörung im Senat warnte.

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