Reizdarm-Symptome bei Frauen: Das steckt dahinter!

Susanne Petersen Medizinredakteurin

Wenn der Bauch kneift, Blähungen und Verdauungsstörungen immer wieder auftreten, kann ein Reizdarm-Syndrom (RDS) vorliegen. Frauen sind besonders häufig davon betroffen. Aber warum ist das so und was sind Reizdarm-Symptome bei Frauen? 

Reizdarm-Symptome bei Frauen
Reizdarm-Symptome treten bei Frauen häufiger auf Foto:  yacobchuk
Inhalt
  1. Was sind die Reizdarm-Symptome bei Frauen?
  2. Was sind die Ursachen für einen Reizdarm?
  3. Diese Darmbeschwerden-Symptome sind typisch
  4. Reizdarm Behandlung: Das kann man tun

Der Darm ist nicht einfach ein langer, hohler Schlauch, der Nahrungsreste transportiert. Er ist ein komplexes Geflecht aus verschiedenen Schleimhäuten, Nervenzellen und Bakterienstämmen. Kein Wunder, dass der Darm bei seinen vielfältigen Aufgaben auch mal gereizt sein kann. Neuesten Studien zufolge gibt es eine genetische Komponente als Ursache, denn Reizdarm-Syptome bei Frauen treten doppelt so häufig auf wie bei Männern

 

Was sind die Reizdarm-Symptome bei Frauen?

Ungefähr acht Millionen Menschen in Deutschland leiden unter dieser Erkrankung. Besonders häufig betroffen sind Frauen im Alter zwischen 35 und 50 Jahren. Neuesten Studien zufolge ist gerade bei Frauen, die unter RDS und Verstopfung leiden, ein bestimmtes Risiko-Gen nachzuweisen. Trotz aller Forschung kennt man bisher die genauen Ursachen für funktionelle Magen-Darm-Störungen leider noch nicht. Hier mag das Mikrobiom eine Rolle spielen, aber auch abgelaufene Magen-Darm-Infekte, eine Überempfindlichkeit der Darmnerven oder Dauerstress, wahrscheinlich spielen jedoch alle Faktoren zusammen eine Rolle. Deshalb konzentriert man sich bei der Behandlung auf die vorliegenden Symptome.

Ein Grund für die erhöhten Fallzahlen des RDS bei Frauen sind zudem die im Monatszyklus schwankenden weiblichen Hormone, die dem Darm auf unterschiedliche Weise zusetzen. Sowohl Östrogen als auch Progesteron kann für Verstopfung im weiblichen Darm sorgen. Auf der anderen Seite werden während der Regelblutung Gewebehormone ausgeschüttet, die die Gebärmutter „ausmelken“ sollen und dabei auch häufig im Darm zu Krämpfen, Blähungen und Durchfall führen können. Frauen bemerken das durch ein herabdrängendes Gefühl im Unterleib. Zudem vermuten Experten, dass ein Reizdarm als psychosomatisches Symptom eher weibliche als männliche Seelenzustände widerspiegeln könnte.

Das RDS kann viele verschiedene Symptome auslösen. Am häufigsten klagen Patientinnen über Unwohlsein und Bauchschmerzen. Stuhlunregelmäßigkeiten mit Verstopfung oder Durchfall sowie Blähungen und Völlegefühl.

 

Was sind die Ursachen für einen Reizdarm?

Schon Paracelsus erklärte im 16. Jahrhundert: „Der Tod sitzt im Darm“. Wir müssen uns heute mit unserer modernen Medizin nicht vor einem solchen Satz fürchten. Er zeigt nur, wie früh schon erkannt wurde, welche lebenswichtige Rolle der Darm neben der Verdauung übernimmt. Der Verdauungstrakt ist ähnlich wie die Haut das Organ, das sich am meisten mit fremden Substanzen aus der Außenwelt auseinandersetzen muss.

Etwa 60 Prozent der immunologischen Vorgänge, also der Abwehr von Krankheiten und Erregern, finden im Darm statt. Ohne eine funktionierende und ausbalancierte Darmflora kann unser Immunsystem nicht wirkungsvoll funktionieren. Fehlernährung und Antibiotikamissbrauch stören die Zusammensetzung der Darmflora. Langjährige falsche Ernährung kann zu einer Art Selbstvergiftung durch Gärung und Fäulnis führen, bei der im Darm gebildeten Toxine (Giftstoffe) die Darmwand durchdringen (Leaky Gut).

Der Darm verfügt sogar über ein eigenes Nervensystem, das ähnlich vielschichtig wie das menschliche Gehirn ist. Deswegen spricht man auch vom „Bauchhirn“ oder vom „zweiten Gehirn“. 100 bis 150 Millionen Nervenzellen durchziehen den Verdauungstrakt. Nervengeflechte in der Darmwand steuern die Durchblutung und die sogenannte Darmmotilität (Eigenbewegung). Auch das vegetative Nervensystem hat Einfluss auf den Bauchraum. Es reguliert mit dem Parasympathikus die Verdauungsvorgänge und drosselt diese mit dem Sympathikus in Stress-Situationen.

Psychische Faktoren wie Stress, Ärger und Ängste können auf den Magen schlagen und das Verdauungssystem stören. Über aufsteigende Nervenbahnen meldet der Darm ins Gehirn wiederum Stress, so dass ein Kreislauf entsteht, der zu einem Reizdarm führen kann. Die sogenannte viszerale Hypersensibilität ist eine Überempfindlichkeit der Bauchorgane (lat. Viszera) gegenüber Schmerzen. Reizdarm-Patienten leiden häufiger unter dieser Herabsetzung der Schmerzschwelle und nehmen Druck und Luftansammlungen deutlich belastender wahr als andere Menschen. Die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) stellt fest, dass bei RDS-Patienten viszerale Schmerzreize zur Aktivierung anderer und größerer Hirnregionen als bei Menschen ohne Darmbeschwerden führen.

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Diese Darmbeschwerden-Symptome sind typisch

  • häufigerer Stuhlgang bei Schmerzbeginn, jedoch keine nächtlichen Beschwerden
  • nachlassender Schmerz nach dem Stuhlgang
  • deutlich sichtbarer Blähbauch
  • subjektives Völlegefühl
  • Schleimbeimengungen im Stuhl (ohne Blut)
  • unvollständige Stuhlentleerung
 

Reizdarm Behandlung: Das kann man tun

„Du bist, was Du isst“ kann bei milden Formen des Reizdarmes schon ein Baustein der Vorbeugung und Behandlung sein. Lebensmittel, die das Verdauungssystem belasten wie blähendes Kohlgemüse, Zwiebeln, Knoblauch, scharfe Gewürze und Kaffee sollten in Maßen genossen werden. Kleinere Portionsgrößen entlasten den Verdauungstrakt. Um Hormonschwankungen und damit negativen Effekten auf den Darm entgegen zu wirken, können Frauen aktiv etwas tun. Stress, Aufputschmittel wie Nikotin, Kaffee und Alkohol reduzieren! Denn Stress fördert die Ausschüttung des Hormons Cortisol, welches Östrogen blockiert. Giftstoffe, die das empfindliche Hormongleichgewicht stören können, weglassen! Dazu gehören Weichmacher, Pestizide, Schwermetalle. Der Griff zu Bioprodukten kann helfen. Eine vollwertige Ernährung mit ausreichend Zink (zum Beispiel in Erdnüssen, Schokolade, Meeresfrüchten, Fleisch) fördert das Hormongleichgewicht. Das bei Sport ausgeschüttete Serotonin hilft, Stimmungsschwankungen auszugleichen.

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Reizdarm natürlich behandeln

Ist der Reizdarm bereits chronisch und mit vorbeugenden Maßnahmen nicht mehr zu kurieren, kann ein pflanzliches und gut verträgliches Arzneimittel mit einer hoch dosierten Wirkstoffkombination aus Pfefferminzöl und aus Kümmelöl Blähungen, Völlegefühl und Schmerzen nachweislich reduzieren. Dabei wirkt das Pfefferminzöl entkrampfend, denn es entspannt die glatte Darmmuskulatur. Der kühlende Effekt der Pfefferminze löst eine Reduzierung der Schmerzen im Darm. Kümmelöl hingegen hemmt das Wachstum von krankheitsfördernden Pilzen und Bakterien, die Gase bilden. Es wirkt entblähend, da es Schäume im Darm zerfallen und deren eingeschlossene Gase im Anschluss wieder über die Darmschleimhaut aufnehmen lässt.

Beide Wirkstoffe in Kombination reduzieren eine übersteigerte Schmerzempfindung im Bauchraum wie sie bei Reizdarm-Patientinnen häufig vorkommt. Und sie verrichten ihre Aufgabe schnell und direkt dort, wo sie gebraucht werden: im Darm selbst. Wichtig bei der Wahl des Arzneimittels ist, dass die Kapsel die Passage durch den Magen ohne Beschädigung übersteht, also magensaftresistent ist. Nach einer konsequenten Einnahme des Arzneimittels über zwei Wochen sind deutliche Verbesserungen der Beschwerden nachgewiesen worden und Reizdarm-Symptome bei Frauen nehmen deutlich ab.

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Quellen:

Reizdarmsyndrom: Risikogen bei Frauen entdeckt, in aerzteblatt.de

S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom, in: dgvs.de

Das Reizdarmsyndrom, in: deutsche-apotheker-zeitung.de

Reizdarmsyndrom (Colon irritable), in: medix.ch

Symptome des Reizdarms, in: internisten-im-netz.de

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