Reizblasen-Behandlung: So hilft eine Verhaltenstherapie

Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Symptome
  4. 4. Diagnose
  5. 5. Behandlung
  6. 6. Vorbeugung

Grundsätzlich orientiert sich die Therapie einer Reizblase zunächst an den jeweiligen Ursachen. Gelingt es, die Ursachen zu finden und diese gezielt und wirkungsvoll zu behandeln, dann verschwinden auch die Symptome. In der Regel wird der behandelnde Arzt aber weder organische Ursachen finden, noch entsprechende Harnwegsinfektionen.

 

Im Tagebuch die Häufigkeit der Toilettengänge festhalten

Für Menschen mit einer Reizblase geht es bei der Therapie daher in erster Linie darum, die Beschwerden zu lindern und so die Lebensqualität zu verbessern. Der erste Schritt der Reizblasen-Behandlung besteht aus einer kombinierten Verhaltens- und Physiotherapie. Im Rahmen der Verhaltenstherapie führen die Betroffenen ein detailliertes Tagebuch, das tägliche Trinkgewohnheiten ebenso dokumentiert, wie die Anzahl der Toilettengänge und die Menge des Urins beim Wasserlassen.

 

Ein "normales" Toilettenverhalten wird geübt

Auf Basis dieses Tagebuchs trainieren Menschen mit einer Reizblase gezielt auf ein "normales" Toilettenverhalten hin: Dazu vergrößern sie im Rahmen der Therapie jeden Tag den zeitlichen Abstand zwischen zwei Toilettengängen. Die ergänzende Physiotherapie setzt auf eine Kombination aus Beckenbodentraining, Elektrostimulation und Biofeedback. In Einzel- und Gruppentrainings erlernen die Patienten Übungen, die ihre Beckenbodenmuskulatur kräftigen und die Blase stabilsieren.

 

Stress und Angst als Auslöser für Reizblase

Eine Biofeedback-Therapie kann die Beschwerden einer Reizblase zusätzlich lindern. Es handelt sich hierbei um ein Entspannungsverfahren, das auf die eigene Wahrnehmung setzt. Sensoren messen im ersten Schritt Puls, Atemfrequenz, Körpertemperatur, Hirnströme und Muskelspannung und machen sie mittels Computer hör- oder sichtbar. Im zweiten Schritt lernen die Patienten, diese Werte durch bestimmte Entspannungs-Techniken gezielt zu beeinflussen. Da Anspannung und Stress ein wichtiger Auslöser für eine Reizblase sind, kann bewusstes Entspannen die Blasenfunktion normalisieren.

 

Medikamente können bei Reizblasen-Behandlung helfen

Neben dem Beckenbodentraining und der Biofeedback-Therapie bildet die Elektrostimulation eine weitere Säule bei der Reizblasen-Behandlung. Studien haben gezeigt, dass die Beschwerden durch eine gezielte und regelmäßige elektrische Stimulation abnehmen. Falls diese Behandlung keinen Erfolg zeigt, empfiehlt der Arzt häufig die Einnahme entsprechender Medikamente, sogenannter Anticholinergika. 

Bei einer Reizblase kann ein Toilettentraining helfen: Es beinhaltet, jeden Tag den zeitlichen Abstand zwischen zwei Toilettengängen zu vergrößern.
Bei einer Reizblase kann ein Toilettentraining helfen: Es beinhaltet, jeden Tag den zeitlichen Abstand zwischen zwei Toilettengängen zu vergrößern.© Fotolia

Für Frauen in den Wechseljahren sowie Frauen in der Menopause kann die Gabe des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen eine wirkungsvolle Reizblasen-Behandlung sein. So können betroffene Frauen durch einen östrogenbeschichteten Silikonring kontinuierlich mit zusätzlichem Östrogen versorgt werden.

 

Ein Blasenschrittmacher kann die Blasenfunktion regulieren

Falls Patienten trotz Behandlung weiterhin unter den Beschwerden der Reizblase leiden, sind entsprechende Operationen möglich. Eine Option ist die Injektion von Botulinum-A-Toxin (Botox) in die Blasenwand. Das Nervengift lähmt die Muskeln und verhindert so, dass sie sich zusammenziehen. Unabhängig davon kann der behandelnde Arzt das Einsetzen eines Blasenschrittmachers empfehlen. Er soll die Blasenfunktion regulieren.

Andere Möglichkeiten, eine Reizblase zu behandeln, gehen noch weiter: So ist eine operative Vergrößerung der Harnblase ebenso möglich wie der sogenannte Harnblasenersatz. Aus einem Dünndarmabschnitt wird hier eine neue, künstliche Blase geformt und eingesetzt. Bei einer Harnableitung stellt der behandelnde Chirurg operativ eine künstliche Verbindung zwischen den Harnwegen und beispielsweise dem Darm her. Diese Behandlungsmethoden werden aber nur in seltenen und sehr schweren Fällen einer Reizblase vorgenommen.

Vorbeugung
Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.