Rauchstopp durch Meditation

Eine Frau meditiert
Kann man sich zum Nichtraucher meditieren? © Fotolia

Nur knapp drei Prozent der Raucher, die versuchen, ohne Hilfsmittel aufzuhören, sind erfolgreich. Nutzen sie zum Beispiel Nikotinkaugummis oder –pflaster, dann können sie ihre Erfolgschance verdoppeln – trotzdem erreichen dann nur sechs von Hundert ihr Ziel. Hinzu kommen viele weitere Methoden, Tricks und Hilfsmittel, die beim Rauchstopp helfen sollen.

Um herauszufinden, was davon wirklich hilft, haben Wissenschaftler der Universitäten Texas und Oregon alle zum Thema veröffentlichten Studien untersucht und die Ergebnisse in einem Artikel in der Fachzeitschrift Trends in Cognitive Sciences veröffentlicht. Sie kommen zu dem Schluss: Wer mit dem Rauchen aufhören will, sollte mit dem Meditieren beginnen.

 

Hilft eine Meditation beim Rauchstopp?

So funktioniert die Achtsamkeitsmeditation

Sorgen Sie für eine ruhige Atmosphäre und nehmen Sie sich rund zehn Minuten Zeit.

Setzen Sie sich aufrecht, in bequemer Kleidung auf einen Stuhl oder ein festes Kissen. Schultern und Gesicht sind entspannt, die Hände ruhen auf den Oberschenkeln oder zur Schale geformt in Ihrem Schoss.

Schließen Sie die Augen, lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihren Körper. Fühlen Sie, wo Ihr Körper mit Boden oder Sitzgelegenheit verbunden ist. Spüren Sie die natürliche Schwere Ihres Körpers.

Konzentrieren Sie sich eine Weile ganz auf Ihre Atmung. Atmen Sie in den Bauch und spüren Sie Ihre Bauchdecke: Sie wölbt sich beim Einatmen vor und geht beim Ausatmen zurück.

Holen Sie jetzt ein schönes Bild vor Ihr inneres Auge: einen Wald, einen Strand, einen Ozean, was Ihnen gerade einfällt. Verweilen Sie dort, schauen sich gründlich um, stellen Sie sich auch die Geräusche dort vor.

Die genaue Technik kann man in Kursen lernen und dann zu Hause anwenden. Anbieter sind Volkshochschulen, kirchliche Bildungswerke, Heilpraktiker und Ärzte.

Denn mit am wirksamsten zeigte sich eine Studie, bei der Studenten in zwei Gruppen aufgeteilt wurden: Die eine Hälfte sollte wöchentlich fünf Mal für eine halbe Stunde meditieren – die andere machte in der selben Zeit normale Entspannungsübungen. In beiden Gruppen fanden sich Raucher und Nichtraucher. Ziel der Meditation war es, die Selbstkontrolle zu stärken, die bei Süchtigen beeinträchtigt, aber entscheidend für einen erfolgreichen Rauchstopp ist. Keiner der Teilnehmer wusste von dem Ziel der Studie.

Nach zwei Wochen erfassten die Wissenschaftler bei den Rauchern die Zahl der gerauchten Zigaretten. In der Gruppe, die die Entspannungsübungen praktizierte, zeigte sich keine Änderung. Anders war es bei den Rauchern, die meditierten: Sie rauchten im Schnitt 60 Prozent weniger.

 

Unbewusster Rauchstopp

Das Kuriose dabei: „Die Studenten veränderten ihre Rauchgewohnheiten, ohne es wahrzunehmen“, so einer der Studienautoren Yi-Yuang Tang, Professor für Psychologie an der Universität Texas. „Wenn wir sie auf ihr Rauchverhalten ansprachen, antworteten sie zum Beispiel intuitiv mit 20 Zigaretten am Tag. Als sie dann nachsahen und rechneten, merkten sie, dass sie in den letzten Tagen nur 10 Zigaretten geraucht hatten.“

Bevor Meditation fester Bestandteil der Rauchentwöhnung werden kann, muss sich der Effekt noch in weiteren, größeren Studien beweisen. Sollte er dann ähnlich effektiv sein, könnte die Achtsamkeitsmeditation fester Bestandteil der Rauchentwöhnung werden – und die bislang schlechten Erfolgsaussichten für Raucher deutlich verbessern.

Hamburg, 3. August 2015

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