Radiowellen-Therapie heilt Ödeme

Um Lymphödeme vorzubeugen, sollten Gürtel nicht zu eng getragen werden
Um Lymphödeme vorzubeugen, sollten Gürtel nicht zu eng getragen werden © Fotolia

Bei einem Lymphödem sind geschwollene Beine eine häufige Folge. Praxisvita zeigt, wie die sanfte Radiowellen-Therapie dieses Leiden ohne Operation beheben kann.

Dass etwas nicht stimmt, ahnte Betty M. aus Iserlohn bereits mit 15 Jahren. Das gesamte, rechte Bein des 1,81 großen Mädchens war sichtbar dicker als das linke. Weil sie aber so schlank war, zuckten die aufgesuchten Ärzte meist nur mit den Schultern und meinten, sie würde sich „da etwas einbilden". Erst mit Anfang 30 wurde die Diagnose Lymphödem gestellt. Denn nach der zweiten Schwangerschaft waren die typischen Krankheitssymptome wie das „Stemmersche Zeichen" – eine verdickte, schwer abhebbare Hautfalte über der zweiten und dritten Zehe – nicht mehr zu übersehen. Diese Schwellungen entstehen durch eine Ansammlung von Lymphflüssigkeit im Gewebe. Normalerweise transportiert sie Abfallstoffe durch die Gefäße – gleichzeitig werden so Krankheitserreger wie Bakterien entsorgt. Sind die Gefäßwände zum Beispiel beschädigt, kann Lymphe ins Gewebe treten.

 

Hilfe durch die neue Radiowellentherapie

„Als ich mich auf eigene Faust schlau machte, erfuhr ich, dass ohne Behandlung das Gewebe verhärten und zur Bewegungseinschränkung führen kann", sagt die heute 48-Jährige. „Fortan gehörten Kompressionsstrümpfe, Lymphdrainagen, Beinwickel und Spezialgymnastik zu meinem Leben." Trotzdem tauchte irgendwann eine dicke Krampfader auf, die die Stauung in den Beinen immer schlimmer machte.

Kein Arzt wagte sich wegen des Lymphödems an eine Operation. Da jede weitere Verletzung der zarten Bein-Gefäße das Leiden verschlimmert hätte. „Die letzten drei, vier Jahre war mein Leben eine Dauerbehandlung", erzählt Betty M.„Bis mir ein Venenfacharzt die neue Radiowellen-Therapie vorschlug."

 

Ohne Behandlung – Langzeitschäden

„Die nicht abtransportierte Flüssigkeit führt nicht nur zur messbaren Vergrößerung von Armen oder Beinen. Die Stoffwechselgifte schädigen auf Dauer auch das umliegende Gewebe", erklärt ihr Gefäßchirurg Dr. Horst Peter Steffen der Capio Klinik Hilden. „An den geschwollenen Stellen bilden sich Ekzeme. Im schlimmsten Fall kann ein offenes Bein entstehen."

 

Schonender Eingriff für gesunde Gefäße

Die Rekonstruktion von Lymphgefäßen ist leider nur selten möglich. „Da Krampfadern allerdings den Lymphstau verstärken können, hat sich eine möglichst sanfte Behandlung des Venenleidens – zum Beispiel per Radiowelle – bewährt", so der Spezialist. Anders als beim Stripping, bei dem die kranke Vene durch einen kleinen Schnitt herausgezogen wird, kann sie bei dem neuen Verfahren erhalten werden. „Dazu wird unter Ultraschallkontrolle eine dünne Sonde in die Krampfader eingeführt", beschreibt Dr. Steffen den Eingriff. An der Spitze ist eine Elektrode, über die per Radiowelle das umliegende Gewebe auf 60-85 Grad erhitzt wird. Die Vene zieht sich zusammen und wird vom Körper quasi selber abgebaut. Stripping-Folgen wie Blutergüsse, Entzündungen, Nervenverletzungen und Schmerzen sind dadurch deutlich seltener. Gesunde Lymphgefäße werden geschont.

 

Erste Erfolge zeigten sich sehr schnell

Betty M. kam für den Eingriff morgens ins Venenzentrum. Nur das Bein wurde für die Operation betäubt. „Der Vorteil ist, dass die Patienten uns mitteilen können, wenn wir in die Nähe eines Nervs kommen", sagt der Gefäßspezialist. „Dadurch können wir belastende Gefühlsstörungen deutlich reduzieren." Betty M. erlebte den Eingriff nicht als belastend: „Schmerzen oder Stiche spürte ich nicht. Nach 40 Minuten war alles überstanden. Am nächsten Tag konnte ich nach Hause." Seitdem ist es jeden Tag ein wenig besser geworden: „Mein rechtes Bein ist nun fast so schlank wie das linke!"

 

Hilfe bei Ödemen

Selbsthilfe: Öfter mal die Beine hochlegen! Fast alles, was den Venen gut tut, hilft auch dem Lymphfluss. Unterstützen Sie ihn bei der Arbeit, indem Sie öfters Beine und Füße erhöht lagern. Auch regelmäßige Bewegung ist prima für die zarten Gefäße.

Spiel lassen: Achten Sie bei Ihrer Kleidung darauf, dass T-Shirt, Bluse, Rock, Hose oder Gürtel die betroffenen Gliedmaßen nicht einschnüren. Wenn der Arm betroffen ist, sollten Sie keine Uhr tragen oder diese locker umbinden. Wichtig ist auch, dass die BH-Träger weder an der Schulter noch am Brustkorb einschneiden.

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