Quälender Juckreiz am ganzen Körper - das hat mich geheilt

Redaktion PraxisVITA
Nervenprobleme können einen Juckreiz am ganzen Körper hervorrufen
Nervenprobleme können einen Juckreiz am ganzen Körper hervorrufen © Fotolia

Es begann als leichtes Kribbeln an der rechten Fessel und wuchs zu einem Juckreiz am ganzen Körper. Fast fünf Jahre lang beherrschte der Drang, sich zu kratzen Lea Brückners* Leben. Hier erzählt sie von ihrer Rettung.

Bis zu dreimal in der Nacht schlich ich mich ins Bad und kratzte mich dort bis aufs Blut. Das war das einzige, was kurzfristig Linderung brachte – bis zur nächsten Juckreiz-Attacke. Ständig hatte ich Juckreiz am ganzen Körper! Irgendwann begann ich nachts Handschuhe zu tragen, um mich nicht immer wieder selbst zu verletzen. Ich suchte natürlich ärztliche Hilfe. Doch alle Blut-Tests blieben ohne Befund. Meine Ärzte waren ratlos – und ich verzweifelt.

 

Nervenprobleme verursachen den Juckreiz am ganzen Körper

Zum Glück sah ich dann im Fernsehen einen Bericht über die Juckreiz-Sprechstunde der Universitätsklinik Münster. Nur fünf Tage später hatte ich einen Termin. Prof. Dr. Sonja Ständer, Hautärztin und Pruritus-Expertin, erklärte mir: „Kratzen ist ein natürlicher Reflex, den jeder Mensch nur begrenzt unterdrücken kann.“ Denn in der Haut sitzen sogenannte Juck-Sensoren mit eigenem Nachrichtensystem. Ihr Signal wird über das Rückenmark zum Gehirn transportiert und löst dort den Reflex „Kratzen“ aus. Vermutlich ist eine Störung im Rückenmark für den Juckreiz am ganzen Körper verantwortlich.

Prof. Dr. Sonja Ständer leitet in Münster eine Pruritus-Sprechstunde
Prof. Dr. Sonja Ständer leitet in Münster eine Pruritus-Sprechstunde© privat

Sich das Kratzen bei Juckreiz am ganzen Körper zu verbieten hat keinen Sinn. Um Verletzungen zu reduzieren, sollten Betroffene statt der juckenden Stelle beispielsweise spezielle Kissen, ihre Bettdecken oder das Sofa kratzen. So wird dem Gehirn trotzdem gemeldet, dass das Bedürfnis befriedigt wurde. Während der Woche, die ich stationär in der Klinik blieb, lernte ich zudem, dass eine niedrige Zimmertemperatur oder kühle Umschläge beispielsweise mit schwarzem Tee, ideal zur Selbsthilfe sind. Mein Therapie-Plan beinhaltete spezielle Körperpflege-Produkte, die die Juckreiz auslösenden Botenstoffe (Histamine) im Körper hemmen.

 

Antihistaminika stoppten den Juckreiz

Darüber hinaus bekam ich Tabletten verordnet, die Antihistaminika enthalten. Ich nahm als Hochdosistherapie gleich zwei verschiedene Präparate: Cetirizin und Loratadin. Der Wirkstoff-Mix blockiert die Bindung der Juckreizauslösenden Botenstoffe in der Haut. „Die Pruritus-Therapie versucht, die Reizweiterleitung so lange zu unterbrechen, bis die Haut richtig abgeheilt ist, sich das Nervensystem beruhigt und das Rückenmark den Juckreiz 'vergessen' hat“, sagt die Expertin. Da sich bei mir aber mittlerweile ein Juckreiz-Gedächtnis gebildet hatte, bekam ich zudem ein Epilepsie-Mittel, um diese Erinnerungen zu löschen.

Und damit stellte sich nach zig gescheiterten Therapien erstmals ein Erfolg ein: Drei Monate nach Behandlungsbeginn reichten meine Beschwerden auf einer Skala von eins bis zehn höchstens bis zur Vier – früher war es eine Zehn! Nach qualvollen Jahren hat mich meine Krankheit endlich nicht mehr im Griff, sondern ich sie! So war der quälende Juckreiz am ganzen Körper endlich kein Problem mehr!

*Name von der Redaktion geändert

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.