Pucken: Vorteile und Nachteile der Wickeltechnik

Redaktion PraxisVITA

Pucken ist eine Technik, bei der das Baby eng in ein Tuch gewickelt wird, um es zu beruhigen und ihm das Einschlafen zu erleichtern. Seit der Wiederentdeckung dieser Methode mehren sich aber auch die kritischen Stimmen. Alles über Vorteile und Nachteile der Wickeltechnik.

Inhalt
  1. Pucken: Vorteile der Technik
  2. Pucken: Nachteile der Technik
  3. Pucktuch oder Pucksack fürs Baby?
  4. Richtig Pucken: Anleitung
  5. Baby Pucken: Was sollten Eltern beachten?

Pucken ist eine traditionelle Art, ein Baby zu beruhigen. Dabei wird das Baby in ein Tuch eingeschlagen wie ein Päckchen. Das Pucken soll die vertraute Begrenzung im Mutterleib nachahmen und dem Baby so Geborgenheit vermitteln. Seit der Wiederentdeckung der alten Technik gibt es Befürworter, aber auch kritische Stimmen. Die Studienlage zum Pucken ist uneindeutig.

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Pucken: Vorteile der Technik

Vor allem Hebammen befürworten das Pucken in den ersten Lebenswochen – sie empfehlen die Wickeltechnik für unruhige Babys. Laut Hebammen bietet Pucken viele Vorteile: Es beruhigt die Babys und erleichtert das Einschlafen. Denn neugeborene Babys vermissen die natürliche Begrenzung durch die Gebärmutter, die ungewohnte (Bewegungs-)Freiheit überfordert sie. Liegen die Kinder auf dem Rücken, so kann es sein, dass sie ruckartig aus dem Schlaf aufschrecken – dieser frühkindliche Reflex nennt sich „Moro-Reflex“. Wenn das Baby erschrickt, steckt es die Arme zur Seite, spreizt die Finger und atmet heftig ein. Das Pucken soll dies verhindern.

 

Pucken: Nachteile der Technik

Ein Nachteil beim Pucken ist laut Skeptikern unter anderem die erheblich eingeschränkte Bewegungsfähigkeit. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte lehnt das klassische enge Pucken mit Bezug auf neuere Studien ab, da es das Risiko für Hüftfehlstellungen und Überhitzung steigere. Pucken erhöhe auch das Risiko für den Plötzlichen Kindstod, wenn die Kinder auf dem Bauch oder der Seite liegen.

Eltern, die nicht aufs Pucken verzichten wollen, rät der Verband der Kinderärzte, das Kind stets im Auge zu behalten und es nur so lange gepuckt zu lassen, bis es sich beruhigt hat.

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Pucktuch oder Pucksack fürs Baby?

Zum Pucken eignen sich Stoffwindeln, Moltontücher oder dünne Babydecken in der Größe 80 mal 80 Zentimeter. Das Baby liegt darin leicht bekleidet oder auch – bis auf eine Windel – nackt. Mit einem Pucksack für Babys ist eine gemäßigte Form des Puckens möglich. Dieser Sack hat breite Bündchen. Die Babys können darin strampeln, spüren aber trotzdem eine Begrenzung. So können Eltern sicher sein, dass die Hüfte keinen Schaden nimmt.

 

Richtig Pucken: Anleitung

  1. Das Baby-Pucktuch in Form einer Raute auf den Wickeltisch legen und die obere Spitze nach unten umschlagen.
  2. Das Baby mit dem Nacken auf die entstandene Kante legen, sodass der Kopf über das Tuch hinausragt.
  3. Die Arme des Babys parallel an den Körper anlegen.
  4. Die rechte Seite der Decke über das Baby legen, auf der linken Seite unter dem Rücken des Babys faltenfrei einstecken.
  5. Die untere Spitze der Decke nach oben schlagen, etwa bis zur Höhe der Brust des Kindes. Es soll noch Platz haben, die Beine zu strecken und zu strampeln.
  6. Die linke Seite der Decke über den Körper legen und unter dem Rücken des Babys feststecken.
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Baby Pucken: Was sollten Eltern beachten?

  • Eltern sollten sich das erste Pucken von einer erfahrenen Hebamme zeigen lassen.
  • Das gepuckte Baby nur in Rückenlage legen.
  • Das Baby nicht unbeaufsichtigt lassen.
  • Oben (Brust und Arme) immer enger wickeln als unten (Hüft- und Kniebereich)

Bevor Eltern die Technik als Einschlafhilfe verwenden, sollten sie zunächst testen, wie das Baby auf das Pucken reagiert – manche Babys mögen es nicht, so fest eingewickelt zu werden.

Quellen:

Frenken Ralph (2011): Gefesselte Kinder. Geschichte und Psychologie des Wickelns. Badenweiler: Wissenschaftlicher Verlag Dr. Michael P. Bachmann.

Hüft-Fehlstellungen: Trend zum „Baby-Pucken“ gefährdet Entwicklung, in: aerzteblatt.de

Increase in late diagnosed developmental dysplasia of the hip in South Australia: risk factors, proposed solutions, in: mja.com.au

Jahn-Zöhrens, Ursula (2014): Entspannt erleben: Babys 1. Jahr, Deutscher Hebammenverband (Hrsg.), Stuttgart-Feuerbach: Thieme Verlag.

Kinder- und Jugendärzte warnen vor Pucken: „Pucken ist überflüssig und gefährlich für Säuglinge“, in: kinderaerzte-im-netz.de

Rankl, Christine (2019): So beruhige ich mein Baby. Tipps aus der Schreiambulanz. Düsseldorf und Zürich: Patmos Verlag.

Swaddling and the Risk of Sudden Infant Death Syndrome: A Meta-analysis, in: pediatrics.aappublications.org

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