Pucken – Babys einwickeln doch gefährlich?

Das sogenannte Pucken, also das sehr feste Einwickeln von Babys, ist aktuell bei vielen Eltern und in Kitas wieder im Trend. Neue Studien zeigen jetzt, wie schädlich es für die Entwicklung des Babys sein kann.

Pucken soll dem Säugling helfen, tiefer zu schlafen, weil er sich an die Enge im Mutterleib erinnert fühlt. Auch soll durch das Einwickeln der Gliedmaßen der sogenannte Moro-Reflex abgeschwächt werden. Dieser sorgt dafür, dass Babys bei Geräuschen und Erschütterungen instinktiv Arme und Beine ausstrecken, auch wenn sie gerade schlafen. Dadurch erwachen sie häufig oder wecken andere schlafende Babys mit auf. In vielen Kindergärten und Krippen gehört es daher zur täglichen Routine, die Babys zu pucken. Auch sogenannte Schreibabys sollen durch das Pucken seltener und kürzer schreien, wie Studien gezeigt haben.

 

Gesundheitsrisiko Pucken

Kritiker warnen jedoch vor gesundheitlichen Risiken für das Baby. Sie befürchten unter anderem, dass derartig ruhig gestellte Säuglinge sich nicht rechtzeitig bemerkbar machen, wenn sie hungrig sind und so Wachstumsrückstände hätten. Auch ihre spätere Persönlichkeit könnte durch Introvertiertheit und mangelndes Durchsetzungsvermögen geprägt sein. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BvKJ) warnt außerdem vor der Gefahr der Überhitzung und Dehydrierung des Babys.

Eingewickeltes Baby
Ärzte warnen: Pucken kann Babys nachhaltig schaden© Fotolia

Zwei neue Studien belegen noch weitere schwerwiegende Risiken des Puckens. So kam eine US-amerikanische Studie zu dem Schluss, dass das feste Einwickeln das Risiko für einen plötzlichen Kindstod um ein Drittel erhöhe. Am gefährlichsten sei es, wenn das Baby dabei auf dem Bauch schlafe.

 

Hüftschäden durch zusammengebundene Beinchen?

Eine weitere Studie aus Australien zeigt, dass das Pucken zu einer Zunahme von Hüft-Fehlstellungen führen kann. Die Zahlen aus der Studie offenbaren, dass sich die Fälle von Hüftdysplasien bei australischen Babys im Vergleich zu den letzten 20 Jahren verdreifacht haben. Schuld daran sei möglicherweise das Pucken, weil dabei die Beine des Babys in Streckstellung aneinander gebunden werden.

 

Darf man überhaupt noch Pucken?

Experten raten Eltern, die auf das Pucken nicht verzichten wollen, dies nur in Ausnahmefällen bei sehr unruhigen Kindern anzuwenden. Auch sollten Neugeborene nur bis zu einem Alter von zwei bis drei Monaten gepuckt werden. Sobald sich das Kind selbstständig vom Rücken auf den Bauch drehen kann, steigt das Risiko für einen plötzlichen Kindstod. Die Beine sollten, um die Gefahr einer Hüftfehlstellung abzuwenden genug Freiraum haben. Der Kopf des Babys muss in jedem Fall unbedeckt bleiben.

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