Psychologen oder Therapeuten finden: So klappt‘s

Ines Fedder Medizinredakteurin

Die Suche nach einem geeigneten Therapieplatz ist leider gar nicht so einfach. Vor allem in Krisensituationen ist von den Betroffenen viel Eigeninitiative gefordert. Hier die besten Tipps für eine erfolgreiche Suche nach einem Therapeuten oder Psychologen.

Junge Frau schaut traurig auf ihren Bildschirm
Verschiedene Internet-Seiten ermöglichen eine schnelle Therapeutensuche im nahen Umfeld Foto:  istock/antonioguillem
Inhalt
  1. Suche nach einem Therapieplatz: Psychologe oder Therapeut?
  2. Vor der Therapeuten-/Psychologen-Suche: Formalia abklären
  3. Die besten Anlaufstellen für eine erfolgreiche Suche nach einem Therapeuten oder Psychologen
  4. Über die Krankenkassen
  5. Suche nach Therapeuten/Psychologen im Internet
  6. Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung: Wenn es schnell gehen muss!
  7. Erstgespräch beim Psychotherapeuten/Psychologen: Und jetzt?
  8. Probatorische Sitzungen: Was ist das?

Burn-Out, Depressionen, Schlafstörungen und Co. – die Folgeerkrankungen zunehmender, seelischer Belastung hat in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen. Oder besser gesagt: die Nachfrage nach psychologischer Betreuung. Befindet man sich allerdings in einer Akutsituation und ist der therapeutische Bedarf besonders hoch, wissen viele Betroffene nicht, wo sie bei der Suche nach einem Psychologen oder Therapeuten anfangen sollen. Schon alleine die Tatsache, dass man sich auf lange Wartezeiten – im Schnitt bis zu sechs Wochen - einstellen muss, um überhaupt ein Vorstellungsgespräch bei einem Therapeuten zu erhalten, wirkt auf viele Betroffene stark abschreckend.

 

Suche nach einem Therapieplatz: Psychologe oder Therapeut?

Bevor die aktive Suche nach einer therapeutischen Betreuung überhaupt losgehen kann, ist es hilfreich, ein klein wenig Licht ins Dickicht der Begrifflichkeiten zu bringen. Denn auf der Suche nach einem Therapieplatz muss man sich klarmachen, mit wem man es überhaupt zu tun hat. Macht man einen Termin beim Psychologen zum Beispiel, handelt es sich hierbei um eine Person, die ein abgeschlossenes Hochschulstudium im Fach Psychologie abgeschlossen und die staatliche Berufszulassung (Approbation) erhalten. Als Psychotherapeut bezeichnet man Ärzte, die eine psychotherapeutische Zusatzausbildung erworben haben. Die Berufsbezeichnung „Psychotherapeut“ ist durch das Psychotherapeutengesetzt geschützt. Auch Heilpraktiker bieten eine psychologische Beratung an. Diese wird allerdings in der Regel nicht von der Krankenkasse gezahlt. 

Frau starrt traurig an die Decke
Geist & Psyche Unterschied Psychologe und Psychiater

 

Vor der Therapeuten-/Psychologen-Suche: Formalia abklären

Versichertenstatus prüfen

Ob Psychologe oder Psychotherapeut – bevor man aktiv Kontakt aufnehmen kann, sollte zunächst der Versichertenstatus geklärt werden. Ist man privat versichert, ist die Auswahl der Therapeuten oder Psychologen wesentlich größer. Informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse, welche Kosten getragen werden.

Für Patienten, die gesetzlich krankenversichert sind, gilt: Der Psychotherapeut oder Psychologe muss über eine Kassenzulassung verfügen.

Überweisung ja oder nein?

Wer eine therapeutische Betreuung sucht, braucht keine Überweisung, um einen Termin zu vereinbaren. Betroffene können sich direkt an den Therapeuten wenden.

 

Die besten Anlaufstellen für eine erfolgreiche Suche nach einem Therapeuten oder Psychologen

Es gibt verschiedene Wege, die einem die erfolgreiche Suche nach einem Therapieplatz erleichtern.

 

Über die Krankenkassen

Für gesetzlich Krankenversicherte bietet es sich an, bei der Krankenkasse nachzufragen, welche Therapeuten im Umfeld verfügbar sind. In der Regel erfolgt dann die Weitergabe von Kontaktdaten passender Therapeuten. So kann man ganz einfach via Checkliste die verfügbaren Anlaufstellen im näheren Umkreis kontaktieren. 

Frau am Tisch schaut unglücklich zur Seite
Service Podcast: Therapieplatz verzweifelt gesucht

 

Suche nach Therapeuten/Psychologen im Internet

Kassenärztliche Bundesvereinigung: Eine weitere Möglichkeit bietet das Internet. Zahlreiche Dienste helfen den Patienten, ein Erstgespräch bei einem Therapeuten oder Psychologen zu vermitteln. Eine gute Anlaufstelle im Netz bietet die Suche über die Kassenärztliche Bundesvereinigung. Unter der Arztsuche lässt sich hier ganz einfach nach den individuellen Kriterien filtern.

Psychotherapie-Informationsdienst (PID): Ebenfalls ein Verzeichnis von deutschen Psychologen und Therapeuten im Netz bietet das Portal des Psychotherapie-Informationsdienstes (PID). Die Registrierung der Ärzte erfolgt hier allerdings freiwillig und hat daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

 

Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung: Wenn es schnell gehen muss!

Aufgrund der langen Wartezeiten und dem erhöhten Therapiebedarf wurden die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ins Leben gerufen. Falls kein Therapeut zeitnah vermittelt werden kann, muss über die Terminservicestelle innerhalb von vier Wochen ein Erstgespräch bei einem Psychotherapeuten in näherer Umgebung vermittelt werden. Auch bei Akutbehandlung kann über die Terminservicestelle ein schneller Termin vereinbart werden. Eine Übersicht aller Terminservicestellen im Netz finden Betroffene auf der Internetseite des Bundesgesundheitsministeriums.

 

Erstgespräch beim Psychotherapeuten/Psychologen: Und jetzt?

Ist ein erster Termin bei einem Therapeuten vereinbart, erfolgt zunächst das Kennenlernen. In der Sprechstunde kommen sich Patient und Therapeut näher und besprechen das weitere Vorgehen. Ist eine Kurzzeit- oder Langzeittherapie sinnvoll? Benötige ich eine Akutbehandlung? 

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Probatorische Sitzungen: Was ist das?

Gesetzlich Versicherte haben generell einen Anspruch auf zwei bis vier sogenannte „probatorische Sitzungen“. In ihnen wird geklärt, ob Therapeut und Patient zueinander passen und welche Therapieform – zum Beispiel eine kognitive Verhaltenstherapie oder eine tiefenpsychologische Therapie – sinnvoll ist. Passen Patient und Therapeut nicht zueinander, können natürlich auch weitere probatorische Sitzungen bei anderen Therapeuten vereinbart werden. Häufig empfiehlt es sich, bei mehreren Anlaufstellen gleichzeitig Termine zu machen, da man bei großem Bedarf in der Regel ohnehin erst auf einer Warteliste geführt wird, bevor es zu einem ersten Gespräch kommt. So erhöhen Sie die Chancen auf einen schnellen Weg in die Therapie.

Um organische Ursachen auszuschließen, muss nach den probatorischen Sitzungen eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Erst dann ist der Weg frei für eine diagnosebezogene, entsprechende Therapie.

Kein freier Therapieplatz: Und jetzt?

Krankenkassen und Ärzte haben auf den erhöhten Therapiebedarf reagiert. Zwar lassen sich lange Wartezeiten auf ein entsprechendes Therapieangebot immer noch nicht vermeiden, das Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten hat sich allerdings ein wenig erweitert. So bieten viele Kliniken und Therapeuten auch Online-Therapie-Angebote an – zum Beispiel bei Depressionen, Essstörungen oder Burnout. Allerdings: Nicht alle Krankenkassen übernehmen die Kosten einer Online-Therapie. Informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse, ob ein solches Angebot für Sie verfügbar ist.

Quellen:

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