Psychische Erkrankungen bei Männern oft nicht erkannt

Die Depressionsrate bei Männern ist lange Zeit unterschätzt worden
Die Depressionsrate bei Männern ist lange Zeit unterschätzt worden © Fotolia

Es gibt zahlreiche Hinweise dafür, dass die Depressionsrate von Männern unterschätzt wird. Darauf macht die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) anlässlich des heutigen Männergesundheitskongresses in Berlin aufmerksam.

Die Veranstaltung wird gemeinsam von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) ausgerichtet. Im Fokus: Die Psychische Gesundheit von Männern.  Laut der DGPPN erkranken innerhalb eines Jahres etwa fünf Prozent der erwachsenen Männer in Deutschland an einer Depression. Bei Frauen liegt der Wert bei 10 Prozent. Aber Männer sind häufiger von Suchterkrankungen und Suiziden betroffen. Diese Erkenntnisse weisen darauf hin, „ dass psychische Erkrankungen bei Frauen spezifischer erfasst werden“, so Anette Kersting, Leiterin des DGPPN-Fachreferates für geschlechterspezifische Fragen in der Psychiatrie.

 

Männer leiden anders als Frauen

Während Frauen im Vergleich zu Männern deutlich häufiger unter Angststörungen und Depressionen leiden, treten Männer generell seltener wegen psychischer Probleme in Erscheinung. Männer glauben nach wie vor, dass Depression ein gesellschaftliches Tabu ist und neigen dazu, ihre seelischen Probleme zu verbergen. Frauen ziehen sich zurück, grübeln, fühlen sich niedergeschlagen und antrieblos — Männer zeigen ein  ganz anderes Krankheitsverhalten. Obwohl sie einen inneren Druck spüren  und sich ein andauerndes Gefühl von Erschöpfung abzeichnet ­—  krank im eigentlichen Sinn fühlen sie sich nicht. Stattdessen fallen sie durch ihr aggressives, gereiztes und antisoziales Verhalten auf. „Depressive Symptome bei Männern können also durch geschlechtstypische Stresssymptome maskiert sein, mit der Folge, dass eine vorliegende Depression nicht diagnostiziert und nicht behandelt wird“, so die DGPPN-Expertin

 

Die Therapie muss sich auf Geschlechterunterschiede einlassen

Die psychische Gesundheit von Männern steht im Gesundheitswesen seltener im Fokus als deren körperliche Verfassung. Steigende persönliche und gesellschaftliche Ansprüche und immer komplexere Rollenbilder  eines modernen Mannes rufen jedoch zunehmende Belastungen hervor, die letztendlich psychische Erkrankungen begünstigen. DGPPN-Präsidentin Iris Hauth fordert daher: „Das Gesundheitswesen muss sich auf die spezifisch männlichen Aspekte der Psychopathologie und Psychodynamik psychischer Erkrankungen, aber auch auf die geschlechtsbedingten Prävalenzunterschiede psychischer Erkrankungen und der männlichen Besonderheiten in der diagnostischen Zuordnung einstellen“.

Was Sie selbst gegen eine depressive Verstimmung tun können und wie Naturheilmittel helfen, erfahren Sie hier.

Hamburg, 14. April 2015

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