Pseudokrupp Anfall – so reagieren Sie richtig

Dr. med. Nadine Hess

Woran erkenne ich einen Pseudokrupp Anfall beim Kind? Was hilft dagegen? Müssen Sie bei einem Pseudokrupp Anfall sofort ins Krankenhaus? Expertin Dr. Hess kennt diese Elternfragen gut aus ihrer Praxis. Hier verrät sie die Antworten.

Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: “Ein Pseudokrupp Anfall trifft meist Kinder im Kindergartenalter. Aber ab dem Alter von sieben Jahren ist der Spuk vorbei” © privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Typischerweise ereilt mich ein solcher Anruf spätabends im Frühjahr oder Herbst, also bei feuchtkalter Witterung: „Als wir sie ins Bett legten, war noch alles okay – und jetzt ist unsere dreijährige Tochter plötzlich mit Atemnot und einem komischen Husten aufgewacht und ist ganz heiser! Können Sie schnell vorbeikommen?“ Genau diese Schilderung ist exemplarisch für einen sogenannten Pseudokrupp Anfall oder auch stenosierende Laryngotracheitis genannt.

Dabei kommt es – meist durch Viren ausgelöst – zu einer Entzündung, dadurch zur Schwellung der oberen Atemwege unterhalb des Kehlkopfes und dann zur Atemnot.

 

Pseudokrupp Anfall: So erkennen Sie ihn

Man unterteilt den Pseudokrupp Anfall in vier Schweregrade, wobei Grad drei und vier selten vorkommen:

  1. Bellender Husten, Heiserkeit, geräuschvolle Einatmung (Stridor), aber keine wirkliche Atemnot
  2. Wie 1., aber zusätzlich leichte Atemnot, stärkerer Stridor, minimale Einziehungen bei der Einatmung (das bedeutet, man sieht die Rippen bei der Einatmung durch die erhöhte Atemarbeit stärker hervortreten)
  3. Stärkere Atemnot, starker Stridor, deutliche Einziehungen, Angst, Unruhe und beschleunigte Atmung
  4. Schwere Atemnot, Zyanose (blaue Lippen, etc.), Stridor, eventuell schon beeinträchtigtes Bewusstsein
 

Pseudokrupp Anfall: Was tun?

Bei Schweregrad 1 reicht meistens kalte, feuchte Luft. Typisch ist, dass die Eltern in Panik das Krankenhaus aufsuchen und bei Ankunft dort ist plötzlich alles wieder gut. Durch die kühle Luft auf der Autofahrt sind die Atemwege schon wieder soweit abgeschwollen, dass noch der bellende Husten bleibt, aber sonst alle Symptome wieder verschwunden sind.

Mädchen mit Atemnot
Ein Pseudokrupp Anfall äußert sich durch Symptome wie Husten, rasselnde Atemgeräusche, Heiserkeit und Atemnot. Häufig sind die Kinder verängstigt, weil sie keine Luft bekommen© shutterstoc

Liegt eine Grad-2-Laryngotracheitis vor, wird man zusätzlich zur kalten, feuchten Luft Kortison als Zäpfchen (Prednison oder Prednisolon, wobei Prednisolon schneller wirkt) oder Dexamethason (als Saft) verabreichen – das hemmt die Entzündung und führt zum Abschwellen der Atemwege. Zusätzlich kann im Krankenhaus eine Inhalation mit Suprarenin erfolgen, was zu einer sehr schnellen Besserung führt, da es ebenfalls abschwellend wirkt.

 

Muss man mit einem Pseudokrupp-Anfall ins Krankenhaus?

Meistens ist eine ambulante Behandlung möglich. So war es auch im Fall meiner kleinen Patientin. Ich hatte der Mutter geraten, ihre Tochter in eine dicke Decke zu wickeln und sich mit ihr auf den Balkon zu setzen, bis ich komme. Als ich eintraf, war die Einatmung noch deutlich hörbar, aber schon viel besser als zu dem Zeitpunkt, als die Mutter mich anrief. Da die kleine Patientin Saft verweigerte, verabreichten wir ihr ein Prednisolon-Zäpfchen. Die Sauerstoffsättigung war zu allen Zeitpunkten gut, auch, wenn das kleine Mädchen sicht- und hörbar Atemnot hatte. Nach einer halben Stunde war der ganze Spuk vorbei. Es blieb lediglich der schmerzhafte, bellende Husten, der sie auch noch in den Tagen danach begleitete und sich erst langsam löste.

Manchmal kommt es in der folgenden Nacht zu einem erneuten Pseudokrupp Anfall, aber in der Regel bleibt es bei einer Episode. Grundsätzlich können Kinder im Kindergartenalter mehrere Pseudokrupp Anfälle erleiden. Aber ab dem Alter von sieben Jahren ist der Spuk vorbei – der Grund, warum man danach eigentlich nicht mehr an Pseudokrupp erkrankt, ist unbekannt.

Liegen die Schweregrade 3 und 4 vor, ist eine stationäre Aufnahme unabdingbar, bei Grad 4 sogar oft auf der Intensivstation. Aber wie gesagt – die meisten Fälle lassen sich mit „Ruhe bewahren“ und kalter Luft regeln.

 
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