Prozac gegen COVID-19: So könnte das Antidepressivum bei Corona helfen

Gaby Scheib

Forscher der Uni Münster haben ein neues Mittel im Kampf gegen Corona gefunden: Ihren Erkenntnissen zufolge könnte Prozac gegen COVID-19 effektiv wirken. Das Medikament wird seit Langem erfolgreich gegen Depressionen eingesetzt. Welche Wirkung hat es auf das Sars-CoV-2-Virus?

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Das Antidepressivum Prozac könnte gegen COVID-19 wirken und eine Therapieoption sein Foto:  istock 820885848 callum redgrave-close
Inhalt
  1. So wirkt Prozac gegen COVID-19
  2. Fluoxetin – ein erfolgreiches Mittel gegen Depressionen
  3. Bekannte Wirkstoffe als Therapieoptionen gegen Corona

Weltweit forschen Wissenschaftler mit Hochdruck daran, die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen. Neben der Entwicklung von neuen Impfstoffen werden auch Arzneimittel untersucht, die schon erfolgreich gegen andere Krankheiten eingesetzt werden. Nun haben Forscher des Zentrums für Molekularbiologie der Entzündung (ZMBE) an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) entdeckt, dass Prozac gegen COVID-19 helfen könnte.

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So wirkt Prozac gegen COVID-19

Die Gruppe rund um Prof. Dr. Ursula Rescher sucht am Institut für Medizinische Biochemie der WWU nach antiviralen Wirkstoffen, die die Aufnahme von Sars-CoV-2-Viren hemmen, indem sie an der „Schnittstelle“ zwischen Wirt und Erreger wirken. Untersucht wurde auch die Wirkung des als Antidepressivum eingesetzten Wirkstoffs Fluoxetin.

Wie jetzt in der Fachzeitschrift Emerging Microbes & Infections veröffentlicht wurde, fanden sie dabei heraus, dass das Mittel – allgemein bekannt als Prozac – nicht nur die Aufnahme der Viren in die Zellkultur hemmt, sondern auch ihre Vermehrung unterbindet. Zellen oder Gewebe wird dabei nicht beschädigt. So könnte die Schwere einer Corona-Erkrankung positiv beeinflusst werden.

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Fluoxetin – ein erfolgreiches Mittel gegen Depressionen

Schon seit 1988 wird Fluoxetin als Antidepressivum eingesetzt. Das Medikament ist in den USA als Prozac und in Deutschland unter dem Namen Fluctin im Handel. Bei uns ist es verschreibungspflichtig. Das Mittel zählt zur Klasse der Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und zur Gruppe der funktionellen Inhibitoren der sauren Sphingomyelinase (FIASMA) – Wirkstoffe, die das Enzym ASM hemmen und Zellwachstum bzw. Zelltod steuern

Bei Depressionen wirkt Fluoxetin hemmend auf die Aufnahme des auch „Glückshormon“ genannten Serotonin: Wird der Botenstoff an den Nervenenden freigesetzt, verhindert Fluoxetin, dass er wieder in die Nervenzelle aufgenommen und dadurch unwirksam gemacht wird. So dauert die stimmungsaufhellende und angstlindernde Wirkung länger an.

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Bekannte Wirkstoffe als Therapieoptionen gegen Corona

Weitere Untersuchungen an der WWU haben ergeben, dass neben Fluoxetin auch die FIASMA-Wirkstoffe Amidaron und Imipramin die Aufnahme und Vermehrung der Coronaviren im Körper hemmen könnten. Die beiden Mittel haben entscheidende Vorteile gegenüber neu entwickelten Wirkstoffen: Sie sind bereits erhältlich und erprobt, man kennt die Nebenwirkungen und auch die Kosten sind deutlich niedriger.

Weltweit haben es sich Wissenschaftler zur Aufgabe gemacht, die Wirkung bewährter Medikamente auf das neuartige Coronavirus zu erforschen. So hat beispielsweise eine Studie der Universität Oxford ergeben, dass das Asthmamittel Dexamethason die Sterberate bei schweren Krankheitsverläufen senken könnte. Auch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) befürwortet den Einsatz dieses Mittels.

Prof. Dr. Rescher ist überzeugt: „Die Erforschung von lizenzierten und sich bereits in Gebrauch befindenden Arzneimitteln könnte dazu führen, dass viele Wirkstoffe auch antiviral eingesetzt werden.“ Mit ihrer Studie wecken sie und ihre Kollegen nun Hoffnung darauf, dass Prozac gegen COVID-19 eine neue Therapieoption für Corona-Patienten ist.

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Quellen:
„Hemmschuh“ zwischen Wirt und Erreger: WWU-Forscher untersuchen Antidepressivum als mögliches Mittel gegen COVID-19 in: medizin.uni-muenster.de
Fluoxetin in: test.de
Dexamethasone reduces death in hospitalised patients with severe respiratory complications of COVID-19 in: ox.ac.uk

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