Prostatamedikamente: Risiken und Unverträglichkeiten

Prostatamedikamente werden bei Beschwerden wie gutartiger Prostatavergrößerung eingesetzt. Welche Risiken und Unverträglichkeiten von Medikamenten wie Alphablockern und 5-Alpha-Reduktase-Hemmern gibt es und welche Rolle spielen pflanzliche Medikamente?

Prostatamedikamente: Risiken und Unverträglichkeiten
Es gibt Prostatamedikamente mit unterschiedlichen Wirkweisen, die Vorteile haben, aber auch Nebenwirkungen wie Schwindel. Deswegen sollte ihr Einsatz sorgfältig abgewogen werden Foto: iStock / ljubaphoto

Nach der Diagnose gutartige Prostatavergrößerung (oder: benignes Prostatasyndrom, BPS) mit Beschwerden steht für betroffene Männer die Frage nach der richtigen Behandlung im Vordergrund. Zunächst geht es darum, begleitende Symptome wie ständigen Harndrang oder nächtliches Wasserlassen zu bessern. Im zweiten Schritt sollte das Fortschreiten des Prostatawachstums und damit verbundener Komplikationen behandelt werden. Welche Prostatamedikamente stehen zur Verfügung und mit welchen Nebenwirkungen müssen Sie rechnen?

Medikamente für die Prostata: Von Phytotherapie bis hin zu 5-Alpha-Reduktase-Hemmern

Bei mäßigen Beschwerden, die vor allem mit dem Wasserlassen zusammenhängen, können verschiedene Medikamente eingesetzt werden. Es gibt drei medikamentöse Ansätze zur Linderung:

  1. Durch eine Entspannung der Muskulatur am Blasenausgang und in der Prostata kann die Entleerung erleichtert und der Harnstrahl verbessert werden.
  2. Ein Eingriff in den Testosteronhaushalt kann eine Verkleinerung der Prostata bewirken.
  3. Durch eine Entspannung der Blasenmuskulatur kann eine Verbesserung der Speicherfunktion der Harnblase erreicht werden.

Bei der Auswahl eines passenden Medikaments für die Behandlung einer vergrößerten Prostata stehen dementsprechend verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung.

Alphablocker für die Prostata

Alphablocker sind Medikamente, die die glatte Muskulatur der Prostata und des Blasenausgangs entspannen. Dadurch verbessern sie die Stärke des Harnstrahls und reduzieren die durch die Prostatavergrößerung auftretende Blockade. Die Prostata selbst wird durch diese Art der Medikation nicht verkleinert.

Alpha-Blocker, oder auch Alpha-1-Rezeptorblocker, scheinen bei kleinen Drüsen besser zu wirken als bei großen. Ein Vorteil der Alphablocker ist ihre sofortige Wirkung.

Bekannte Wirkstoffe der Alphablocker sind:

  • Tamsulosin
  • Silodosin
  • Alfuzosin 

Mögliche Nebenwirkungen sind Müdigkeit und Schwindel durch eine Blutdrucksenkung, denn auch die Muskeln der Arterienwände entspannen sich. Ebenfalls möglich ist eine sogenannte retrograde Ejakulation, also ein rückwärtiger Samenerguss in die Harnblase. Bei Absetzen der Alphablocker verschwinden solche Begleiterscheinungen wieder.

Bei geplanten Operationen der Augenlinse bei grauem Star sollte Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme von Alphablockern geboten sein. Besprechen Sie mit ihrem Arzt, ob die Alphablocker abgesetzt werden sollten. Alphablocker lassen sich gut mit anderen Medikamenten wie 5-Alpha-Reduktase-Hemmern oder Muskarin-Rezeptor-Antagonisten kombinieren.

5-Alpha-Reduktase-Hemmer mit Nebenwirkungen auf die sexuelle Funktion

Die auch 5-Alpha-Reduktase-Inhibitoren oder 5ARH genannten Medikamente können das Wachstum der Prostata bremsen oder sogar bewirken, dass sie sich wieder verkleinert. 5-Alpha-Reduktase-Hemmer blockieren den Umbau von Testosteron in das Hormon Dihydrotestosteron (DHT), das eine entscheidende Rolle für das Größenwachstum der Prostata spielt.

Bekannte Wirkstoffe dieses Medikaments sind Finasterid und Dutasterid. Nach einer täglichen Einnahme über mindestens drei bis sechs Monate kann eine Verkleinerung der Prostata um 20-25 Prozent bewirkt werden. Damit können sich in der Folge auch der Harnstrahl und andere Symptome langsam verbessern. Geeignet sind diese Medikamente auch bei einer großen Prostata mit einem Gewicht über 40 Gramm.

5-Alpha-Reduktase-Hemmer können einige Nebenwirkungen verursachen wie eine reduzierte Libido oder Potenzstörungen. Im Behandlungsverlauf lassen diese allerdings in der Regel nach. Es gibt jedoch wiederholt Berichte über Nebenwirkungen auf die sexuelle Funktion und Depressionen, die auch nach Absetzen des Medikaments fortbestehen können. Vorteil der 5ARH ist, dass sie den PSA-Spiegel unter der Therapie halbieren können, was das Risiko für ein Prostatakarzinom deutlich senkt.

Der schnelle Effekt der Alphablocker und die langfristige Wirkung der 5ARH eignen sich übrigens, um beide Medikamente zu kombinieren.

Muskarin-Rezeptor-Antagonisten gegen den starken Harndrang

Die sogenannten Muskarin-Rezeptor-Antagonisten (MRA) tragen zur Entspannung des Blasenmuskels und damit zu einer verbesserten Urinspeicherung bei. Sie helfen, dass das unwillkürliche Zusammenziehen des Blasenmuskels blockiert wird. Außerdem beeinflussen sie die Wahrnehmung der Blasenfüllung positiv. MRAs umfassen sieben verschiedene Wirkstoffe: Darifenacin, Fesoterodin, Oxybutynin, Propiverin, Solifenacin, Tolterodin und Trospium.

Während der Therapie mit diesen MRAs sollte per Ultraschall regelmäßig die Restharnmenge nach dem Wasserlassen kontrolliert werden, da der Blasenmuskel weniger Kraft für die Entleerung aufbringen kann. Muskarin-Rezeptor-Antagonisten haben einige Nebenwirkungen, vor allem sorgen sie für trockene Schleimhäute.

Das kann sich in Augen- und Mundtrockenheit sowie Verstopfung bemerkbar machen. Außerdem können Gedächtnisstörungen auftreten, weshalb der Einsatz bei Parkinson und Demenz gut abgewägt werden sollte.

Phosphodiesterase-5-Hemmer nur bedingt geeignet

Diese auch als PDE-5-Hemmer bezeichneten Medikamente kommen eigentlich bei der Behandlung von Potenzstörungen bei erektiler Dysfunktion zum Einsatz. Viagra ist das bekannteste dieser Medikamente. Die Hemmung des Enzyms PDE-5 führt zu einer Entspannung glatter Muskelzellen.

Es werden also nicht nur die Gefäße in den Schwellkörpern des Penis weitgestellt, sondern es entspannen sich auch die Muskeln der Prostata, was den Druck auf die Harnröhre mindert. PDE-5-Hemmer haben keinen Effekt auf die Prostatagröße. Da diese Medikamente nicht zur Standardtherapie bei einer Prostatavergrößerung gehören, müssen Patienten die Kosten selbst tragen.

Typische Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Verdauungsstörungen und Hitzewallungen.

Prostatamedikamente, die rezeptfrei sind: Phytopharmaka

Die beschriebenen Wirkstoffe wie Alphablocker sind verschreibungspflichtig. Gerade bei der Vorbeugung von Prostatabeschwerden oder milderen Symptomen sind pflanzliche Wirkstoffe der sogenannten Phytopharmaka beliebt. Die Datenlage zu der Wirkung ist noch nicht umfassend, einige Studien weisen Effekte auf die Stärke des Harnstrahls und die Restharnmenge nach. Die Wirkung dieser Phytopharmaka soll entzündungshemmend, abschwellend, entspannend und hormonregulierend sein. Häufig eingesetzt werden zum Beispiel Kürbiskerne bei Prostataproblemen.

Prostata und pflanzliche Medikamente: Brennnessel und Sägezahnpalme

Gerade in der Anfangsphase des benignen Prostatasyndroms können Extrakte von Früchten der Sägezahnpalme kombiniert mit Extrakten der Brennnesselwurzel (Urtica) Beschwerden lindern. Die öligen Beeren der Sägezahnpalme enthalten viele freie Fettsäuren, die bei der Hemmung des Testosterons, das das Prostatawachstum antreibt, helfen können. Außerdem sollen diese Fettsäuren die Muskulatur der Prostata entspannen helfen und damit den Druck auf die Harnröhre reduzieren.

Die Brennnessel ist eigentlich bekannt dafür, dass die Inhaltsstoffe der Blätter leicht harntreibend wirken. Sie werden vor allem bei Harnwegsinfekten eingesetzt. Bei der pflanzlichen Behandlung von Prostataproblemen sollten lieber Extrakte aus der Brennnessel-Wurzel verwendet werden.

Sie sollen die Bildung bestimmter Wirkstoffe hemmen, die das gutartige Wachstum der Prostata anregen und entzündungshemmend wirken. In Kombination sollen Extrakte aus der Sägezahnpalme und der Brennnesselwurzel sich in ihrer Wirkung ergänzen und positive Effekte auf eine vergrößerte Prostata und ihre Begleitbeschwerden haben.

Bei der Behandlung mit Prostatamedikamenten sollten je nach Schwere der Erkrankung Risiken und Unverträglichkeiten gut abgewogen werden.

Quellen:

Dr. med. Christoph Pies, Fokus Prostata, Herbig 2021 

Prostatavergrößerung: Medikamente und pflanzliche Arzneimittel, in: prostata-hilfe-deutschland.de