Prostatakrebs und Sex – ein Problem?

Kann Sex zu Prostatakrebs führen
Zur Vorsorge gegen Prostata-Krebs wird der PSA-Wert ermittelt – ein umstrittenes Verfahren, das als sehr ungenau gilt © Fotolia

Prostatakarzinome sind bei Männern die am häufigsten auftretende bösartigen Tumoren. Die genauen Ursachen sind bis heute nicht bekannt. Allerdings vermuten Mediziner schon länger, dass sexuell übertragbare Krankheiten, das Risiko an Prostatakrebs zu erkranken, deutlich erhöhen. Doch ergeben Prostatakrebs und Sex wirklich ein Problem?

Verschiedene Forschungsarbeiten der letzten Jahre suchten immer wieder nach den Ursachen für Prostatakrebs. Dabei wurden verschiedene und teilweise sich widersprechende Möglichkeiten für die Entstehung dieser Krebsart gefunden, wie beispielsweise Alkohol, Rauchen oder Fettleibigkeit. Doch keine Studie konnte wirklich eindeutige Antworten liefern. Könnten Prostatakrebs und Sex zusammenhängen?

 

Ist Sex ein Krebsgrund?

Genauso verhält es sich mit einem anderem vermeintlichen Auslöser von Prostatakrebs: Sex. Verschiedene Ansätze gingen erst der Vermutung nach, dass zu viel Sex den gefürchteten Tumoren verursachen oder das Risiko zumindest erhöhen könnte – dann hieß es ‚wenig’ oder ‚gar kein Sex’ würden Prostatakrebs begünstigen.

Letztlich stellte das Deutsche Krebsforschungszentrum aber fest, dass es keinen direkten Zusammenhang zwischen der Häufigkeit sexueller Kontakte und einem gesteigerten Krebsrisiko der Prostata gibt. Dennoch könnte Geschlechtsverkehr eine Rolle spielen.

 

Welchen Einfluss haben sexuell übertragbare Krankheiten?

Eine aktuelle Metastudie eines internationalen Forscherteams unter Leitung des Institute for Cancer Research and Prevention (ISPO) in Italien untersuchte, inwieweit sexuell übertragbare Krankheiten und das Prostatakrebs-Risiko in Verbindung stehen.

 

Prostatakrebs und Sex – ein Problem?

Für die Untersuchung wurden 47 Einzelstudien aus den Jahren 1971 bis 2011 ausgewertet und miteinander verknüpft. Die dabei gewonnenen Daten zeigen, dass sexuell übertragbare Infektionen das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, deutlicher erhöhen: Für Patienten, die angegeben hatten, „schon einmal an einer sexuell übertragbaren Infektion“ erkrankt gewesen zu sein, war es um rund 49 Prozent gestiegen. Das bedeutete, dass es einen Zusammenhang zwischen Prostatakrebs und Sex geben muss.

 

Prostatakrebs-Risiko senken durch Vorsorge

Um das Risiko einer Geschlechtskrankheit zu minimieren – was wiederum die Gefahr, an einem Prostatakarzinom zu erkranken, verringern würde ­–, eignet sich auch im Zeitalter der Hightech-Medizin des 21. Jahrhunderts nur das Kondom.

Darüber hinaus – so schreiben viele Mediziner – lasse sich das Prostatakrebs-Risiko nur durch entsprechende Vorsorgemaßnahmen niedrig halten. Dazu sollte „Mann“ sich am besten jährlich einem sogenannten PSA-Test unterziehen. PSA-Test steht dabei für einen Bluttest, bei dem die Konzentration eines „prostataspezifischen Antigens“ (PSA) bestimmt wird – also das Vorkommen eines Enzyms im Blut, das von der Prostatadrüse produziert wird. Ist die PSA-Konzentration zu hoch, kann dies auf ein Prostatakarzinom hinweisen.

 

Der PSA-Test-Streit

Obwohl in Deutschland unter Männer Prostatakrebs die am meisten gefürchtete Krankheit überhaupt ist, gehen lediglich 14 Prozent zur Vorsorge zum Urologen (der nicht nur einen PSA-Test macht, sondern auch die Genitalien und Prostata abtastet). Die Scheu vor der ärztlichen Vorsorgeuntersuchung mag auch daran liegen, dass die Sinnhaftigkeit des Tests in Fachkreisen äußerst umstritten ist.

So berichten Forscher beispielsweise in dem Fachjournal „The Lancet“, dass ein erhöhter PSA-Wert nicht automatisch bedeutet, dass beim Patienten Krebs vorliegt. Demnach fand sich unter 1.000 auffälligen PSA-Screenings nur ein Mann, der tatsächlich an Krebs erkrankt war.

Ein genauer Blick auf die Lancet-Studie verrät, dass die Kritik an den PSA-Tests noch weiter geht. Tatsächlich wurden nämlich von den oben genannten 1.000 Probanden aufgrund erhöhter PSA-Werte 500 Männer medizinisch behandelt – wobei am Ende dieser Behandlung sogar „zu oft eine Prostataoperation stand“. Ein riskanter Eingriff, durch den 30 Prozent der Männer inkontinent und jeder vierte bis fünfte impotent wird. Für viele Mediziner ein Grund, weshalb PSA-Tests – in ihrer Funktion als erster Hinweis auf Krebs – nicht zu voreiligen oder präventiven Operationen führen sollten.

 

PSA-Test: Ja oder nein?

Der Praxisvita Urologie-Experte Professor Peter Albers erklärt in einem Interview, dass manche Kritik am PSA-Test vielleicht berechtigt sei, Männer die Prostatakrebs-Vorsorge aber dennoch wahrnehmen sollten.

Um verlässliche Angaben zu erhalten, sollten Männer vor dem PSA-Test auf große körperliche Anstrengung, Geschlechtsverkehr und Fahrradfahren verzichten.

Hamburg, 12. Oktober 2014

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