Prostatabeschwerden: Welche gibt es, wie werden sie behandelt?

Männlich, Ü-50 und schon beginnen die Prostatabeschwerden. Ab einem gewissen Alter meldet sich das innere Geschlechtsorgan des Mannes mit kleinen oder größeren Erkrankungen. Welche Prostatabeschwerden gibt es und wie werden sie behandelt? Der Mediziner und Prostataexperte Dr. med. Christoph Pies klärt auf.

Prostatabeschwerden: Welche gibt es, wie werden sie behandelt?
Prostatabeschwerden betreffen viele Männer. Die kleine Vorsteherdrüse kann aufgrund ihrer Lage zu Blasenproblemen oder Potenzstörungen führen Foto: iStock / PALMIHELP

Prostatabeschwerden: Lage der Drüse im Unterleib problematisch

Gut versteckt liegt die kastaniengroße, runde Drüse im unteren Bauchraum zwischen Blase, Harnröhre und Penis. Sie wird auch als Vorsteherdrüse bezeichnet, was gleichzeitig ihre Lage und Funktion beschreibt. Als Drüse produziert sie einen Teil der Samenflüssigkeit, und sie steht direkt am Ausgang der Harnblase.

Am Eingang von der Harnblase in die Prostata befindet sich der innere Schließmuskel, der den Samenerguss kontrolliert. Am Ausgang von der Prostata in die Harnröhre liegt der äußere Schließmuskel, der für die Urinkontrolle zuständig ist. Die Lage der Prostata ist wichtig, wenn es um mögliche Beschwerden geht.

„Die meisten Drüsen der Prostata liegen in der sogenannten Übergangszone. Diese umschließt die Harnröhre. Dies ist wichtig zu wissen, da dieses Drüsengewebe im höheren Lebensalter zu einer gutartigen Vermehrung neigt. So kann es die Harnröhre einengen und Probleme beim Wasserlassen verursachen“, weiß Dr. Christoph Pies, Urologe und Bestsellerautor.

Wie machen sich Prostatabeschwerden bemerkbar? Und welche gibt es?

Probleme mit der Prostata machen sich deswegen zunächst meistens mit Beschwerden beim Wasserlassen bemerkbar. Auch Schmerzen im Unterleib können ein Hinweis auf Prostatabeschwerden sein. Mit dem Älterwerden beginnt für viele Männer ein Wachstum der Vorsteherdrüse, bekannt unter „gutartiger Prostatavergrößerung“. Damit sind sie nicht allein, laut Weltgesundheitsorganisation begibt sich in den westlichen Industrienationen fast jeder Mann im Laufe seines Lebens mindestens einmal in ärztliche Behandlung wegen seiner Prostata.

Das sind die häufigsten Prostataprobleme

1. Gutartige Prostatavergrößerung

Die Prostata wächst im Leben eines Mannes zweimal: in der Pubertät, wenn sich ihre Größe fast verdoppelt, und ab dem 25. Lebensjahr bis zum Ende des Lebens. Bei manchen Männern wächst sie bis auf ein Vielfaches ihrer Ausgangsgröße an. Leider sind sehr viele Männer davon betroffen, der Prozentanteil entspricht ungefähr dem Lebensalter: Ungefähr 50% der 50-Jährigen sind betroffen, 60% der 60-Jährigen, usw.

„Die entscheidende Ursache für eine Vergrößerung der Prostata ist ein Unterhormon des Testosterons, das Dihydrotestosteron (DHT)“, erklärt Dr. Christoph Pies. „Dieses stimuliert die Prostatazellen zum Wachstum. Zudem haben ältere Männer einen höheren Östrogenanteil, was ebenfalls zum Wachstum anregt. Mögliche Risikofaktoren für eine Prostatavergrößerung sind Übergewicht und mangelnde Bewegung. Denn: je größer der Bauchumfang, desto größer die Prostata!“, bringt es der Urologe auf den Punkt.

Während eine normale Prostata die Größe einer Kastanie hat und ca. 20 Gramm wiegt, kann sie bei der gutartigen Prostatavergrößerung die Größe einer Apfelsine mit einem Gewicht von über 120 Gramm erreichen.

2. Prostatitis

Eine weitere Erkrankung der Prostata ist die Prostatitis. Damit ist eine Gruppe von Krankheiten gemeint, die durch eine Entzündung und Schwellung der Prostata gekennzeichnet sind. Vor allem Männer zwischen 40 und 50 Jahren sind betroffen. Jeder zehnte Mann leidet irgendwann in seinem Leben daran.

Unterschieden werden folgende Arten der Prostataentzündung:

  • Akute bakterielle Prostatitis
  • Chronische bakterielle Prostataentzündung (länger als drei Monate)
  • Chronisches Beckenschmerzsyndrom (entzündlich oder nicht-entzündlich)
  • Prostatitis ohne Symptome

Im Gegensatz zu den chronischen Formen der Prostatitis fällt die akute bakterielle Prostataentzündung durch ihren plötzlichen und heftigen Beginn mit Fieber und Schüttelfrost auf.

Ursache einer Prostatitis, neben Risikofaktoren wie Diabetes oder einer Immunschwäche (HIV), kann eine chronische Entzündung im Körper sein, zum Beispiel eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung.

„Es ist möglich, aber nicht sicher bewiesen, dass Faktoren wie ein erhöhter Druck auf die Prostata, Kälte, Nässe, ein überaktives Immunsystem oder sogar übermäßiger Stress zur Reizung der Prostata beitragen können“, sagt Dr. Christoph Pies und ergänzt: „Sogar orthopädische Probleme des kleinen Beckens können ein chronisches Beckenschmerzsyndrom auslösen und die empfindliche Prostata beeinflussen.“

3. Prostatakrebs

Mit zunehmendem Alter funktionieren die körpereigenen Kontrollmechanismen zur Bekämpfung genetisch veränderter Zellen schlechter. Wenn sie sich ungehindert vermehren und außer Kontrolle geraten, entsteht Krebs. Fast alle Krebsarten der Prostata entwickeln sich aus Drüsenzellen. Selten nur sind andere Gewebeanteile der Prostata bösartig verändert.

Einige Prostatakrebsarten sind aggressiv und wachsen schnell, die meisten jedoch langsam. Diese Krebsart ist bei Männern in Deutschland mit 23% der neu diagnostizierten Tumorerkrankungen die häufigste Krebsart. „Bei der Sterblichkeit liegt Prostatakrebs mit elf Prozent allerdings niedriger. Das liegt zum einen an den wirksamen Behandlungsmöglichkeiten, zum anderen auch am langsamen Verlauf dieser Krebsart“, erläutert Christoph Pies. Vier von fünf Männern sterben nicht am Prostatakarzinom.

„Untersucht man verstorbene Männer über 70, findet man bei zwei von drei Männern ein latentes, also schlafendes Karzinom, das zu Lebzeiten nie Probleme bereitete“, weiß der Urologe Pies.

Prostatabeschwerden verursachen diese Symptome

Eine vergrößerte Prostata beengt vor allem die Harnröhre. Deswegen sind die Hauptsymptome bei einer Prostatavergrößerung häufiger Harndrang und Blasenentleerungsprobleme sowie häufiges nächtliches Wasserlassen. Der Blasenmuskel muss bei der Entleerung der Harnblase dauerhaft gegen den Widerstand arbeiten. Dies kann zu Problemen bei der Urinspeicherung führen und zu einer erschwerten Blasenentleerung. Selten kann auch Blut im Urin dabei sein, weil eine höhere Anfälligkeit für Blasenentzündungen besteht.

Bei der Prostatitis kommen neben der Harnproblematik noch Schmerzen und brennende Missempfindungen beim Wasserlassen hinzu. Außerdem leiden Betroffene manchmal unter dumpfen Schmerzen im Unterbauch und Dammbereich, die oft bis zur Penisspitze ausstrahlen. Auch der Samenerguss kann als unangenehm empfunden werden, die Sexualfunktion ist beeinträchtigt.

Jedoch macht die bedrohlichste Prostataerkrankung, der Prostatakrebs, vor allem in frühen Stadien keine Probleme. Veränderungen beim Wasserlassen können zwar auftreten, sind aber seltener als bei der gutartigen Prostatavergrößerung. Manchmal macht sich der Krebs durch Blut im Sperma oder Schmerzen beim Samenerguss bemerkbar. Aber das kann ebenfalls bei der Prostatitis der Fall sein.

„Umso wichtiger ist es, bei unklaren Symptomen frühzeitig eine medizinische Diagnose zu stellen“, warnt Dr. Christoph Pies.

Dies seien:

  • Abgeschwächter Harnstrahl
  • Blut im Urin
  • Verminderte Potenz
  • Veränderte Spermamenge
  • Blut in der Samenflüssigkeit
  • Schmerzen im Genital- und Beckenbereich

Die schlechte Nachricht: Etwa jeder zweite Mann mit Problemen beim Wasserlassen leidet auch unter sexuellen Funktionsstörungen und einer nachlassenden sexuellen Aktivität. Mit zunehmendem Alter nimmt auch die Spermamenge ab, weil die vergrößerte Prostata die Samengänge abdrücken kann.

Nach einer Prostataentfernung aufgrund eines Karzinoms sind erektile Dysfunktionen, also Erektionsstörungen oder Impotenz, keine Seltenheit. Die männliche Potenz wird über dünne, sehr empfindliche Nervenfasern gesteuert, die dicht entlang der Prostataoberfläche verlaufen. Bei einer Operation werden diese Nervenbündel nicht selten mit durchtrennt.

„Mittlerweile gibt es neue, minimalinvasive Operationstechniken wie das robotergestützte DaVinci-System, bei dem Potenzprobleme weniger oft auftreten bzw. eine schnellere Erholung eintritt“, beruhigt Christoph Pies.

Medikamente gegen Prostatabeschwerden

Bei mäßigen Beschwerden einer gutartigen Vergrößerung kommen Medikamente zum Einsatz, die die Muskulatur am Blasenausgang und in der Prostata entspannen und so die Entleerung erleichtern und den Harnstrahl verbessern. Ein weiterer Ansatz ist ein Eingriff in den Testosteronhaushalt, um eine Verkleinerung der Prostata zu bewirken.

Bei einer Entzündung der Prostata werden Antibiotika verabreicht. Zur Entspannung der Muskeln in der Prostata und zur Verbesserung der Blasenentleerung werden Alphablocker verschrieben. Gegen die Schmerzen kommen Diclofenac oder Ibuprofen zum Einsatz. Im Fall eines Prostatakarzinoms wird je nach Schwere der Erkrankung entschieden, ob eine Strahlentherapie vorgenommen und/oder eine Hormonentzugstherapie eingeleitet wird.

Mittel gegen Prostatabeschwerden: Pflanzliche Wirkstoffe

Extrakte aus Heilpflanzen sind zur Behandlung von Prostatabeschwerden sehr beliebt. Fast jeder zweite Mann soll solche Präparate parallel zu seiner ärztlichen Behandlung einnehmen. „Die weite Verbreitung und die hohe Therapietreue im Alltag deuten auf einen durchaus vorhandenen Effekt hin, auch wenn die Studienlage eher dünn ist“, bestätigt Dr. Christoph Pies. Die Produkte sollen entzündungshemmend, abschwellend und entspannend wirken.

Häufig eingesetzt werden Kürbiskerne (empfohlen werden 10g am Tag), Früchte der Sägezahnpalme (Sabal) oder Extrakte aus Brennnesselwurzeln. Besonders geeignet scheint die Kombination von hochkonzentrierten Extrakten aus der Sägezahnpalme und aus Brennnesselwurzeln zu sein. Dieses Duo wirkt gegen Beschwerden beim Wasserlassen, lindert häufigen Harndrang und wirkt reizlindernd auf entzündetes Prostatagewebe.

Hilfe bei Prostatabeschwerden

Wie zahlreichen anderen Erkrankungen auch, kann man Prostatabeschwerden in vielen Fällen vorbeugen. Ausreichendes Trinken ist zur Verhinderung einer bakteriellen Prostatitis erstes Mittel der Wahl. Dabei empfiehlt der Urologe Christoph Pies, die Flüssigkeitsmenge von 1,5 bis 2 Litern gleichmäßig über den Tag zu verteilen und abends weniger zu trinken.

„Wenn Sie die Blase nach der Uhr entleeren, beispielsweise alle 2 Stunden, verhindern sie eine Überdehnung und einen überfallartigen Harndrang“, rät Pies.

Fahren Sie gerne Fahrrad, dann achten Sie auf ausreichende Polsterung und darauf, dass der Unterleib nicht zu kalt wird. Das Immunsystem kann durch vitaminreiche Ernährung unterstützt werden.

Um Prostatakrebs früh zu erkennen, sollten Männer ab 45 Jahren die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen beim Urologen unbedingt wahrnehmen. Denn rechtzeitig erkannt, ist diese Krebsart heilbar.

Die gute Nachricht zum Schluss von Dr. med. Christoph Pies: „Sexuelle Aktivität kann übrigens für eine bessere Hormonbalance des Körpers und für eine gesteigerte Durchblutung der Prostata sorgen.“

Prostatabeschwerden können je nach Schwere der Erkrankungen also durchaus verhindert oder behandelt werden.

Unser Experte ist Dr. Christoph Pies. Er war bis Ende 2020 niedergelassener Urologe und arbeitet nun als Honorararzt, Telemediziner und Berater. Er möchte über Männergesundheit aufklären und unterhalten. Als Buchautor hat er bisher veröffentlicht: „Was passiert beim Urologen“, „Check-up Mann“ und jüngst „Fokus Prostata“. Zudem betreibt er den Podcast „Pinkelpause“.

Quellen:

Dr. med. Christoph Pies, Fokus Prostata, Herbig in der Franck-Kosmos Verlags GmbH, 2021

Dr. Christoph Pies, www.doc-pies.de

Prostatabeschwerden: Die Prostata- der wunde Punkt des Mannes, in: maennergesundheit.info