Prostata-Krebs: Was Männer jetzt wissen müssen

Prostata ist wichtige Drüse
Die Prostata ist für den Mann eine wichtige Drüse. Bei Erkrankungen treten zum Beispiel Probleme beim Wasserlassen auf © Fotolia

Für Männer ist die Prostata zweifellos die wichtigste Drüse – und ab 45 nicht selten ihr größter Schwachpunkt. Neue Verfahren machen es möglich, dass trotz Prostata-Tumor die "Manneskraft" erhalten bleibt.

„Patient vorbereitet.“ Der Assistenzarzt nickt dem Chirurgen zu. Mit größter Genauigkeit wird die Prostata entfernt, um Markus Möller (60) vor dem zu bewahren, wovor die meisten Männer Angst haben: Impotenz und Inkontinenz. Deutschlands Top-Ärzte beherrschen ihr Handwerk: Nach radikalen Prostata-Operationen bleiben 90 Prozent der Männer potent, weniger als zehn Prozent werden inkontinent.

Mehr als 70 000 Mal pro Jahr wird in Deutschland die Diagnose Prostata-Krebs gestellt. Somit ist das die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Das Heimtückische: Es gibt kaum Frühwarnzeichen. Deshalb sollten Männer ab 45 einmal jährlich einen Termin beim Urologen wahrnehmen. Der Arzt führt nach der Befragung eine Tastuntersuchung der Prostata durch. Diese ist nicht schmerzhaft, kann aber als unangenehm empfunden werden. Erkennt der Experte Auffälligkeiten wie eine Vergrößerung dieses Organs oder eine Verhärtung, ist eine weiterführende Abklärung notwendig. Dann kommt eine zur Vorsorge umstrittene, aber bei begründetem Verdacht sinnvolle Methode zum Einsatz: Die Bestimmung des PSA-Wertes (Prostataspezifisches Antigen) im Blut.

Prostata unterhalb der Harnblase
Die Prostata liegt unterhalb der Harnblase und umkleidet den Anfangsteil der Harnröhre. Sie ist in etwa so groß wie eine Kastanie© Fotolia

Ist dieser höher als 4 mg/dl, entnimmt der Arzt eine Gewebeprobe. Im Labor wird untersucht, ob diese von Tumoren befallen ist. Dann wird noch die Art und Aggressivität festgestellt. Zusätzlich können bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanz- oder Computer-Tomografie weiteren Aufschluss geben.

Ist die Diagnose klar, gilt: Je kleiner der Tumor ist, desto besser die Heilungschancen. Dafür gibt es verschiedene Strategien, von der aktiven Überwachung über die Bestrahlung bis zur operativen Entfernung.

 

Aktive Überwachung

Abzuwarten kann eine durchaus sinnvolle Strategie sein - aber nur in bestimmten Fällen: wenn der Tumor eine gewisse Größe nicht überschreitet und wenn erwartet wird, dass er nicht weiter wächst. Wichtig ist hier eine regelmäßige Kontrolle, zu Beginn alle drei Monate. Denn nur so können Veränderungen schnell erkannt werden, um eine andere Behandlung zu wählen.

Der Vorteil: So lange das Karzinom das Leben nicht beeinträchtigt, ist keine belastende Operation notwendig. Nebenwirkungen wie Impotenz oder Harn-Inkontinenz treten nicht auf. Aber das Wissen, einen Tumor in sich zu haben, kann für den Betroffenen psychisch sehr belastend sein. Deshalb wird hier meist eine begleitende Psychotherapie empfohlen.

 

Krebsherd ausschalten

Doch der Patient muss nicht mit diesem Gedanken leben. Es gibt eine neue, sogenannte fokale Therapie. Dabei wird der Krebsherd gezielt ausgeschaltet. Dafür ist eine Operation unter Vollnarkose notwendig, bei der spezielle Fasern zur Prostata gebracht werden. Mithilfe eines Lasers werden die Tumorgefäße nachhaltig geschädigt. In der Regel verlässt der Patient nach spätestens zwei Tagen wieder die Klinik. Die Potenz bleibt in den meisten Fällen erhalten. Diese fokale Therapie wird derzeit europaweit in klinischen Studien getestet. In Deutschland führen Experten des Prostatazentrums am Klinikum der Universität München sowie der Martini-Klinik am UKE Hamburg-Eppendorf diesen Eingriff durch. Interessierte Patienten können sich direkt an diese Kliniken wenden.

 

Bestrahlung

Die Tumorzellen sterben auch bei der Bestrahlung ab. Zu den neueren Methoden gehört in diesem Bereich die intensitätsmodulierte Radiotherapie (IMRT). Hierbei kann die Dosierung der Strahlung an verschiedenen Punkten unterschiedlich eingestellt werden. Das hat im Vergleich zur herkömmlichen Bestrahlung den Vorteil, dass der Tumor noch gezielter und intensiver bestrahlt wird. Umliegendes Gewebe und Organe können geschützt werden. Daher gibt es weniger Nebenwirkungen. Bei deutlich mehr Patienten, die mit dieser Form der Strahlentherapie behandelt wurden, konnte die Potenz erhalten bleiben.

Eine weitere Möglichkeit ist die Bestrahlung von innen, die sogenannte Brachytherapie. Dafür werden unter Voll- oder Teilnarkose mit einer Hohlnadel radioaktive Teilchen in die Prostata eingesetzt. Der Vorteil der verwendeten Stoffe: Ihre Strahlung reicht nur wenige Millimeter - somit ist die Wirkung auch nur auf den Tumor begrenzt. Die Teilchen bleiben zwar im Körper, die Strahlung klingt aber nach einige Monaten ab. Die Erfolgsquote bei kleinen Tumoren liegt bei dieser Therapie bei 70 Prozent.

 

Hormon-Entzug

Oft wird die Bestrahlung mit einer Hormonentzugs-Therapie kombiniert. Durch die Einnahme bestimmter Medikamente kann das Wachstum der Prostata und des Karzinoms verlangsamt, aber nicht ganz gestoppt werden. Außerdem kann das testosteronbildende Hodengewebe entfernt werden.

 

Operative Entfernung

Das ist noch immer die häufigste Methode, den Krebs zu besiegen: Die Entfernung der Prostata. Diese Methode kann jedoch nur angewandt werden, wenn das Karzinom auf dieses Organ begrenzt ist und noch nicht streut. Mögliche Nebenwirkungen hängen davon ab, wie groß die Prostata und der Tumor vor der OP sind. Unkontrollierter Harnabgang, vor allem die erste Zeit nach der Operation, und Erektionsprobleme können die Folgen sein. Doch um Letzteres zu verhindern, werden in vielen Krankenhäusern bereits ab dem dritten Tag nach der Operation potenzfördernde Medikamente gegeben. Über sechs Wochen wird eine niedrig dosierte Gabe empfohlen, Nebenwirkungen treten hier laut Experten nicht auf.

Operation bei Prostata-Krebs
Die häufigste Maßnahme bei Prostata-Krebs ist die operative Entfernung© Fotolia

Einige Kliniken in Deutschland bieten heute bereits eine roboterbasierte Operation an. Das hat den Vorteil, dass der Schnitt sehr klein ist und noch genauer operiert werden kann. Es wird weniger Gewebe verletzt und somit ist die Gefahr, danach impotent zu werden, noch deutlich geringer.

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