Power-Organ Schilddrüse: So tunen Sie Ihren inneren Motor

Schilddrüse
Frauen sind etwa siebenmal häufiger von Funktionsstörungen der Schilddrüse betroffen als Männer © iStock

Sie macht schlank, fit und glücklich – aber nur wenn sie in Form ist. Nutzen Sie Ihre Schilddrüse als Personal Coach, anstatt sich von ihr Sand ins Getriebe streuen zu lassen.

Hat Ihr Sofa Sie fest im Griff? Oder sind Sie im Gegensatz dazu so im Energierausch, dass Sie Ihr Umfeld mit Ihrem Übereifer triezen? Wie es um unseren inneren Antrieb steht, beeinflusst auch ein eher unscheinbares Organ in unserem Hals: die Schilddrüse. Klein und schmetterlingsförmig versteckt sie sich hinter dem Kehlkopf, schützt wie ein Schild die Luftröhre und spielt dabei eine entscheidende Rolle für unser Wohlbefinden.

 

Kleines Kraftwerk

Das Power-Organ wird auch als innerer Motor bezeichnet. Oder wie es der Schilddrüsen-Experte Dr. med. Bernd Lorenz aus Gera formuliert – er sieht in ihr die „Regierung über sämtliche Stoffwechselprozesse“. Sie produziert die Hormone Thyroxin und Trijodthyronin, die den kompletten Energiestoffwechsel unserer Zellen und die Fett- und Zuckerverbrennung regulieren. Der Effekt: Wenn alles rund läuft, steigt der gesamte Grundumsatz an. Dann macht die Schilddrüse uns schlanker, attraktiver, glücklicher und körperlich fitter.

 

Aus dem Rhythmus

Allerdings sorgt das Organ nur dann richtig für uns, wenn es ihm gut geht. Kommt die Schilddrüse jedoch aus dem Takt, ist sie Ausgangspunkt für zahlreiche Krankheiten, wie Dr. Lorenz betont: „In Deutschland weist jeder Zweite ungesunde Veränderungen an der Schilddrüse auf. Funktionsstörungen, die behandelt werden müssen, liegen aber nur bei etwa zehn bis 15 Prozent vor.“ Warum Frauen etwa siebenmal häufiger betroffen sind als Männer, erklärt der Experte so: „Frauen sind hormonellen Wechseln unterlegen: Sie nehmen die Pille oder werden schwanger. Damit sind sie besonders anfällig für Jodmangel, der dann zu Knoten und einer Vergrößerung der Schilddrüse führen kann.“

 

Symptome bei Störungen

Bewirkt der Jodmangel zusätzlich zu den Knoten eine Unterfunktion, werden nicht mehr genügend Schilddrüsenhormone produziert: Die Patienten frieren, sind müde, abgeschlagen und nehmen zu. Erstaunlicherweise kann auch eine Überfunktion durch Jodmangel verursacht werden. Wenn die Schilddrüse nämlich versucht, die fehlenden Hormone durch verstärktes Wachstum auszugleichen: „Durch das Zuviel an Hormonen befindet sich der Körper in einem künstlichen Stresszustand. Der Patient ist nervös, schwitzt, hat einen zu hohen Blutdruck, leidet unter Durchfällen und nimmt ab“, erklärt Lorenz.

schilddrüse Symptome
Die schmetterlingsförmige Schilddrüse sitzt unterhalb des Kehlkopfes© iStock
 

Ja zu Jod

Die gute Nachricht: Sie können einer Schilddrüsenstörung, die auf Jodmangel zurückgeht, vorbeugen. Der Schlüssel dazu: Ihre Ernährung. Die von der Schilddrüse produzierten Hormone sind jodhaltig und werden zudem mithilfe von gespeichertem Jod hergestellt. Ohne die ausreichende Menge Jod, das durch die Nahrung aufgenommen wird, kann die Drüse ihre Arbeit nicht mehr im vollen Umfang leisten. Dr. Lorenz empfiehlt, den Jodbedarf gezielt zu decken: „Benutzen Sie Jodsalz im Haushalt und essen Sie nicht zu viele Fertigprodukte – denn die enthalten kein Jodsalz.“

 

Mehr aus dem Meer

Zusätzlich ist es sinnvoll, so oft wie möglich Meeresfisch wie zum Beispiel Schellfisch, Seelachs, Scholle oder Kabeljau in den Speiseplan zu integrieren. Der Fisch sollte nicht gekocht werden, da das Jod beim Kochprozess ins Wasser übergeht und weggeschüttet wird. Braten, dünsten, backen oder räuchern Sie ihn. Meeresalgen und Seetang sind ebenfalls zu empfehlen, da sie besonders viel Jod enthalten. Wer die Pille nimmt, schwanger ist, sich vegetarisch oder vegan ernährt, sollte besonders darauf achten, die von der Weltgesundheits-Organisation WHO empfohlene Tagesdosis Jod von etwa 200 Mikrogramm zu erreichen. „Vegetariern und Veganern rate ich außerdem, die Arbeit der Drüse mit dem Nahrungsergänzungsmittel Selen zu unterstützen“, empfiehlt der Experte. Selen ist ein Spurenelement, das vor allem in Fisch enthalten ist. Die Schilddrüse braucht es, um Jod zu produzieren.

 

Zuviel des Guten

Vorsicht: Bei einer krankhaften Veränderung der Schilddrüse, die nicht auf Jodmangel basiert, kann zu viel Jod sogar zu einer Verschlechterung der Krankheit führen. Ob Sie an solch einer Erkrankung leiden, sollten Sie von einem Arzt untersuchen lassen, wenn Sie Symptome einer Unter- oder Überfunktion bemerken. Eine nicht durch Jodmangel entstandene Krankheit ist etwa die häufig auftretende Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis. Hier ist die Schilddrüse chronisch entzündet, weil das Immunsystem körpereigenes Gewebe angreift. Die Folge: eine chronische Unterfunktion. Bei einer Überfunktion kann die Autoimmunkrankheit Morbus Basedow der Auslöser sein. Hier wird mit Medikamenten therapiert.

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